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KAPITELWAHL

STREET FIGHTER - THE LEGEND OF CHUN LI (USA 2009)

von Hasko Baumann

Original Titel. STREET FIGHTER - THE LEGEND OF CHUN LI
Laufzeit in Minuten. 92

Regie. ANDRZEJ BARTKOWIAK
Drehbuch. JUSTIN MARKS
Musik. STEPHEN ENDELMAN
Kamera. GEOFF BOYLE
Schnitt. DEREK BRECHIN
Darsteller. KRISTIN KREUK . CHRIS KLEIN . NEAL McDONOUGH . ROBIN SHOU u.a.

Review Datum. 2009-08-14
Erscheinungsdatum. 2009-08-13
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wenn ich "Street Fighter" höre, denk ich an das Capcom-Videospiel gleichen Namens mit der römischen II dahinter. Zwei Kontrahenten treten vor wechselnden Hintergründen gegeneinander an, den einen spielst Du, den anderen Dein Kumpel, und dann wird sich die Fresse poliert bis die Zeit um ist oder einer k.o. am Boden liegt. Wie ein Irrer hat man seinen Controller beharkt, um den Gegner in Grund und Boden zu stampfen, und ab und zu legt man einen total ausgefeilten Supermove hin oder wirft Energieblitze oder sowas, weil man zufällig eine total geile Tastenkombi gedrückt hat, die man die nächsten Tage vergeblich zu wiederholen versucht. Unter den recht bunten Charakteren hatte natürlich jeder seine Favoriten; total knorke waren zum Beispiel das grüne Monster Blanka (asthmatisches Gekeuche bei schön steifen Krallenhieben) oder der fette Sumo-Ringer E-Honda ("1000 Hände" haben wir sein schnelles Gekloppe genannt) oder der indische Yoga-Meister Dhalsim (der konnte schweben und hat voll dünne Arme gehabt). Ich habe dann aber in der Spielhalle lieber "Tekken" gezockt und an den STREET FIGHTER-Film mit Van Damme und Kylie Minoque kann ich mich auch nicht mehr so gut erinnern. An Chun Li, um die es jetzt gehen soll, konnte ich mich aber überhaupt nicht mehr erinnern.

Chun Li ist nämlich eine von den Mädels bei "Street Fighter", für die sich meine Freunde damals meistens entschieden haben. Jetzt ist sie also Hauptfigur eines neuen Versuches, die Videospielreihe kinotauglich auszuschlachten - offenbar war hier der Plan, jedem der "Street Fighter"-Charaktere einen eigenen Film mit deren jeweiliger Backstory zu schenken, bevor alle im großen abschließenden Tournament aufeinander losgehen. Backstory? Ja, diese Videospielfratzen haben tatsächlich alle eine eigene Biografie gehabt! Ich hab mir das nie durchgelesen, das halte ich für genauso überflüssig wie die unsäglichen Zwischensequenzen bei modernen Games. Ich will spielen, nicht Computerfiguren beim Quatschen zusehen! Wenn ich zugucken will, guck ich mir nen Film an. Aber nicht STREET FIGHTER - THE LEGEND OF CHUN LI.

Regisseur Andrzej Bartkowiak hat zwei okaye Kracher mit Jet Li und den Seagal-Burner EXIT WOUNDS auf dem Kerbholz, aber dann mit dem Arsch alles wieder eingerissen, als er uns DOOM auf den Hals schickte. Wer eine Videospielverfilmung vergeigt, darf gleich die Nächste machen! Und zwar eine, mit der auch Van Damme schon mal baden ging. Das hat eine Handvoll Leute nicht davon abgehalten, sich zum Affen zu machen. Kristin Kreuk hat sich die Rolle der jungen Fighterin Chun Li geangelt und war so überzeugt von der Idee, daß sie ihr festes Engagement bei der TV-Serie SMALLVILLE an den Nagel gehängt hat. Chris Klein (AMERICAN PIE) will sich partout nicht ausreden lassen, daß er als harter Actiontyp total gut kommt und wird sich wahrscheinlich noch in fünf Jahren um einen kantigen Dreitagebart bemühen. Was er hier abliefert, ist schlichtweg beschämend. Neal McDonough (besondere Kennzeichen: stahlblaue Augen, wasserstoffblondes Haar, sonst nix) spult zum x-ten Mal den Bösen ab und variiert nur noch im den immergleichen machtgeilen Watz. Michael Clarke Duncan, immerhin mal für einen Oscar nominiert, gibt derartig unbekümmert den dumpfen Handlanger, daß man annehmen muß, er sei eh davon ausgegangen, daß sich niemand den Quatsch ansieht.

Und ich möchte auch jedem davon abraten, sich dieses ungenießbare Gebräu anzutun. Bartkowiak ist ein kompetenter Regisseur, aber die Misere fängt schon bei der Hauptfigur an, die sich frei von Charisma durch eine uninteressante und hanebüchene Story boxt. Die Wirework-Fights sind unbeeindruckend, die Special Effects sparsam und die Action abgedroschen. Kristin Kreuk muß einmal "sexy" tanzen, was so viel Feuer hat wie das Käsebrötchen, dessen Belag sich an einem heißen Sommertag in der Auslage des Bäckers nach unten wellt, und darf sich auf einer Frauentoilette prügeln (nach dem ersten Fight fällt sie übrigens in Ohnmacht?!). Und das ganze Gedöns mündet auch noch in ein 08/15-Finale - wie oft sollen sich Leute eigentlich noch in Lagerhallen am Hafen kloppen? Kommt, haut die Möchtegern-Franchise gleich in die Tonne oder macht "1000 Hände - der Film", das hier ist nix. Ein Punkt für sexy Moon Bloodgood.

DVD.
Gutes Bild, guter Ton, akzeptable Synchro. Bonus: Zwei Featurettes, wovon die erste (das typische Industrie-Making Of) schon fast rührend ist - wie sich alle Beteiligten da wie die Kinder über diese "fantastische Gelegenheit" freuen. Das kann man sich in separaten Interviews auch noch mal genauer ansehen. Die entfallenen Szenen zeigen, daß man auch auf Produktionsseite nicht ganz so glücklich mit Chris Kleins Leistung war. Ein Haufen Trailer macht Lust auf andere Filme. Ach ja, Bartkowiak taucht nirgends auf. Denk Dir Deinen Teil.








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