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KAPITELWAHL

CARNIVAL OF SOULS (USA 1962)

von Stefan Mader

Original Titel. CARNIVAL OF SOULS
Laufzeit in Minuten. 81

Regie. HERK HARVEY
Drehbuch. JOHN CLIFFORD
Musik. GENE MOORE
Kamera. MAURICE PRATHER
Schnitt. BILL DE JARNETTE . DAN PALMQUIST
Darsteller. CANDACE HILLIGOSS . FRANCES FEIST . SIDNEY BERGER . HERK HARVEY u.a.

Review Datum. 2009-09-14
Erscheinungsdatum. 2009-08-14
Vertrieb. SAVOY FILM/SUNFILM

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Filmklassiker in technisch überarbeiteter Version erneut zu veröffentlichen ist meistens so notwendig wie Ausschlag.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich werde mich davor hüten, auch nur ein Sterbenswörtchen gegen die Restauration quasi-antiker Filmrollen zu sagen. Ganz im Gegenteil, solch mühevoller Kleinarbeit sollte mit Hochachtung begegnet werden. Was mir jedoch sauer aufstößt sind technische "Upgrades". Da kommt selten was Gescheites dabei raus – anstatt einer "Aufwertung" erfahren Filme dabei meist eher eine unnötige Verschlimmbesserung.
Nehmen wir ein Beispiel das jeder kennt: Murnaus NOSFERATU. 1922 erschienen, steht die Dracula-Adaption auch nach fast 90 Jahren noch für einen der Horrorfilme schlechthin. So viel kann Murnau also nicht falsch gemacht haben, möchte man meinen. Und doch gibt es eine Fassung des Films, in der Hans Erdmanns originale Filmmusik durch stressigen Jazz ersetzt wird. Wozu? In den 80ern soll außerdem eine Farbversion des Films veröffentlicht worden sein. Gut, die Farbe wurde angeblich durch Viragierung eingebracht, was dem Ganzen wieder einen antiquierten Anstrich verpasst, aber erneut stellt sich die Frage: Wozu?

Farbe ist nebenbei auch das Stichwort für unsere Auseinandersetzung mit CARNIVAL OF SOULS, Herk Harveys S/W-Horrorklassiker aus dem Jahre 1962. Dieser wurde vor fünf Jahren in einer colorierten Version wiederveröffentlicht und genau diese kunterbunte Fassung ist es auch, die dieses Jahr von Savoy/Sunfilm ins Programm genommen wurde.
Nun mag es sein, dass sich der Bekanntheitsgrad von Harvey und seinem CARNIVAL OF SOULS hierzulande in Grenzen hält. Nicht zuletzt deswegen wird wohl auch explizit darauf hingewiesen, dass CARNIVAL OF SOULS maßgeblichen Einfluss auf das Schaffen von George Romero sowie David Lynch gehabt habe. Gerade bei Lynch lässt sich das wahrlich nicht leugnen – zu stark sind thematische wie formale Parallelen seiner Werke zu Harveys Film, in dem die Organistin Mary Henry (Hilligoss) als einzige Überlebende eines Autounfalls von gespenstischen Gestalten verfolgt wird. Das damit einhergehende Verwischen der Grenzen der Realität lässt sich bei Lynch ebenso finden wie Stilelemente der 50er und frühen 60er Jahre oder die Verwendung noisiger Geräuschkulissen (hier durch das Dröhnen der Orgel), um unheilvolle Stimmung heraufzubeschwören.
Schnell wird klar, dass CARNIVAL OF SOULS tatsächlich ein guter Film ist weil Harvey es versteht, Atmosphäre aufzubauen. Blut und Gedärm sind genauso wenig vorhanden wie billige Schocks und doch wird man in den Film gesaugt und fiebert mit, auch wenn das Ende einem modernen Publikum relativ vorsehbar erscheinen wird.
Die Nachbearbeitung indes, das Einfärben (um die Thematik wieder aufzugreifen), erweist sich leider auch hier als Schuss in den Ofen. Zwar schadet die Farbe der Stimmung des Films nur marginal, doch gerade das in Schwarzweiß höchst effektive Make-up der Spukgestalten erscheint in Farbe (und vor allem im polychromen Kontext) überkandidelt und büßt somit einen Teil seiner Wirkung ein. Letztlich ist das freilich nur ein Abzug in der B-Note, angesichts dessen, dass der Film in der originalen Schwarzweißfassung aber noch besser funktioniert hätte stellt sich erneut die Frage: Wozu?

DVD.
Die technische Seite der DVD ist in Ordnung, soweit das Potenzial des Mediums sich einem 40 Jahre alten Film eben ausschöpfen lässt. Natürlich kann man sich an der Farbe und dem damit einhergehenden Charmeverlust berechtigterweise stören, die Colorierung sieht aber zumindest so aus, als könnte sie tatsächlich aus den 60ern stammen. Der Ton liegt jeweils in Stereo vor und hier wäre ein wenig Politur gar nicht schlecht gewesen. Zwar fällt die Tonqualität nicht schlechter aus, als man es von einem fast 50 Jahre alten Film erwarten kann, gerade in der Originalfassung ist der Dialog aber teilweise akustisch schwer verständlich.
Die Extras erschöpfen sich mit einigen Trailern und einem Wendecover für die DVD-Hülle.








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