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THE SHIELD - DIE KOMPLETTE SECHSTE SEASON (USA 2007)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. THE SHIELD - SEASON 6
Laufzeit in Minuten. 484

Regie. diverse
Drehbuch. diverse
Musik. diverse
Kamera. ROHN SCHMIDT
Schnitt. diverse
Darsteller. MICHAEL CHIKLIS . CCH POUNDER . WALTON GOGGINS . CATHERINE DENT u.a.

Review Datum. 2010-01-13
Erscheinungsdatum. 2009-12-10
Vertrieb. SONY PICTURES

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
"How much evil must we do in order to do good?", sagte Rober McNamara, ehemaliger US-Verteidigungsminister, gegenüber Errol Morris in dessen Doku THE FOG OF WAR einst. Und ebendieser Satz könnte THE SHIELD nicht besser zusammenfassen. Es gibt keine Figur, die nicht irgendeinem moralischen oder ethischen Dilemma ausgesetzt ist, keine Situation, die nicht anders hätte verlaufen können. Es ist die Ungewissheit, die Shawn Ryans Serie stets prägt und die einen Verlauf in jedwede Richtung zulässt. Ist ein Manko vieler anderer TV-Serien doch, dass sie oftmals zu vorhersehbar daherkommen - beispielsweise eine Actionszene, die nicht ihr ganzes Potential entfalten kann, da man die Gewissheit hat, dass dem Protagonisten ja ohnehin nichts zustoßen wird -, hat THE SHIELD gleich am Ende der allerersten Episode seinen Sündenfall. Selten begann ein Serienauftakt mit einem solch großen Knall, selten wurde der Zuschauer dabei so in Schockstarre versetzt wie hier. Auf das, was man bei 24 ein Dutzend Episoden oder gar einige Seasons lang warten muss, bildet bei Ryans düsterer Copserie nur den Auftakt.

Dieser Sündenfall, ausgelöst von Detective Vic Mackey (Michael Chiklis), Anführer des so genannten "Strike Team", kommt der Vertreibung aus dem Paradies gleich. Konnten er und sein Team bisher auf den Straßen L.A.s operieren, wie sie wollten, haben sie nun jede Menge Zweifler auf den Plan gerufen. Hier und da einen schnellen Deal aushandeln, so dass auch für das Team selbst noch etwas bei rausspringt, war kein Problem, niemand wagte es sich ihnen in den Weg zu stellen. Mackey und sein Team sind für ihre gewalttätigen Methoden bekannt, aber verlieren dennoch nie den höheren Zweck aus den Augen. Stets gilt: der Zweck heiligt die Mittel, und so bedient sich auch THE SHIELD ähnlich wie 24 immer wieder der Folter als legitimer Methode in Ausnahmesituationen. Die rauen Straßen L.A.s oder besser gesagt Farmingtons, einem Stadtteil mit besonders hohem Minoritätenanteil, scheinen anders aber auch nicht unter Kontrolle bringen zu sein. Egal ob Rassenaufstände, mörderische Starßengangs oder außergewöhnliche Verbrechen, es gibt hier nichts, was es nicht gibt. Besonders hier birgt die Serie einen Ideenreichtum, der des Öfteren zwar etwas over the top anmuten mag, aber der von der Realität dann doch ständig wieder eingeholt wird, verfolgt man die Nachrichten regelmäßig.

Man hat es nicht leicht in THE SHIELD eine Identifikationsfigur zu finden, es gibt keine unbescholtenen, tapferen Helden wie Jack Bauer, keine aufrichtigen Polizisten, die by the book spielen und den freundlichen Helfer markieren. Es gibt hier kein Gutmenschentum wie in all den patriotischen Cop-Drama-Serien wie LAW & ORDER oder NCIS. Jeder verfolgt eigene Interessen, rechnet mit eigenen Vorteilen und überschätzt sich dabei hin und wieder auch. Es ist ein düsterer Grundton, der diese Serie durchzieht, einer, der nur selten Platz für Hoffnung und Licht lässt. Deutlich wird dies nicht nur in den Figuren selbst und deren Handeln, sondern auch in der Darstellung der Gewalt. THE SHIELD geht dahin, wo es richtig wehtut, wo Gewalt erfahrbar gemacht wird und als etwas Abscheuliches, aber manchmal doch Notwendiges gezeigt wird. Es ist nicht nur der Bürger des heruntergekommenen Vororts, in dem ein Gewaltpotential steckt, sondern auch der Bürger in Uniform, der Polizist, der Gefallen an der Waffe und an der Marke findet und bisweilen auch Gottkomplexe entwickelt, die ihm wiederum zum Verhängnis werden können. Polizeiliche Gewalt, etwas, das zur Gesellschaft dazugehört wie eine Polizei, die nach ihren Bürgern schaut. THE SHIELD schönt nichts, malt nichts bunt oder verschleiert. Sie ist ein Abbild der Realität.

