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KAPITELWAHL

DER BLUTIGE PFAD GOTTES 2 (USA 2009)

von Marc Zeller

Original Titel. THE BOONDOCK SAINTS II: ALL SAINTS DAY
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. TROY DUFFY
Drehbuch. TROY DUFFY
Musik. JEFF DANNA
Kamera. MIROSLAW BASZAK
Schnitt. BILL DERONDE . PAUL KUMPATA
Darsteller. SEAN PATRICK FLANERY . NORMAN REEDUS . BILLY CONNOLLY . JULIE BENZ u.a.

Review Datum. 2010-05-04
Erscheinungsdatum. 2010-05-06
Vertrieb. SONY PICTURES

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Rache- und Selbstjustizfilme feiern derzeit selbst im Mainstream-Kino ein Comeback, das einem nach der langjährigen Verteufelung des Genres fast schon ein wenig merkwürdig vorkommt: Während sich auf der Leinwand A-Stars wie Liam Neeson und Mel Gibson durch triefend blutige Actiongemetzel kloppen und ballern, steht auf DVD nun eine altbekannte und mit einem gewissen Ruf behaftete Marke wieder auf der Matte: DER BLUTIGE PFAD GOTTES geht nach mehr als zehnjähriger Funkstille in die zweite Runde.

Die langen Jahre sieht man den beiden Protagonisten zu Anfang auch direkt an: Mit Vollbart und siffigen Hemden bewirtschaften die Brüder MacManus die Farm ihres Vaters in Irland, doch – so der etwas gestelzt wirkende Off-Kommentar – richtig befriedigend ist dieses Leben für Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy (Norman Reedus) nicht. Da kommt es wie gerufen, dass in Boston ein Priester in einer Kirche umgelegt wird – und zwar in dem Stil, in dem die beiden selbsternannten Rächer im ersten Teil ihre Opfer zur Strecke brachten. Dass jemand ihre Handschrift kopiert, kann eigentlich nur eine Falle bedeuten. Nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb? – machen sich die "Saints" auf in die Vereinigten Staaten, um den Verantwortlichen mit mächtigen Knarren endgültig das Handwerk zu legen ...

Seit 2003 war das von Fans des ersten Teils sehnlich erwartete Sequel bereits in der Mache, doch undurchsichtige Komplikationen und Finanzierungsprobleme verzögerten die Produktion immer weiter. Gepaart mit der Information, dass Troy Duffy als Regie-Roughneck der übelsten Sorte gilt, der außer dem genannten ersten Teil bisher noch nichts zustande gebracht hat, stehen die Zeichen demnach nicht wirklich gut für DER BLUTIGE PFAD GOTTES 2.

Der erste Teil hatte, das muss man ihm trotz der gehypten Reputation lassen, einen gewissen Stil und eine hemdsärmelige Coolness, für die so mancher seinerzeit gerne über alle Simplizität und fragwürdige Moral hinwegblickte. Der Nachfolger erbt diese Qualitäten leider nur bedingt: Die Schießereien rocken immer noch und sehen saumäßig schick aus, wirken aber wie eine Neuauflage der exakt gleichen Zeitlupeninszenierung, die mittlerweile ein ganzes Jahrzehnt auf dem Buckel hat. Pure Nostalgie? Blanke Einfallslosigkeit trifft es womöglich besser. Und so sehr man sich auch über das Wiedersehen mit der illustren Truppe freuen mag, es fällt doch überaus deutlich ins Auge, dass einer fehlt: Willem Dafoe, der als schräger Ermittler Paul Smecker maßgeblich zum Erfolg des Originals beigetragen hat, wird durch eine auf sexy getrimmte Julie Benz ersetzt, die planlos Sprüche klopft und dabei so daneben ausschaut wie Kermit der Frosch in einer Simpsons-Folge. Ihre Schuld ist das freilich nicht: Es ist vielmehr ihr Charakter, der sich einfach nicht so recht in die Szenerie einfügen will, trotz recht spät einsetzender Tatortbesichtigungen à la Smecker.

Der dümmliche Humor, der vor allem zu Beginn reichlich auf den Senkel geht, verflüchtigt sich glücklicherweise nach einer Weile, nervigen Ersatz findet er aber in einer gegen Ende absurd überkonstruierten Handlung, die ein Regie-Fliegengewicht wie Duffy nicht mal in seinen Träumen glaubwürdig inszenieren könnte. Da hilft dann auch der vielversprechende Latino-Sidekick der beiden Killerbrüder nicht mehr viel – zumal der irgendwie ebenso bemüht und hingeschustert wirkt wie der ganze Rest.

Lässiges Slo Mo-Geballer aus der Retorte, mühevoll versteckt in einem unausgegorenen Häuflein Elend, das so gern ein unangepasster Actionfilm wäre – für die Fans, wie Mr. Duffy in einem Interview preisgibt. Wenn sie's ihm gebührend mit rausgeschmissenem Geld danken, gibt's womöglich in zehn Jahren den bereits anklingenden dritten Teil. Aber vielleicht hat der Herr im Himmel ja Erbarmen und lässt diesen bitteren Kelch an uns vorübergehen. Amen.

DVD.
Die FSK 18-DVD, die nur eine gekürzte Fassung des Films zu bieten hat, ist zumindest technisch auf der Höhe der Zeit: Das Bild ist überwiegend schön scharf und die Schießeisen wummern tongewaltig aus der Surround-Anlage. Selbst die Extras können sich überraschenderweise sehen lassen: Das etwa halbstündige Making of stinkt zwar mächtig nach Eigenlob aller Beteiligten, bietet aber doch interessante Einblicke in den Dreh des Films. Eine Teestunde mit dem Regisseur und seinem Darsteller Billy Connolly, der übliche Trailer und ein paar entfallene Szenen gibt's obendrauf. Damit nicht genug: Ganz unbeirrte Fans dürfen sich den Film noch zwei weitere Male mit unterschiedlichen Kommentaren von Cast und Crew antun.








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