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KAPITELWAHL

INTERVIEW (USA/Kanada/Niederlande 2007)

von Florian Lieb

Original Titel. INTERVIEW
Laufzeit in Minuten. 81

Regie. STEVE BUSCEMI
Drehbuch. STEVE BUSCEMI . DAVID SCHECHTER . THEODOR HOLMAN
Musik. EVAN LURIE
Kamera. THOMAS KIST
Schnitt. KATE WILLIAMS
Darsteller. SIENNA MILLER . STEVE BUSCEMI . TARA ELDERS . MOLLY GRIFFITH u.a.

Review Datum. 2010-06-19
Erscheinungsdatum. 2010-04-01
Vertrieb. ARTHAUS/KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Mitte des letzten Jahrzehnts hatten es die Nordeuropäer mit dem Islam. 2005 veröffentlichte die dänische Zeitschrift Jyllands-Posten zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed, was zu weltweiten Demonstrationen führte. Ein Jahr zuvor war in den Niederlanden der Filmemacher Theo van Gogh von einem marokkanischen Fundamentalisten auf offener Straße ermordet worden, weil er einen Film über die Unterdrückung der Frau im Islam gedreht hatte. Der holländische Satiriker van Gogh war speziell mit seinen antisemitischen und anti-islamischen Bemerkungen angeeckt. Vor seinem Tod hatte er geplant, in den USA drei seiner Filme neu zu drehen. Jene Aufgabe wollten nun seine Freunde und Kollegen fortführen. Der Schauspieler Steve Buscemi fungierte in INTERVIEW, dem gleichnamigen Remake von van Goghs 2003er Werk, nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Regisseur.

Buscemi schlüpft in die Rolle von Pierre Peters, einem Politik-Journalisten des Magazins "Newsworld", der nicht zu einer Pressekonferenz des Weißen Hauses nach Washington geflogen wird, sondern stattdessen die TV- und Horrorfilm-Darstellerin Katya (Sienna Miller) interviewen muss. Diese kommt, wie es sich für ein Starlet gehört, auch gleich mal eine Stunde zu spät zum gemeinsamen Termin, reagiert dann angesäuert, dass Pierre sich nicht vorbereitet hat und bekommt von diesem dafür mit "Cuntya" eine Verballhornung ihres Namens entgegengeschleudert. Das Interview scheint vorbei, ehe es angefangen hat. Man geht getrennte Wege, die sich nach einem Autounfall wenige Meter später allerdings wieder kreuzen. Katya nimmt den Journalisten mit in ihre Wohnung, dieser dort das Interview wieder auf, welches jedoch alsbald persönliche Bahnen schlägt.

Plötzlich liegt erotische Spannung in der Luft, wird viel gelacht und viel getrunken. Ständig bellt Katyas Telefon, die daraufhin für einige Minuten ins Schlafzimmer verschwindet, um zu Telefonieren. Derweil durchforstet Pierre ihren Laptop und stößt auf private Geheimnisse. Es stellt sich heraus, dass er doch mehr über Katya weiß, als er einzugestehen bereit war. Und Katya ist natürlich nicht ganz das blonde Dummchen, für das man sie auf den ersten Blick halten mag. Beide haben inzwischen ein langweiliges Eine-Hand-wäscht-die-Andere-Spiel begonnen, in dem Pierre genauso viel von sich preisgeben muss, wie er zu erfahren hofft. Die Storys, die Buscemi anschließend vom Stapel lässt, sind so erschreckend peinlich, dass einem die Ohren rasseln. Da wurde die Prostituierten-Geliebte seines Bruders von einem südamerikanischen Despoten namens Oleg (!) vergewaltigt und ermordet, und die eigene Tochter starb an einer Überdosis Heroin.

Das Schubladen-Denken in INTERVIEW, welches in der Restaurant-Szene noch zum Schmunzeln war, geht einem dann nach der Hälfte des Filmes nur noch auf den Zeiger. Pierre ist der narzisstische Journalist, der seine Nase in Dinge steckt, die ihn nichts angehen und der dabei stets ein Doppelspiel betreibt. Katya wiederum ist die als Szene-Hure abgestempelte Schauspielerin, die ordentlich Koks schnupft und Rotwein süffelt. Natürlich ist aber nichts so wie es scheint. Der im dritten Akt platzierte Twist, der sich erst in der Schlussszene "offenbart", ist dann letztlich nur genauso armselig, wie es bereits der gesamte zweite Akt war. Im Nachhinein verkommt INTERVIEW somit zu einem aufgeblasenen Haufen Nichts, welches glücklicherweise bereits nach achtzig Minuten zu Ende geht. Womit der Film zum Remake wird, das eigentlich kein Mensch gebraucht hat.

DVD.
Bild und Ton sind akzeptabel, ohne dass sich das Eine groß vom Anderen abhebt. Zu Grunde lag dieser Besprechung das Exemplar der Arthaus Collection (unten verlinkt), welches abgesehen von einem Booklet absolut identisch ist mit der bereits seit zwei Jahren auf dem Markt erhältlichen DVD. Diese ist jedoch zwei Euro billiger. Beide Discs warten als Extras lediglich mit einem kurzen "Behind the Scenes"-Beitrag sowie einem "Triple Theo"-Featurette auf, das den Gedanken, drei Filme von van Gogh zu remaken, erläutert. Insgesamt also eine sehr bescheidene Ausstattung, die in ihrer Neuauflage dem Kunden nur noch zusätzlich in die Tasche greifen will.








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