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KAPITELWAHL

PUSH (USA 2009)

von Hasko Baumann

Original Titel. PUSH
Laufzeit in Minuten. 107

Regie. PAUL MCGUIGAN
Drehbuch. DAVID BOURLA
Musik. NEIL DAVIDGE
Kamera. PETER SOVA
Schnitt. NICOLAS TREMBASIEWICZ
Darsteller. CHRIS EVANS . DAKOTA FANNING . CAMILLA BELLE . DJIMON HOUNSOU u.a.

Review Datum. 2009-10-10
Erscheinungsdatum. 2009-10-02
Vertrieb. UNIVERSAL

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Erstaunlich. Es gibt sie noch, die postiven Überraschungen. Und das sogar im Doppelpack: Paul McGuigan, der seinen GANGSTER NO. 1-Kredit doch mit dem schlichtweg unansehbaren LUCKY NUMBER SLEVIN komplett verspielt hatte, darf man doch noch nicht vom Spielplan streichen. Und ein Drehbuch, das sich auf den ersten Blick wie ein weiteres X-MEN für Arme liest, kann tatsächlich die Grundlage für einen der interessantesten Filme des Jahres stellen. Denn PUSH ist ungewöhnlich, spröde und gerade deshalb aufregend.

Dabei fängt alles nicht vielversprechend an. Um narrativem Aufwand aus dem Wege zu gehen, läßt der Film seine komplizierte Prämisse während des Vorspanns von Dakota Fanning aus dem Off erzklären - ein Kunstgriff, der für gewöhnlich auf generelle Faulheit von Regie und Autor Rückschlüsse ziehen läßt. Es geht um Menschen mit ungewöhnlichen Kräften und Fähigkeiten; darum, wie sie in der Vergangenheit von den Nazis für Experimente mißbraucht wurden und wie sie nun von der Spezialeinheit "Division" gejagt werden und gefügig gemacht werden sollen. Nick (Chris Evans) is einer von ihnen. Er lebt versteckt in Hongkong und hält sich über Wasser, indem er bei Glücksspielen mittels Telekinese die Würfel für sich purzeln läßt. Die hellseherisch begabte Cassie (Dakota Fanning) holt ihn aus seinem trüben Dasein: Sie hat eine fürchterliche Zukunft vorausgesehen. Fortan hetzen die beiden durch Hongkong, auf der Jagd nach einem geheimnisvollen Koffer, immer auf der Flucht vor dem skrupellosen "Division"-Anführer Carver (Djimon Hounsou).

PUSH gibt sich bewußt sperrig. Evans und Fanning sind Außenseiter der Gesellschaft, denen das ständige Versteckspiel jegliche Lebensfreude ausgetrieben hat. Selbst die auf der Flucht zusammengerottete Gruppe von Verbündeten zeichnet sich vornehmlich durch Mißtrauen aus, bis das Ziel als gemeinsam akzeptiert wird. Auch die nominelle Liebesgeschichte zwischen Nick und der zentralen Figur, seiner Ex-Freundin (Camilla Belle), bleibt undurchsichtig und von Paranoia überschattet. McGuigan ist an den Charakteren interessiert und verlangt vom Zuschauer die Auseinandersetzung mit ihnen. Wer sich darauf einläßt, wird reich belohnt: Darstellerisch wird Herausragendes geboten, vor allem vom charismatischen Evans und der intensiven Fanning, die erstmals nicht nervt, sondern mit einem nuancierten Spiel echte Überzeugungsarbeit leistet. Einzig die verschlafen-aseptische Camilla Belle fällt aus dem Rahmen.

Die Action wird nicht im Übermaß, aber pointiert eingesetzt und hat dank der interessanten Figuren, an deren Schicksal man Anteil nimmt, Wucht und Spannung; die Spezialeffekte, und das ist eine der großen Tugenden von PUSH, sind sinnvoll eingesetzte, offensichtliche Film-Effekte und nicht groß angelegte Computeranimationen, die aussehen wie die Cut Scenes aus Videospielen. Darüber hinaus erstaunt der Film mit einem Ideenreichtum, der vergleichbaren Produktionen abgeht: Die Movers, Pushers und Watchers können Menschen neue Erinnerungen einpflanzen, sie können ihren Opfern das Blut aus den Ohren und die Scheiben aus den Fenstern schreien, sie werfen Körper und Gegenstände ohne Berührung, sie sagen die Zukunft voraus und löschen Gedächtnisstrecken. Jeder kann etwas anderes, und jede dieser Darbietungen ist faszinierend. McGuigans ruppiger Thriller empfiehlt sich als eine Art Indie-X-MEN mit einer würzigen Prise von DePalmas THE FURY.

Leider gibt es dennoch einen dicken Wermutstropfen zu beklagen, der PUSH das ganz große Lob versagt: McGuigan vertraut leider seinen eigenen Leistungen nicht; die exzeptionelle Locationwahl und die ausgeklügelte Farbdramaturgie seiner Bilder sowie das stimmige Musikkonzept scheint ihm immer noch nicht ausreichend, um den modernen Zuschauer zu fesseln. Und so zerhackt er seine Sequenzen, unterlegt Schnitte mit Soundeffekten und flasht und ballert auf der visuellen Ebene, was das Zeug hält. Das sieht schlimm aus und hat vor allem in der ersten Hälfte des Films keinen Rhythmus und auch nicht Sinn und Verstand. Dazu kommen immer wieder den Filmfluß unterbrechende Strecken, in denen Bilder der Stadt und im Auto fahrender oder laufender Protagonisten zu sehen sind und ein Popsong auf der Tonspur läuft. So sieht PUSH manchmal aus wie eine teuer verschnittene Folge von DURCH DIE NACHT MIT. Nichtsdestoweniger: Ein aufregender, packender Film mit vielen Stärken.

DVD.
In Ton und Bild wird hier Feinstes geboten, gerade die tollen Farben kommen knusprig zur Geltung. Die deutsche Synchronisation läßt allerdings die Haare zu Berge stehen: Die Sprecher passen nicht, wirken lustlos, die Stimmen schlecht abgemischt und das Ganze wie mal kurz am Freitag nachmittag reingereicht, bevor der Supermarkt schließt. Die kantonesischen Passagen wurden, damit man sich eine vernünftige Mischung oder Untertitel spart, einfach deutsch eingesprochen, was so einigen Verfolgern das Fremdartige komplett nimmt. Unschön. Für die entsprechenden Szenen bietet die DVD, schaut man den Film im Originalton, ausschließlich englische Untertitel, und die verschwinden nach der Hälfte des Films plötzlich komplett. Als Bonusmaterial darf man sich einen leider recht läppischen Audiokommentar von McGuigan und einer unerträglich kreischigen Fanning anhören und eine Humbug-Featurette namens "The Science behind the Fiction" ansehen, die Telekinese-Phänomene näher beleuchtet und damit interessanter ist als das handelsübliche Making Of, das hier gottlob fehlt. Die entfallenen Szenen hätten es durchaus noch in den Film schaffen dürfen, die B-Roll hingegen hätte auch in den Archiven bleiben können. Ein Haufen Interviews bietet gewohntes EPK-Material. Der Trailer und ein ganzer Haufen TV-Spots kommen allerdings derart breitbeinig und zackig daher, daß man sich schon fragt, warum der Film derart abgestürzt ist.








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