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KAPITELWAHL

50 DEAD MEN WALKING (Großbritannien/Kanada 2008)

von Christian Hellwig

Original Titel. 50 DEAD MEN WALKING
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. KARI SKOGLAND
Drehbuch. NICHOLAS DAVIES . MARTIN MCGARTLAND . KARI SKOGLAND
Musik. BEN MINK
Kamera. JONATHAN FREEMAN
Schnitt. JIM MUNRO
Darsteller. BEN KINGSLEY . JIM STURGESS . ROSE MCGOWAN . NATALIE PRESS u.a.

Review Datum. 2009-10-08
Erscheinungsdatum. 2009-09-30
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der Nordirlandkonflikt zwischen Katholiken und Protestanten, im Volksmund auch "The Troubles" genannt, beherrschte viele Jahre lang das alltägliche Leben im zweitkleinsten Einzelstaat des Vereinigten Königreichs. Der Kampf um Anerkennung, Macht und nationale Identität erreichte einen seiner blutigen Höhepunkte am 30. Januar 1972: 13 Menschen starben während einer Demonstration im Kugelhagel britischer Soldaten. Der sogenannte "Bloody Sunday", der später unter anderem von U2 künstlerisch aufgearbeitet wurde ("Sunday Bloody Sunday"), war seinerzeit jedoch nur die Spitze des Eisbergs in einem Konflikt, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Katholik oder Protestant - das war und ist in Nordirland nicht nur gleichbedeutend mit der bloßen Zugehörigkeit zu einer christlichen Konfession, sondern hat weitreichende soziale, gesellschaftliche und alltägliche Auswirkungen. Seit den späten sechziger Jahren verwandelten die divergierenden Interessen der verschiedenen Konfliktparteien Nordirland in ein Pulverfass, dessen schwelende Lunte erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen vorläufig gelöscht werden konnte. Sowohl die IRA, der paramilitärische Arm der katholisch-republikanischen Abspaltungsbewegung, als auch ihr protestantisches Pendant verpflichteten sich zu einem Waffenstillstand und stimmten ihrer Entwaffnung zu. So weit der zeitgeschichtliche Hintergrund zu 50 DEAD MEN WALKING, der die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Martin McGartland erzählt.

Dieser war Ende der Achtziger als britischer Spitzel in die IRA eingeschleust worden und bewahrte durch seine Informationen circa 50 Menschen vor dem sicheren Tod. Seit seiner Enttarnung lebt McGartland mit dem ständigen Risiko, doch noch ein Opfer der IRA zu werden. 1999 kam er nur knapp mit dem Leben davon, als er aus nächster Nähe niedergeschossen wurde. Wenn nun auf dem deutschen DVD-Cover zu 50 DEAD MEN WALKING unter anderem mit den Worten "ein spannender Hochglanzthriller" geworben wird, dann wird dies dem von Kari Skogland inszenierten Film nicht wirklich gerecht. Es ist unstrittig, dass ein Film niemals das volle Ausmaß der dem Nordirlandkonflikt zu Grunde liegenden soziostrukturellen, historischen, politischen und sonstigen Probleme aufzeigen kann. 50 DEAD MEN WALKING reüssiert jedoch in der Angelegenheit, diesen in Form eines isolierten Ausschnitts für das Publikum fassbar zu machen. Erfreulicherweise verzichtet der Film dabei auf eine einfache Aufteilung in "Gut" und "Böse", auch wenn die IRA in der Summe natürlich zu Recht negativ gezeichnet wird. Dass sich jedoch auch die staatliche Seite immer wieder in einer rechtlichen und ethischen Grauzone befindet, wird in 50 DEAD MEN WALKING ebenfalls stets und überdeutlich akzentuiert.

Dass sich Ursache und Wirkung immer auch gegenseitig bedingen, zieht sich als Konstante durch den gesamten Film. 50 DEAD MEN WALKING erinnert dabei nicht von ungefähr an DONNIE BRASCO. Doch während dort der Spitzel bereits ein Polizist ist, erzählt 50 DEAD MEN WALKING die Geschichte eines Mannes, der sich im Laufe der Zeit vom IRA-Sympathisanten zu deren Gegner wandelte. Dass diese Wandlung in all ihren biographischen Brüchen gelingt, hat 50 DEAD MEN WALKING sowohl seinem Drehbuch zu verdanken, als auch seinem Hauptdarsteller. Jim Sturgess verkörpert Martin McGartland einerseits als schnoddrigen, in prekären sozialen Verhältnissen aufgewachsenen jungen Mann, der sich schlussendlich auch um den Preis seines eigenen Lebens in den Dienst der Sache stellt. Mit Ben Kingsley steht Sturgess ein erfahrener und wandelbarer Schauspieler zur Seite, so dass es nicht verwundert, dass 50 DEAD MEN WALKING seine besten Momente in jenen Szenen hat, in denen beide nebeneinander zu sehen sind. Kingsley, der in dem Film den Mentor und Auftraggeber von Martin McGartland verkörpert, erweist sich somit als kongenialer Partner von Sturgess. Gerade Kingsley gelingt es immer wieder, dem recht flotten Tempo der Erzählung den einen oder anderen nachdenklichen Moment zu verleihen.

Wenn es nämlich etwas an 50 DEAD MEN WALKING zu kritisieren gibt, dann ist es die Tatsache, dass der Film in der Summe vielleicht doch etwas zu hektisch durch seine Geschichte hastet. Die Beziehung von Martin zu seiner Frau und seinen Kindern wird leider nur recht oberflächlich thematisiert. Gleiches gilt auch für das Verhältnis zu seinem besten Freund Sean, der tief in die Machenschaften der IRA verstrickt ist und somit zwangsläufig zur Belastung für Martins Gewissen werden muss. In der Summe überwiegen jedoch die positiven Aspekte. Kari Skogland gelingt der Spagat zwischen ernstem Anliegen und Unterhaltung. Und so mag es auf der einen Seite noch nicht einmal verkehrt sein, 50 DEAD MEN WALKING als spannenden Hochglanzthriller zu bewerben, doch sollte man auf der anderen Seite doch bitte auch nicht unterschlagen, dass sich unter der glänzenden Hülle ziemlich viel inhaltliche Substanz verbirgt.

DVD.
Die deutsche DVD-Veröffentlichung überzeugt durch ihr Wendecover sowie in Bild und Ton. Gleiches gilt jedoch nicht in Sachen Extras: Außer dem Trailer und der obligatorischen Trailershow findet sich leider kein weiteres Bonusmaterial. Dabei wäre die Dreingabe zusätzlicher Informationen in Anbetracht der Tatsache, dass der Film auf einer wahren Begebenheit rekurriert, durchaus wünschenswert gewesen. Die Synchronisation des Films hingegen ist durchaus gelungen, auch wenn natürlich konstatiert werden muss, dass 50 DEAD MAN WALKING im englischen Original besser funktioniert.








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