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KAPITELWAHL

EAGLE EYE - AUSSER KONTROLLE (USA/Deutschland 2008)

von Hasko Baumann

Original Titel. EAGLE EYE
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. D.J. CARUSO
Drehbuch. JOHN GLENN . TRAVIS WRIGHT . HILLARY SEITZ . DAN MCDERMOTT
Musik. BRIAN TYLER
Kamera. DARIUSZ WOLSKI
Schnitt. JIM PAGE
Darsteller. SHIA LABEOUF . MICHELLE MONAGHAN . ROSARIO DAWSON . MICHAEL CHIKLIS u.a.

Review Datum. 2009-04-07
Erscheinungsdatum. 2009-03-27
Vertrieb. PARAMOUNT

Bildformat. 2.40:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . TÜRKISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
More bang for your buck. Das aktuelle Überwältigungskino aus den USA will immer schneller, greller und vor allem immer lauter werden. Das Getöse betäubt nicht die Ohren, sondern die Gehirnzellen; wer nicht mehr nachdenken kann, hört auch nicht mehr so genau hin und schluckt so ziemlich jeden Quatsch. Irgendwann wird es soweit sein, daß nicht nur jede nichtssagende Sequenz mit ohrenbetäubender, melodieloser Musik zugeballert, sondern auch jeder Schnitt mit knackigen Soundeffekten zum Rambazamba hochgepowert wird. Dank Flegeln wie McG oder Michael Bay geht diese Entwicklung nicht nur schnell, sondern unaufhaltsam von Statten. EAGLE EYE ist auch so ein Schritt in die falsche Richtung.

Der Plot bedient sich bei den richtigen Vorbildern: Menschen, die ahnungslos in die Pläne unsichtbarer böser Mächte eingebunden und damit zu Gejagten werden, hat man auch bei Großmeister Hitchcock gern gesehen. Mit Shia LaBeouf hat EAGLE EYE den momentan besten jungen Mann für diese Art Rolle zu bieten; seine sympathische Mischung aus ehrlich und schräg macht ihm derzeit keiner streitig. Als verlorener Sohn aus streng-militärischem Elternhaus findet er sich an der Seite von Michelle Monaghan als alleinerziehender Mutter wieder, zusammengeführt von einer großen Unbekannten, die ihnen Befehle am Telefon erteilt. Er muß seine Unschuld beweisen, sie ihren Sohn retten; Motivation genug also, um sich wilde Jagden mit dem FBI zu leisten, zu prügeln, zu schießen und quer durch die USA zu hetzen. Billy Bob Thornton, der entweder seine Dritten oder schlechte Jacketkronen im gefletschten Maul trägt, ist ihnen mit ein paar zu vielen coolen Sprüchen im Gepäck auf den Fersen. Das Ziel von Regisseur Caruso ist nicht subtile Spannung; krachen soll es. Wenn schon nach 20 Minuten die Autos sich in der Innenstadt überschlagen und in grotesken Crashkonvoluten verwickeln, macht das auch Spaß; als die unbekannte Drahtzieherin aber nicht nur Ampeln auf Grün schalten kann, sondern auch die Kräne eines Schrottplatzes zur Entsorgung unliebsamer Verfolger einsetzt, weiß man, daß sich EAGLE EYE ins Land der blühenden Fantasie abgesetzt hat.

Hinter all dem manipulativen Geschiebe und Geziehe der Hauptfiguren steckt unseligerweise eine Art Supermegacomputer, der alles weiß und offenbar alles kann. Was eine durchaus beängstigende Zukunftsvision über den Mißbrauch unserer Daten und die elektronischen Profile, die wir mit unseren Internet- und Kreditkarteneinkäufen und Online-Aktivitäten unfreiwillig aufbauen, hätte werden können, entpuppt sich als alberne Posse. Ist wirklich davon auszugehen, daß amerikanische Top-Informatiker ihren Supermegacomputer als goldene Kugel mit HAL 9000-Auge basteln und in einer ebenso goldenen Kuppel herumgleiten lassen? Am Ende geht auch die feingliedrigste Computertechnik in die Knie, wenn Mannweib Rosario Dawson einmal kräftig zuschlägt.

Dennoch: Als schlichter Unterhaltungsfilm hat EAGLE EYE durchaus seine Daseinsberechtigung. Es gibt hübsche Einfälle - etwa, wenn der böse Computer die Gepäckbänder eines Flughafens manipuliert und damit die Guten von den Bösen trennt und in die richtigen Sammelstellen purzeln läßt, oder wenn eine vibrierende Kaffetasse als Übertragungsmittel einer Botschaft mißbraucht wird - und ein völlig fassungloses Finale, in dem ein Überwachungsflugzeug einen Autotunnel mit Raketen zu Schutt schießt. Dank Shia LaBeouf und einer ordentlichen Leistung von Michelle Monaghan (die allerdings mittlerweile wie Michael Jackson anno 2000 aussieht) geht das in Ordnung. Unter der knalligen Oberfläche liegt allerdings Dummsdorf, und da helfen auch keine Stunts und Explosionen und schon gar nicht die unerträgliche Dauerbeschallung von Brian Tyler, die jegliches Aufkommen von Stimmung niederknüppelt. Alles ist zu viel, zu groß, zu laut - es muß doch auch nicht immer um die ganze Welt gehen.

DVD.
Bei einem Film dieser Preisklasse erwartungsgemäß top in Bild und Ton. Die Synchro ist erstaunlich gut abgemischt; die Leute sollten das öfter machen. Als Extras gibt es das übliche vorproduzierte Making Of (wer guckt sich den Quark eigentlich an?) und drei denkbar überflüssige entfallene Szenen.








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