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KAPITELWAHL

JENNIFER'S BODY (USA 2009)

von Marc Zeller

Original Titel. JENNIFER'S BODY
Laufzeit in Minuten. 98/103

Regie. KARYN KUSAMA
Drehbuch. DIABLO CODY
Musik. STEPHEN BARTON . THEODORE SHAPIRO
Kamera. M. DAVID MULLEN
Schnitt. PLUMMY TUCKER
Darsteller. MEGAN FOX . AMANDA SEYFRIED . JOHNNY SIMMONS . ADAM BRODY u.a.

Review Datum. 2010-03-04
Erscheinungsdatum. 2010-03-26
Vertrieb. 20TH CENTURY FOX

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . ITALIENISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . ITALIENISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Marketing ist manchmal alles. Das beweist nicht nur die endlos lange Liste mieser Filme, die mit einem halbwegs flott zusammengestückelten Trailer ihr ahnungsloses Publikum köderten und unverdienten Erfolg einfuhren. Neu ist das nicht: Selbst die altehrwürdigen Hammer-Studios hatten es bisweilen nötig, ihre harmloseren Streifen als Gruselgranaten anzupreisen, um das geneigte Publikum in die Vorstellungen zu locken. Im Kontext von JENNIFER'S BODY kann diese Vorüberlegung nur eines bedeuten: Der Film ist nicht, was er zu sein vorgibt.

Worum geht's eigentlich? Wem die Antwort "Um Megan Fox' Möpse" etwas zu unreflektiert ist, dem sei hier ein kurzer Abriss gegönnt: Jennifer Check (Fox) ist die heißeste High School-Göre des verschlafenen Nests Devil's Kettle (Holzhammer-Symbolik bitte nicht verpassen). Mit ihrer nerdigen Freundin Needy (Amanda Seyfried) macht sie das Städtchen unsicher – bis zu jenem Tag, als sie nach einem Rockkonzert von den Bandmitgliedern verschleppt und in einen Dämon verwandelt wird, der fortan männliche Artgenossen zum Fressen gern hat (klopf, klopf ...). Needy, aus deren Perspektive die Geschichte über weite Strecken erzählt wird, bekommt als einzige Wind von dem Spuk und muss somit auf sich allein gestellt die brutale Mordserie aufhalten, für die ihre geliebte Jennifer verantwortlich ist ...

JENNIFER'S BODY verspricht in Titel, Handlung und Aufmachung einen blutigen Horrorfilm mit einer gehörigen Portion weiblicher Attraktivität für die postpubertär-sabberanfällige männliche Zielgruppe. Sex sells in diesem wie in vielen anderen Fällen – Pech nur, dass weder Frau Fox noch die Macher um Regisseurin Kary Kusama in Verkaufslaune zu sein scheinen. Auch in puncto Brutalität wurden die Spendierhosen im Schrank gelassen, sodass den gemeinen Gorebauer schon bald die diffuse Ahnung beschleicht, hier eher vegetarische Tortellini als Blutwurst-Ravioli serviert bekommen zu haben. Fehlgeleitete Erwartungen hin oder her: Das Schlimme an JENNIFER'S BODY ist nicht, dass er in seinem selbst gewählten Terrain nicht ansatzweise überzeugt, sondern dass es auch ansonsten sehr wenig gibt, von dem man sich positiv überraschen lassen könnte. Kusamas lahm heruntergeleierte Inszenierung findet erst in den letzten Minuten einen gewissen eigenen Stil und bedient sich viel zu lange an den viel zu langweiligen Genrestandards. Spannend sind die unmotivierten Schockmomente selten, zumal sie bis zum ganz ansehnlichen Finale viel zu selten eingesetzt werden. Dafür gibt sich der auf Emo getrimmte, unausgegorene Rockgedudel-Soundtrack ein nerviges Stelldichein mit flachen Witzen und austauschbaren Nebenfiguren, die Holzpuppen genauso überzeugend spielen könnten. Selbst der glänzende J. K. Simmons als schräger einarmiger Schuldirektor wirkt so überflüssig wie fehl am Platze – und das will was heißen. Das Sahnehäubchen der Mogelpackung ist schließlich das immerhin konsequent durchgezogene, wannabe-coole Teenie-Gelaber, das bestenfalls illustriert, wie die Oma von nebenan sich die Jugendsprache vorstellt.

Die Extended-Fassung, die ebenfalls auf der DVD enthalten ist, entpuppt sich als weiterer Marketinggag: Auf dem Cover als "noch härter" angekündigt, ist sie eigentlich nur noch länger und kein bisschen härter. Die alternativen und/oder verlängerten Szenen bügeln die großen Mankos der Kinofassung nicht aus, sodass sich diese Version treffend einreiht: Hätte man sich irgendwie sparen können, wie alles andere an JENNIFER'S BODY.

Ja, Megan Fox ist scharf, selbst wenn sie wenig Haut zeigt - der zweifelhafte Ehrentreffer in letzter Minute sei der Dame gegönnt. Wer das noch nicht wusste, in seinem Leben nie einen gescheiten Horrorfilm gesehen hat und seine Filmerwartungen grundsätzlich im Keller lagert, sollte wider jede Vernunft und gegen den wahrscheinlichen Protest der besseren Hälfte zugreifen.

DVD.
Die DVD, die wie erwähnt zwei Schnittfassungen mitbringt, leistet sich technisch keine Patzer. Vor allem der Ton macht mit druckvollen Bässen und kreischenden Höhen Freude, aber auch das Bild geht schwer in Ordnung. Bei den Extras sieht's dagegen mau aus: Die mehr oder minder spaßigen Versprecher beim Dreh und die erweiterten Szenen, die sich zum Teil mit den in der Extended-Version enthaltenen überschneiden, sind so lauwarm wie der Film selbst.








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