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KAPITELWAHL

FALCO - VERDAMMT, WIR LEBEN NOCH! (Österreich 2008)

von Hasko Baumann

Original Titel. FALCO - VERDAMMT, WIR LEBEN NOCH!
Laufzeit in Minuten. 114

Regie. THOMAS ROTH
Drehbuch. THOMAS ROTH
Musik. PETER HERMANN . LOTHAR SCHERPE
Kamera. JO MOLITORIS
Schnitt. BERNHARD SCHMID
Darsteller. MANUEL RUBEY . CHRISTIAN TRAMITZ . NICHOLAS OFCZAREK . PATRICIA AULITZKY u.a.

Review Datum. 2008-11-26
Erscheinungsdatum. 2008-11-06
Vertrieb. EUROVIDEO

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Ein Falco-Film also. Denkt man auch nur ein paar Sekunden über diese von Hochs und Tiefs gebeutelte Karriere nach, ruft man sich nur einem Moment lang die Einzigartigkeit dieses großen Entertainers Johann Hölzel in Erinnerung, scheint ein solches Filmprojekt fast zwingend. In diesem Jahr kam nun Thomas Roths Film FALCO - VERDAMMT WIR LEBEN NOCH! in die Kinos, und in Österreich lief er auch vor gut gefüllten Sälen, im Rest der Welt allerdings begegnete man ihm mit großem Desinteresse. In Österreich ist Falco sicherlich ein Nationalheld, in Deutschland jedoch fristet er mittlerweile ein Schattendasein zwischen "Neue Deutsche Welle" (!)- und 80er-Compilations. Der Rest der Welt erinnert sich an ihn nur als kurioses One-Hit-Wonder ("Rock me Amadeus").

Auch dieser Film wird daran nichts ändern. Bieder und brav, ja geradezu einfallslos zeichnet Regisseur Roth Aufstieg und Fall des Falken nach, ohne in seiner akribischen Nachstellung von Auftritten und Musikvideos der Essenz Falcos auch nur nahe zu kommen. Nie wird das tatsächlich Erstaunliche an Hans Hölzel in Bezug zur Umwelt gesetzt: Daß er sich Zeit seines Lebens dem Funk zwar primär parasitär näherte, mit "Der Kommissar" aber unbestreitbar den Rap samt Beats zur deutschen Sprache und das Ganze dann zurück in die schwarzen Clubs New Yorks brachte; daß er dem Zeitgeist mal mit Witz ("Amadeus"), mal mit Provokation ("Jeanny") vorauseilen wollte und schon Ikone war, als der Rest der Welt noch lachte. Die Welt in Roths Film hat nur Falcos Musik zu bieten, nicht die Strömungen, die ihn umgaben. In einer hübsch animierten Sequenz sieht man "Der Kommissar" die deutschen Charts erklimmen; die Namen der Künstler, die er dabei überholt, lauten unter anderem Joachim Witt, Christian Franke, Roger Whittaker, The Human League und Bucks Fizz. Das ist die Musikwelt, in der Falco entstand. Das interessiert Roth aber nicht. Falco begegnet auch nie anderen Musikern auf seinem Weg, seine Auftritte scheinen auf dem Planeten Falco stattzufinden. Ausgerechnet Grace Jones (auch sie wird also zur 80er-Gestalt deklariert) muß sich in einem würdelosen, unfaßbar schlecht inszenierten Kurzauftritt als Zeugin von Falcos tödlichem Unfall verheizen lassen.

So bleibt die Verantwortung an Hauptdarsteller Manuel Rubey hängen, und der müht sich redlich. Was an physischer Ähnlichkeit fehlt, macht er insbesondere in Sprache und Tonfall wett, am schönsten in der Szene, die ihn beim Entwickeln der Kunstfigur Falco - vielmehr: dessen Intonation - zeigt. Bei der Performance der Songs aber wirkt sein Nachempfinden der exaltieren Arroganz Falcos eher steif und peinlich berührt als begeisternd, und sein Gesang macht nur um so deutlicher, daß es bei Falcos Songs vor allem der Interpret selbst war, der sie zum Leben erweckte, nicht die heute praktisch nicht mehr erträgliche 80er-Produktion der Bolland-Brüder. Es ist dennoch Rubey, der diesen Film zusammenhält, in dem selbst der sonst zuverlässige Christian Tramitz zur Stirnfalte degradiert wird.

Was bleibt, ist ein Wiedersehen mit den erstaunlich zahlreichen und einprägsamen Tops und Flops in Falcos Karriere, die mitunter auch wirkungsvoll eingesetzt werden: Der erste Achtungserfolg "Ganz Wien" mit Drahdiwaberl; der Durchbruch mit "Der Kommissar"; sein gefloppter, aber schönster und wahrscheinlich quintessenzieller (Bowie-Zitat, melancholische Eleganz, großer Pop) Song "Junge Römer"; der Welterfolg mit "Rock Me Amadeus"; der Skandal "Jeanny" und der Ausverkauf mit "Jeanny Part 2"; dann der beginnende Abstieg mit "Wiener Blut". Falcos glückloses Spätwerk mit Alben wie "Data de Groove" läßt der Film ebenso aus wie den postumen Riesenerfolg. Einer wie Falco fehlt uns heute, und er hätte einen wesentlich besseren Film verdient als diese banale Biographie.

DVD.
Bild und Ton sind gut, wobei die Mischung mitunter auf Kosten der Verständlichkeit der Sprache geht - was bei dem Schmäh, den die Österreicher hier von sich geben, für deutsche Ohren durchaus zum Problem werden kann. Die Extras sind ein recht ordentlicher Trailer, der idiotischerweise mit Grace Jones prahlt, und ein allzu ausschnittlastiges Making Of. Hier zeigt sich auch, daß einige der Darsteller sich nicht mit Recherchen aufgehalten haben und daß Regisseur Roth so erzählt, wie er inszeniert.








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