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KAPITELWAHL

RICOCHET - DER AUFPRALL (USA 1991)

von Hasko Baumann

Original Titel. RICOCHET
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. RUSSELL MULCAHY
Drehbuch. STEVEN E. DE SOUZA
Musik. ALAN SILVESTRI
Kamera. PETER LEVY
Schnitt. PETER HONESS
Darsteller. DENZEL WASHINGTON . JOHN LITHGOW . ICE T . KEVIN POLLAK u.a.

Review Datum. 2009-12-20
Erscheinungsdatum. 2009-11-26
Vertrieb. CONCORDE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
RICOCHET ist einfach fett. Der Film ist wie eine randvolle Tüte mit warmem Fast Food, wenn man gerade richtig Bock auf den Scheiß hat. In diese Tüte hat irgendein verrücktes Genie alles gestopft, was gerade reingepaßt hat, auch wenn es auf den ersten Blick überhaupt nicht zum Rest zu passen schien. Das verrückte Genie heißt Joel Silver, Filmproduzent mit Hang zur Megalomanie und 1991 dank einer atemberaubenden Reihe von Action-Hits (DIE HARD, DIE HARDER, die LETHAL WEAPON-Filme, PREDATOR usw.) auf der Höhe seiner Erfolgswelle als Master of Mayhem. Gemeinhin gilt Silvers im selben Jahr erschienener HUDSON HAWK als das knallbunteste Quatschprodukt seiner Laufbahn, aber HUDSON HAWK ist einfach nur bescheuert. RICOCHET hingegen ist prall.

Die Idee zu RICOCHET kommt von Fred NIGHT OF THE CREEPS Dekker, das Drehbuch von Steven DIE HARD De Souza: Ein knackjunger Denzel Washington spielt den Streifenpolizisten Nick Styles, dessen hochfliegende Ambitionen dank der Begegnung mit Psychofiesling Blake (John Lithgow) ordentlich Schub erhalten. Während Blake nach der ebenso spektakulären wie demütigenden Festnahme durch Styles jahrelang im Knast schmort, rast sein Hassgegner die Karriereleiter rauf und sitzt schon bald im Büro des Bezirksstaatsanwalt, Träume vom Weissen Haus inklusive. Blake zeigt derweil seinen Mitinsassen, wer die härteste Sau im Bau ist und bricht mit Hilfe der arischen Brüderschaft schließlich aus. Bei seinem perfiden Racheplan macht er sich zunutze, daß der eitle und ehrgeizige Styles das Spiel mit den Medien mittlerweile perfekt beherrscht und beginnt, diesen systematisch zu demontieren.

So weit, so gut und eigentlich auch so vertraut, aber auch eine Gemüsesuppe mit Fleischeinlage kann göttlich schmecken, wenn man die richtigen Zutaten hat. Ausgerechnet HIGHLANDER-Regisseur Russell Mulcahy, der nun wirklich nicht für allzu gelungenes Kino bekannt ist, überzeugt hier von der ersten Szene an - ein glorios geschnittenes Basketball-Match - mit starken Bildern und enormem Tempo. Für jeden dramatischen Eckpunkt seiner Story findet Mulcahy ein durchkomponiertes Bild, sei es nun der Drogentrip Styles' in einem leeren Schwimmbad oder Blakes Abrechung mit seinen Fluchthelfern an der nachtblauen Küste. In der absurdesten Szene des Films, einem Schwertkampf (!) im Knast (!), darf Mulcahy sogar hemmungslos das Finale von HIGHLANDER nachbauen. Überhaupt kriegt hier jeder, ob es nun paßt oder nicht, die Gelegenheit, sich mit seinen Stärken zu profilieren: Ice T darf gegen Ende des Films Anweisungen ins Telefon rappen, und Kevin Pollak quetscht sogar seine patentierten William Shatner- und Peter Falk-Parodien in die Dialoge. Ach ja, und Alan Silvestri schlachtet auch nochmal seine Musik zu PREDATOR aus.

Was RICOCHET aber so richtig dick macht, sind seine Hauptdarsteller. Denzel Washington scheut sich nicht, Nick Styles so selbstbesoffen zu spielen, daß man Blakes Rachefeldzug mitunter genießt, und kann so richtig punkten, wenn er die Kontrolle verliert. Wie Washington da stotternd, nervös, hysterisch, völlig am Ende und besoffen oder zugedrogt die Szenerie an sich reißt, ist schlichtweg gewaltig. Auf der Gegenseite steht John Lithgow, ganz sicher nicht die erste Wahl für einen eiskalten Psycho, der im Bau als erstes den Wrestler Jesse Ventura zu Mus haut. Aber ob Lithgow nun fehlbesetzt ist oder nicht, spielt keine Rolle, denn er hängt sich voll in die Sache rein und wäre bei einem anderen Widersacher als Washington auch mit dem Film durchgebrannt (kein Wunder, daß er als Nächstes in CLIFFHANGER gegen Stallone antrat). Allein diese verächtliche Reaktion, wenn Styles ihn fragt, ob sie denn jetzt "quitt" seien, haut die Wurst vom Teller.

Natürlich ist RICOCHET kein filigranes Vexierspiel; der Film kommt so grell daher, daß man seinen Augen kaum traut. Die homoerotische (angedeutete) Beziehung zwischen Blake und seinem jungen, devoten Helfer Kim (Josh Evans); der Racheplan, der erzwungenen Sex, Geschlechtskrankheiten und den Vorwurf der Kinderpornographie beinhaltet; Blake, der Styles' Kinder mit der Axt bedroht; außerdem gibt es einen völlig aus der Luft gegriffenen Verweis auf den James Cagney-Klassiker WHITE HEAT und eine seltsame Bar, in der sehr dicke Frauen sehr nackt tanzen. Menschen werden großkalibrig erschossen, sie werden durch- und aufgebohrt, aufgesägt und aufgespießt. Erst wenn Styles gegen Ende das Blatt wendet und Blake zum Opfer eines Racheplans macht, wird es etwas zu abgedreht.

Das kann aber aber den Spaß an einem derart saftigen Film, der sich tatsächlich in all dem Irrsin auch noch durchaus medienkritische Töne erlaubt, nicht schmälern. Und für diejenigen, die das nicht so sehen, hat RICOCHET auch noch den passenden Schlußsatz parat: "Kiss my ass", sagt Washington da (und nicht, wie Silver es wollte, "Kiss my black ass"). Dann kommt "Ricochet" von Ice-T. Mehr geht nicht.

DVD.
Auch diese Veröffentlichung des Films ist gekürzt, wie sich mittlerweile herumgesprochen haben sollte; es fehlen 4 Sekunden in der Ausbruchsszene - genau die, in denen gesägt und gebohrt wird. Das ist nun wirklich kein Grund, auf diese DVD zu verzichten. Leider ist auch die Bildqualität nicht die Allerbeste, da hatte man sich mehr erhofft. Die deutsche Synchro hingegen ist schlichtweg brillant; Leon Boden redet sich als Denzel und Kopf und Kragen und paßt wie eine Eins. Randolf Kronberg gibt sehr stimmig den bösen Lithgow. Extras Fehlanzeige; einen Trailer hätte ich mir schon gern angesehen...








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