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KAPITELWAHL

BARFLY (USA 1987)

von Hasko Baumann

Original Titel. BARFLY
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. BARBET SCHROEDER
Drehbuch. CHARLES BUKOWSKI
Musik. diverse
Kamera. ROBBY MÜLLER
Schnitt. EVA GARDOS
Darsteller. MICKEY ROURKE . FAYE DUNAWAY . ALICE KRIGE . FRANK STALLONE u.a.

Review Datum. 2009-11-27
Erscheinungsdatum. 2009-09-25
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
"Ein frauenfeindlicher, alkoholkranker Sack Scheisse." So sprach einst James Ellroy über Charles Bukowski, voller Verachtung für der Deutschen Liebe zu diesem Poeten aus der Gosse, und ich war zu amüsiert, um Ellroy zu widersprechen. Tatsächlich hatte ich Mitte der 90er eine Phase der glühenden Verehrung für Bukowski gehabt und in kürzester Zeit praktisch alle seiner Bücher verschlungen; tatsächlich hielt diese Begeisterung einer kürzlich vollzogenen Überprüfung anhand meiner Lieblingsanthologie "Hot Water Music" durchaus stand. Es ist die Lakonie, die mir so gut gefällt; der manchmal trockene, manchmal absurde Witz - und natürlich die wertfreie Beschreibung eines Lebensstils, der dem bürgerlich erzogenen Leser zwar bis zu einem gewissen Grad fremdartig erscheint, bei Bukowski aber eben nicht abstoßend erscheint. Eine filmische Umsetzung schien niemals zwingend notwendig.

Das sah Bukowski aber durchaus anders. Zumindest wandte er sich schon viele Jahre vor den Dreharbeiten zu BARFLY an Regisseur Barbet Schroeder, der mit den (auf der Special Edition Variante der hier rezensierten DVD enthaltenen) "Charles Bukowski Tapes", einer dokumentarischen Abfolge von Interviewsitzungen, das Vertrauen des Schriftstellers gewonnen hatte. Zwar zeigte sich auch Sean Penn sehr interessiert an Bukowskis quasi-autobiografischem Drehbuch, doch nur unter der Bedingung, daß Dennis Hopper Regie führen sollte, den der alte Suffkopp Charles allerdings für einen "Goldkettchen tragenden Hollywood-Fatzke" hielt. Penn wurde dennoch zu einem von Bukowskis besten Freunden. Barbet Schroeder hing sich hingegen bis zur Selbstaufgabe in die Jagd nach Finanziers rein und gewann schließlich die berüchtigten "Go-Go-Brothers" Yoram Globus und Menahem Golan und ihre Firma Cannon für das Projekt, indem er sich mit einer Motorsäge in deren Büro positionierte und drohte, sich die Finger abzuschneiden, sollten die Israelis nicht seinen Film produzieren.

1987 kam also BARFLY, eine der wenigen Cannon-Produktionen mit gutem Leumund, in die Kinos.

Mickey Rourke, dank ANGEL HEART auf der Höhe seines bald verblassenden Starruhms, verschwindet hinter der Rolle des angestammten Bukowski-Alter Egos Henry Chinaski und pendelt saufend und labernd zwischen den Bars und Absteigen der Skid Row in L.A. Ab und zu prügelt er sich mit dem Bartender (Frank Stallone), ansonsten gibts aber nur Schnaps und Bier, fleckige Klamotten und ein ebenso verquollenes wie verhauenes Gesicht dazu. Als er in einer Pinte eine zwar verlebte, aber durchaus attraktive Zecherin (Faye Dunaway) kennenlernt, deuten sich mögliche feste Grüßen in seinem Leben an. Aber dann gibts doch wieder aufs Maul, auch die Herzdame kloppt ihm die Rübe blutig und ein herrlich ungelenker Fight mit dem Nachbarn endet mit einem Messer in dessen Bauch. "Du hattest nur Glück", röchelt der, und Chinaski antwortet: "Das zählt auch, Arschloch." So ein bißchen von der anfangs erwähnten Lakonie hat sich also in BARFLY retten können.