Natürlich kann auch eine Serie wie THE SHIELD auf Pathos nicht verzichten, aber im Gegensatz zur Genrekonkurrenz benutzt es dieses niemals selbstzweckhaft oder in unangebrachter Form. Wenn es emotional wird, dann zu Recht - und dennoch möchte man sich bei vielen der Figuren der Affekte wehren. Es ist den Machern hoch anzurechnen, diese Geschicktheit, die sie an den Tag legen. Den immer dann, wenn man sich eigentlich geschworen hat, mit einer Figur kein Mitleid mehr zu empfinden - bedenkt man all die Taten, die auf ihre Rechnung gehen, all den Schmerz, für den sie verantwortlich zeichnet -, dann gibt es doch noch Szenen und Momente, in denen wir ihr Handeln nachvollziehen können, es zumindest wollen oder versuchen. Es sind immer wieder die Umstände, das big picture, das in den Fokus drängt und das uns zwischen Figuren und unseren Sympathien für diese hin und her wechseln lässt. Oftmals scheint der Zweck die Mittel doch zu heiligen - oder doch nicht? Kaum beginnt man eine Situation zu analysieren, abzuwägen, um eine Entscheidung zu treffen, folgt das nächste Dilemma, in das sich die Figur und man selbst hineingezwängt sieht. Ein ewiger Teufelskreislauf, der vor keinem halt macht. Besonders in Season 5 findet dieser Kreislauf seinen vorläufigen Höhepunkt, und einmal mehr wird man an die Bibel erinnert, kommt es doch zum Brudermord: Kain erschlägt Abel.

Season 6 stellt somit so etwas wie einen Neuanfang dar. Jeder versucht langsam aber sicher seine Leichen im Keller loszuwerden, mal auf ehrlicherer Art und Weise, mal auf Kosten von Dritten. Nur eines scheint ganz sicher: nichts ist so, wie es einmal war - und wird es auch nie wieder. Zu viel ist vorgefallen, zu viel Schmerz und ja, auch Tod. Plötzlich müssen auch die wenigen wirklich Unschuldigen sich für eine Seite entscheiden. Die wichtigste Frage ist dabei aber: gibt es hier, in all diesem Chaos, überhaupt eine richtige und eine falsche Seite? "Jeder für sich, Gott für uns alle" könnte eine weitere Floskel sein, die THE SHIELD jedoch recht gut zusammenfasst. Langsam verlassen die Ratten das sinkende Schiff, denn jeder weiß, dass das Unumgängliche kurz bevorsteht. Vieles wird irrationaler, wenn es das nicht ohnehin schon war, die Emotio siegt immer häufiger über die Ratio, es ist der Anfang vom Ende. Irgendwann ist aber auch der größte Krieger erschöpft, er will nur noch nach Hause, in die schützenden Hände seiner Familie. Doch was, wenn er auch diese verloren hat? Für die Charaktere in THE SHIELD steht zu jeder Zeit alles auf dem Spiel. Nicht nur für ihre Karriere, sondern auch für ihr Leben. Letzteres ist jedoch das Einzige, das ihnen noch lieb ist.

THE SHIELD verkehrt klassische Polizeifilm- und Serientopoi, zugunsten einer knochenharten Realität, die mit all der pathetisch-kitschigen Polizeiarbeit in vielen anderen Serien nichts mehr gemein hat. Dass erfordert bisweilen ein völlig neues Verständnis des Zuschauers, denn es ist auch ebenjene Unberechenbarkeit, die die Serie zu einer der besten überhaupt erhebt. Es ist folglich schwer auszumachen, was THE SHIELD letztlich so großartig macht. Es fehlen Identifikationsfiguren, es gibt buchstäblich nur Intrigen, Mord und Totschlag, die wenigen ruhigen Momente sind rar gesät. Vielleicht liegt aber auch gerade hierin die Faszination, die von THE SHIELD ausgeht. Es ist das Warum, nach dem man immer wieder fragt, auf das man aber nur selten eine eindeutige Antwort bekommt. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er Robert McNamaras Aussage unterschreibt oder nicht. Vielleicht können wir uns aber auch einfach nur glücklich schätzen, dass uns diese Entscheidungen andere abnehmen.

DVD.
Die DVD gestaltet sich nahezu perfekt. Natürlich darf man vom Bild kein HD erwarten, denn THE SHIELD hatte schon immer diesen grobkörnigen, ja rauen Bildton, der Rohn Schmidts fantastische Bilder nur allzu real erscheinen lässt. Auch der Ton ist kräftig, zwar keine großen Surroundeffekte, aber vor allem bei Schießereien hat auch der Subwoofer einiges zu tun. Die Extras gestalten sich zwar recht mager, aber dafür informativ und interessant (es gibt ein ganzes Feature um Franka Potentes Gastrolle). Lediglich das Prequel zu Season 7 lässt sich nirgendwo auf der DVD finden, obwohl es auf der Verpackung angekündigt ist.








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