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KAPITELWAHL

FINAL TARGET (Thailand 2009)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. THE VANQUISHER
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. MANOP UDOMDEJ
Drehbuch. MANOP UDOMDEJ
Musik. PATAI PUANGCHIN
Kamera. PIPAT PAYAKKA
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. SOPITA SRIBALCHUEN . KESSARIN EKTAWATKUL . JACQUELINE APITANANON u.a.

Review Datum. 2010-07-20
Erscheinungsdatum. 2010-06-25
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . THAILÄNDISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Eine böse Agentin mit buschigen Augenbrauen kämpft gegen eine gute Agentin mit leichtem Bartschatten. Gekämpft wird selbstverständlich mit Schwertern, die CIA hat nichts anderes.
Die Handlung von FINAL TARGET detaillierter zu beschreiben wäre Betrug, denn es könnte der Eindruck entstehen, weitere Details wären wichtig. Etwa der Terrorist, der auch noch gejagt wird, und der Bangkok kaputtbomben will. Die Gesichtsbehaarung der Hauptdarstellerinnen ist freilich auch nicht wichtig, sie fällt nur auf, wo sonst schon nichts auffällt. Dass Menschen mal hier und da ein Haar wächst, liegt in ihrer Natur, und die Tatsache, dass ein Film seine Schauspielerinnen aussehen lässt wie menschliche Wesen anstatt wie Filmschauspielerinnen könnte man liebenswert und vorbildlich finden. Vermutlich handelt es sich aber nicht um ein Statement, sondern um reine Nachlässigkeit.

So wie im ganzen Film an der Sorgfalt gespart wurde. Man muss FINAL TARGET lassen, dass er einigermaßen gut aussieht, aber auch eine Hochglanz-Katastrophe ist eben letztendlich nur eine Katastrophe. Die Inszenierung von Manop Udomdej, dessen Gecko-Horrorfilm LIZARD WOMAN nicht ganz so schlecht war wie sein Ruf, ist behäbig bis amateurhaft. Insbesondere die vermeintlichen Actionszenen konzentrieren sich auf Superzeitlupen banaler Aufwärmübungen und Großaufnahmen derart nebensächlicher Details, dass man bisweilen meint, man wäre versehentlich an den falschen Fernbedienungsknopf gekommen. Die Besetzung besteht eher aus Sportlern denn aus Mimen. Man muss davon ausgehen, dass sie auf ihrem Gebiet etwas können. Zu schade nur, dass es hier kaum gezeigt wird. Stattdessen ist man der Schauspielerei dieser Sportler ausgeliefert, was ganz klar nicht ihr Metier ist. Da sich der Agentenfilm um genregerechte Internationalität bemüht, gibt es neben Thais auch noch japanische, malaiische, amerikanische und diffus arabische Rollen. Über den üblichen westlichen Nebendarsteller in asiatischen Filmen wurde schon viel berechtigte Häme ausgeschüttet, aber man staunt doch immer wieder. Wo finden sie diese Leute? Die werden auf Ko Samui wahrscheinlich direkt vom Strand wegbesetzt, in einen Anzug gesteckt und bekommen Regieanweisungen: "Du bist Geheimagent! Sag etwas Englisches! Sehr gut, ist im Kasten!" Mit einem solchen Ensemble ist FINAL TARGET einer der ganz seltenen Fälle, bei denen die deutsche Synchronfassung natürlicher klingt als der Originalton (aber nicht viel), der durchsetzt ist mit abrupten Denkpausen auf der Suche nach der nächsten Zeile.

Wer diese Darsteller sind, wissen wir nicht. Wer die Figuren sind, die sie spielen, erfahren wir nie. Wir müssen ja nicht gleich alles wissen, wer will das schon. Von James Bond wissen wir seit Jahrzehnten nicht viel mehr, als dass er ein begeisterter Heterosexueller ist, der gerne mal einen trinkt. Das reicht. Breite Bevölkerungsschichten in aller Welt können sich mit dem einen oder anderen Aspekt identifizieren. Den Charakteren in FINAL TARGET fehlen selbst diese Minimaldetails, also kümmert uns auch nicht groß, ob die mit dem Bart oder die mit den Augenbrauen die Gute oder die Böse ist, oder was mit einer von beiden geschieht. Bald kümmert einen überhaupt nichts mehr von dem, was geschieht. Nicht, wo plötzlich die Ninja herkommen, und nicht, was die schwertschwingenden Muslimas sollen, oder wie man die beiden Gruppen optisch auseinanderhalten soll.

Immerhin konsequent: Genauso belanglos wie Figuren und Plot sind auch die Kulissen. Ach, würde der Film doch nur erkennbar irgendwo spielen. An einer Stelle wurden unmotiviert ein paar menschenleere Aufnahmen der Tempelanlage Wat Phra Kaeo hineingeschnitten, wohl um zu signalisieren, dass wir jetzt in Bangkok sind, so wie es das schmucke DVD-Cover mit seiner nächtlichen Skyline ebenfalls suggeriert. Die Spielszenen in Wäldern (selten) und Innenräumen (häufig) hätten aber ebenso gut in einem Wäldchen und Studio bei Krefeld gedreht worden sein können. Zu schade, gehört Bangkok doch zu den asiatischen Metropolen, die noch nicht völlig totgefilmt sind. Andererseits: Schön, dass gerade FINAL TARGET nichts daran ändert.

Ein großer Fehler wäre, in FINAL TARGET guten Trash zu sehen. Dafür fehlen der Schmiss und das Extreme. Angesichts der gefährlichen Ab-18-Freigabe auf bösem roten Grund sollte man sich die Hände auch nicht allzu warm reiben. Hier und da ein feuchter Kopfschuss, aber unterm Strich nichts, was im TATORT fehl am Platze wäre.

Die Frage, warum so ein Film gemacht wird, erübrigt sich. Sollte wohl ein guter Film werden, auf dem Weg ist was schief gelaufen, kann passieren, Schwamm drüber. Warum aber ausländische Verleiher ohne Not diesen Titel ins Programm nehmen, ist ein Mysterium. Es steht außer Frage, dass es außerhalb des sozialen Umfelds und familiären Gefüges der Macher und Akteure niemanden auf der Welt geben wird, der Gefallen an FINAL TARGET finden könnte. Man muss da noch nicht mal mit dem windelweichen Vermittlerargument von der Unterschiedlichkeit der Geschmäcker kommen. So unterschiedlich sind Geschmäcker nun auch wieder nicht. Die Veröffentlichung eines solchen Titels, noch dazu unter vollmundigen und schlichtweg gelogenen Marketing-Versprechungen von einem "noch nie dagewesenen Martial-Arts-Film" mit "grandiose(n) Schwert- und Faustkämpfe(n)", ist zynisch, geschäftsschädigend und keine große Hilfe für die Bewegung. Im deutschsprachigen Raum kann der asiatische Film nicht allein von der geduldigen und treuen Freakgemeinde leben, die ihre Größe und Macht selbst gern überschätzt. Er ist auf Laufkundschaft angewiesen. Die läuft aber ganz schnell weg und kommt nicht wieder, wenn sie erstmal ein paar Asia-Gurken zu viel gesehen hat.
Etwas mehr Qualitätskontrolle wäre wünschenswert. Vielleicht muss man nicht jeden Film veröffentlichen, in dem eine mandeläugige Frau mit Schwert vorkommt. Selbst wenn sie ein süßes Bärtchen trägt.

DVD.
Bild und Ton sind so gut, dass man ausrufen möchte: Das hat der Film nicht verdient! Extras gibt es zum Glück keine.








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