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KAPITELWAHL

FIREPOWER (Großbritannien 1979)

von Hasko Baumann

Original Titel. FIREPOWER
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. MICHAEL WINNER
Drehbuch. GERALD WILSON
Musik. GATO BARBIERI
Kamera. ROBERT PAYNTER
Schnitt. MICHAEL WINNER
Darsteller. JAMES COBURN . SOPHIA LOREN . O.J. SIMPSON . ELI WALLACH u.a.

Review Datum. 2010-04-26
Erscheinungsdatum. 2010-01-08
Vertrieb. EPIX MEDIA AG

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Michael Winner, dieser Teufelskerl! In England hat es der geschmacksunsichere Regierüpel dank seiner Popularität als polemischer Gastkritiker und Werbespot-Star zum National Treasure gebracht. 2005 lehnte er den Orden des British Empire für seine wohltätige Arbeit im Rahmen des Police Memorial Trust dankend ab - mit der Begründung, der Orden wäre etwas für Leute, "die die Toiletten in der King's Cross Station besonders gut sauber machen". 2007 fing sich der Lebemann bei einer gepflegten Portion Austern auf Barbados einen heimtückischen Virus ein, der fast zur Beinamputation führte und ihn mehrfach an den Rand des Todes brachte. Aber Winner wäre nicht Winner, wenn er sich von Bakterien besiegen lassen würde; dieser Mann hat Charles Bronson, Oliver Reed und Faye Dunaway überlebt, die Attacken von entnervten Filmkritikern überstanden und die Proteste von Linksliberalen und Feministen ausgesessen. Wer mehr vom bewegten Leben dieses herrlichen Rowdys wissen will, dem sei seine überaus vergnügliche Autobiographie "Winner Takes All" ans Herz gelegt.

FIREPOWER ist eher als Fußnote in Winners Filmografie zu sehen, handelt es sich doch um keineswegs anstößiges Starkino; den Sleaze hat der DEATH WISH- und MECHANIC-Regisseur dieses Mal zuhause gelassen. Dennoch erweist sich auch FIREPOWER schon in den ersten Minuten als echter Winner: Sophia Loren (heiß!) betritt die Szenerie, ruckzuck geht's zur Sache, ihr Mann stirbt in einer ausgesprochen zünftigen Explosion - Vorspann. Die typisch weitwinkligen Bilder, ein sagenhaft ungeschönter Schnitt (Winner hat unter seinem Pseudonym Arnold Crust mal wieder selbst die Heckenschere angelegt) und die Konzentration aufs Wesentliche: That's Michael for you, luv. Loren will Rache; der extrem zurückgezogene und extrem bewachte Superkriminelle Stegner ist das Ziel ihrer Vendetta. Vincent Gardenia holt mit Eli Wallachs Hilfe den Mann fürs Grobe ins Boot: James Coburn nimmt den Auftrag an. Ein Aufstand alter Männer also, könnte man sagen - wäre nicht das Sicherheitsteam rund um Stegner noch älter als die Angriffscombo. Mitunter beschleicht einen bei George Grizzard und seinen Jungs das Gefühl, sie fühlten sich eher genervt als bedroht von Coburns planlosem Gehampel; wie eine lästige Fliege stört er die in die Jahre gekommenen Gangster im sonnigen Vorruhestand. Coburn hat übrigens auch einen heimlichen Zwillingsbruder, was Winner aber nicht so recht zu interessieren scheint. Ohnehin hat man den Eindruck, der Regisseur habe seine persönliche Abneigung gegen seinen Star in den Film einfließen lassen, denn Coburn wirkt hier genauso, wie Winner ihn in seinen Memoiren beschreibt: "Schrecklich langweilig." Sophia Loren ist das Gehirn der Operation, und O.J. Simpson darf als freundlicher Handlanger die ganze Zeit die anstrengenden Action-Aufgaben übernehmen, bis er sich in einer selten dämlichen Aktion als Kugelfang anbietet und am Steuer eines Motorboots das Zeitliche segnet.

So muß am Ende Coburn doch noch mal selber ran, und da drückt FIREPOWER richtig auf die Tube: Zuerst wird das Haus des Bösen mit einer Planierraupe plattgemacht, danach fliegen bei einer Verfolgungsjagd Autos in die Luft und schlußendlich setzt Coburn seine Widersacher auf einem Holzsteg in Brand (die warten auch alle brav, bis sie so richtig schön knusprig sind, bevor sie ins kühle Naß springen). Zu diesem Zeitpunkt hat man leider das Interesse schon ein wenig verloren; zu unentschieden mäandert das Geschehen vor und zurück, ohne den Actionfreund so richtig zu packen. Man merkt FIREPOWER an, daß es sich um ein Projekt handelt, das schon so einige Stadien der Entwicklung hinter sich hatte, bevor es losging: Zunächst als DIRTY HARRY-Fortsetzung geschrieben, entwickelte sich das Ganze schließlich zum Charles Bronson-Vehikel, das aber auch scheiterte - angeblich, weil Bronson die Besetzung seiner Frau Jill Ireland zur Bedingung machte. Was bleibt, ist ein zwar vorzüglich besetzter, aber leider recht zahnloser Krimi, dem etwas mehr Winnersche Rücksichtslosigkeit ganz gut getan hätte.

DVD.
Die DVD kommt mit einem bezaubernden Cover, bietet den Film aber leider nur in einer Vollbildversion (in guter Qualität). Der deutsche Ton kommt etwas krachig, dafür ist die Synchro vom Feinsten; am englischen Sound ist nichts auszusetzen. Extras: Nur der alte Trailer, der ganz schmuck ist.








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