Leider ist Rourkes Darstellung - bei aller Bewunderung für die uneitle Selbstaufgabe - zwar als schauspielerische Leistung bewundernswert, aber seine Interpretation Chinaskis als "Buckliger der Skid Row" mehr als irritierend. Genauso dick trägt Schroeder auf, wenn er Alice Krige als Literaturagentin auf den Plan schickt, die mit frisch gewaschenem, wallendem Haar natürlich so gar nicht in die Schmierwelt des hoffnungsvollen Gossenpoeten passen will. "Du lebst in einem Käfig mit goldenen Gitterstäben", resümiert der Säufer-Rebell dann auch beim Besuch ihrer Villa. Für solche Flachlandklischees kann man aber nur den Drehbuchautor kritisieren, und das ist nun mal Bukowski selbst. BARFLY stellt sich zwar nicht über seine abgerissenen Protagonisten - das muß man ihm als Vorzug hoch anrechnen - aber als Komödie ist er viel zu witzfrei und als ernstzunehmendes slice of life zu "lustig". Schroeders Film ist vielleicht für eben jene bürgerlichen Filmfreunde, denen die Lektüre eines Bukowski-Buchs zu abschreckend erscheint, eine willkommene Möglichkeit, hinter vorgehaltener Hand zu kichern. Alle anderen müssen sich keinesfalls schämen, wenn sie sich zu Tode langweilen.

Immerhin hat der große Kameramann Robby Müller, der sich hier auch von seiner besten Seite zeigt, für die lichtschwachen Nahaufnahmen in BARFLY das Kino Flo erfunden, für das man ihm nicht genug danken kann. Was ist noch geblieben? Mickey Rourke hat beinahe den Oscar gewonnen, Barbet Schroeder hält sich mit schmucklosen Thrillern über Wasser, Cannon gibt's nicht mehr, Robby Müller ist in psychiatrischer Behandlung und Bukowski ist tot. Daß ausgerechnet Rourke es wieder nach ganz vorne geschafft hat, hätte Bukowski als Pointe womöglich gefallen. Vielleicht wartet er im Schriftstellerjenseit auch auf eine zünftige Schlägerei mit Ellroy.

DVD.
Mit der Special Edition von BARFLY macht Koch sowohl den Filmfreunden wie auch den Bukowski-Fans ein schönes Geschenk. In einem geschmackvollen Digipak, das gottlob auf sämtliche der zahllosen mißlungenen Plakatmotive verzichtet, finden sich die zwei DVDs, jede auf einer Seite. Die Bild- und Tonqualität des Films ist ausgezeichnet. Die Synchronfassung wurde zwar durchaus liebevoll und der damaligen Zeit entsprechend technisch ausgezeichnet gemacht, ist aber dank der Besetzung der Hauptrolle unanhörbar: Nichts gegen Christian Brückner, ganz klar einer der absoluten Synchrontitanen Deutschlands, aber als Rourke paßt er einfach sowas von gar nicht; fast so schlimm wie Claude-Oliver Rudolph im WRESTLER. Hat man Feststimme Joachim Tennstedt die Rolle nicht zugetraut? In den Extras der ersten DVD bekommt man den launigen Trailer zu sehen, außerdem verschiedene Artworks in Sachen Plakat und Video (unvergessen das entsetzliche VMP/Cannon-Videocover in Deutschland) und Aushangfotos. Der große Knaller kommt mit der zweiten DVD, die zeigt nämlich Schroeders THE CHARLES BUKOWSKI TAPES von 1985, optional deutsch untertitelt. Ganz groß und ein weiterer Grund, Koch für ihre DVD-Veröffentlichungen zu bejubeln!








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