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KAPITELWAHL

DEADFALL (USA 1993)

von Hasko Baumann

Original Titel. DEADFALL
Laufzeit in Minuten. 92

Regie. CHRISTOPHER COPPOLA
Drehbuch. CHRISTOPHER COPPOLA . NICK VALLELONGA
Musik. JIM FOX
Kamera. MARYSE ALBERTI
Schnitt. PHILLIP LINSON
Darsteller. MICHAEL BIEHN . NICOLAS CAGE . SARAH TRIGGER . JAMES COBURN u.a.

Review Datum. 2009-10-16
Erscheinungsdatum. 2009-08-21
Vertrieb. KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Nicolas Cage ist irre. Total wahnsinnig! Oder zumindest war er es mal. Denn was selbst in all den schlimmen Schnulzen und all den mauen Mystery-Gurken, die Cage in den letzten Jahren für viel Geld mit seinem Dackelblick aussitzt, immer noch gelegentlich hervorscheint, ist die schräge Seite, das Irre. Und meine Fresse, der Mann war mal irre! Das komplett Meschuggene aus Cage-Klassikern wie RAISING ARIZONA, KISS OF DEATH oder dem Kakerlake-mit-Öl-und-Essig-Menü VAMPIRE'S KISS ist aber einmal noch übertroffen worden. Nämlich in DEADFALL.

1993 durfte sich Christopher Coppola, Nicolas Cages Bruder und damit ein weiterer Neffe von Francis Ford Coppola, ein bißchen im damals angesagten Genre des Neo-Noir austoben. Für DEADFALL, seine zweite Regiearbeit nach dem absoluten superduper Meisterwerk DRACULA'S WIDOW hat der Mann, wie man es bei diesen eitlen Herzensprojekten gern mal macht, komplett auf ein eventuelles Publikum geschissen. Die Handlung ist Quark: Ein um ausstrahlungsfreies Spiel bemühter Michael Biehn gibt den Kleingauner, der bei einem seiner voll ausgeklügelten Husarenstücke den eigenen Vater (James Coburn #1) erschießt. Gottseidank gibt es aber auch noch den guten alten Onkel (James Coburn #2), mit dem man auch ganz schicke Coups abziehen kann. So weit, so öde. Aber jetzt kommt Nicolas Cage ins Spiel.

Cage spielt Eddie, den Handlanger von Onkel Coburn. Er trägt eine erbarmungswürdige 70er-Jahre-Perücke, abscheuliche, schreiend laute Klamotten (auch gern mal mit Fliege), meistens eine übergroße Sonnenbrille und immer eine absurde Bräune von der Sonnenbank im Gesicht. Cage hampelt völlig gaga durch die Gegend; trapst verlegen auf dem Trottoir, wenn er seine Freundin (Sarah Trigger) abholt; hämmert mit den Fäusten aufs Lenkrad ("Fuck Fucker FUUUUUUUUCK"), wenn sein Wagen nicht startet; murmelt 30% seines Dialogs quasi unverständlich zur Seite weg; weist Michael Biehn den Weg wie Presley auf seine Band zeigte; leitet Gewaltexzesse mit sagenhaften Ansagen ein ("What do you say we have some fun time family fun?"; "LET'S FUCK!"); spricht plötzlich und unvermittelt mit mexikanischem Akzent oder wie auf Helium; haut sich das Koks nur mit Worten der Weisheit rein ("What am I? A fucking retard, man! A fucking retard? HUH?... Well VIVA LA FUCKING FRANCE, MAN!") und tritt einen unschuldigen Statisten mit dem Nr.1-Spruch der 90er zu Klump: "Hi-FUCKIN'-Ya!!!"

Als Cage endlich rallt, daß Biehn mit seiner Lady pimpert (inklusive langer unsexy Sexszene), dreht er völlig am Rad; schließlich endet er ohne Perücke mit dem Gesicht im Frittenfett. Ja wirklich! Natürlich ist nach Cages Abgang etwas die Luft raus, aber keine Sorge, auch Charlie Sheen darf als öliger Billardspieler dem Affen Zucker geben, und der geschätzte "Tall Man" Angus Scrimm greift mit einer mechanischen Scherenhand auch nach den Schizo-Sternen. Zu dem Zeitpunkt hat man die kaum weniger schrägen Auftritte von Peter Fonda und Talia Shire schon fast wieder verdrängt. Christopher Coppola hat seiner prominenten Besetzung als Regieanweisung offenbar hauptsächlich mit auf den Weg gegeben, den Bogen so weit wie möglich zu überspannen. Nur Cage, der durfte, Leinen los, einfach mal richtig auf die Kacke hauen, ungebremst, frei nach Schnauze und mit Dampf in Hirn und Hose.

16 Jahre sind vergangen, seit ich DEADFALL erstmals in Form einer deutsch synchronisierten VMP-Cassette sah. Ich konnte mich schon noch erinnern, daß das eine eher schräge Nummer ist, aber wenn man mal ehrlich ist, darf Coppolas Film als psychotronisches Großwerk des Balla-Balla in die Filmgeschichte eingehen. Als Regisseur hat der Mann nichts drauf, das Teil mäandert im Look zwischen C-Krimi und Möchtegern-Neosurrealismus (huch, diese Traumsequenz) und langweilt rücksichtlos ("Fast nicht zu ertragen" schrieb Leonard Maltin), aber irgendwie ist das alles so daneben, daß man nicht so recht drauf verzichten mag. Mittendrin James Coburn, der so gar nicht mitkriegt, auf welchem Trip hier alle sind. Wer sich für so etwas grundsätzlich erwärmen kann, sollte zugreifen, und wer damit ein klein wenig Spaß hatte, greift zur Deluxe-Version dieses Irrsinns, nämlich Larry Bishops MAD DOG TIME ("The first movie I have seen that does not improve on the sight of a blank screen viewed for the same length of time." - Roger Ebert). Der ist super.

DVD.
Korrektes Vollbild-Format, okayer Ton (besser als erwartet), insgesamt alles ein Quantensprung zur alten DVD-Veröffentlichung. Deutsche Synchro mitunter bemüht, aber oft allein durch die Sprecherwahl ungenießbar (Joachim Tennstedt als Charlie Sheen?). Cage muß man eh im Original erleben. Dazu gibt's noch ein paar Bilder und den recht fetzigen Trailer auf deutsch und auf englisch. Bei dem Film hätte ich wirklich gern eine retrospektive Doku gesehen. Mit Cage!








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