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KAPITELWAHL

JOHN CARPENTER - FÜRST DER DUNKELHEIT (Frankreich 2006)

von Hasko Baumann

Original Titel. BIG JOHN
Laufzeit in Minuten. 75

Regie. JULIEN DUNAND
Drehbuch. JULIEN DUNAND
Musik. ALAN HOWARTH
Kamera. LAURENT SBASNIK
Schnitt. GILDAS HOUDERINE
Darsteller. JOHN CARPENTER . LARRY J. FRANCO . KEITH GORDON . DEBRA HILL u.a.

Review Datum. 2008-09-02
Erscheinungsdatum. 2008-05-15
Vertrieb. EPIX MEDIA AG

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . FRANZÖSISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Ich weiß nicht, ob ich der Richtige bin, diese Dokumentation zu besprechen. Ich bin selbst Filmemacher und ich habe selbst zwei Mal mit John Carpenter gearbeitet. John ist ein ziemlicher Muffelkopp und mitunter auch durchaus lustlos und ungenießbar, aber wenn man ihn auf dem richtigen Fuß erwischt oder sein Vertrauen gewonnen hat, entpuppt er sich als intelligenter, gebildeter und sehr bissiger Erzähler. Dabei hat er vielen seiner Kollegen eine ganz entscheidende Eigenschaft voraus: Ehrlichkeit.

Der Franzose Julien Dunand hat offenbar auch Carpenters Vertrauen gewonnen. Gelöst und mitunter recht humorvoll erzählt der - zumindest ehedem - große Regisseur von seinen Inspirationen, von seinen Filmen, von einigen Erfolgen und vielen Enttäuschungen. Dabei spricht er in weiten Teilen des Films mit Dunand, während er am Steuer seines Wagens sitzt. Das ist nicht nur passend für Los Angeles, sondern auch typisch für Carpenter: Als ich einst nach einem Treffen mit John im Musso & Frank zu Fuß zum Magic Castle Hotel zurück laufen wollte, war er entsetzt und bestand darauf mich zu fahren. Die Autofahrt dauerte doppelt so lang wie der zehnminütige Fußweg, aber hey, das ist L.A.

Dunands Dokumentation öffnet sich, wenn Carpenter ihn mitnimmt in die Orange Grove, den Schauplatz von HALLOWEEN, oder bei Besuchen der Cherokee Studios, wo er seine Filme vertont, und das klassische Kino Los Angeles Theatre. Angereichert werden die Gespräche mit Statements von Schauspielern wie Peter Jason, Keith Gordon, Austin Stoker und Carpenters Ex-Frau Adrienne Barbeau; Debra Hill und Larry Franco dürfen nicht fehlen, und Komponist Alan Howarth erzählt von den "besten Jahren meines Lebens". Leider ist es Dunand nicht gelungen, Jamie Lee Curtis oder den für Carpenter sicher wichtigsten Freund und Partner, Kurt Russell, für seinen Film zu gewinnen, den man hier schmerzlich vermißt. Immerhin lernen wir von Carpenter, daß Russell so erzrechts ist, daß man ihn mit Attila dem Hunnenkönig verwechseln könnte.

Um den theoretischen Überbau zu generieren - dankenswerterweise verzichtet Dunand auf einen Erzähler aus dem Off - dürfen sich zwei französische Autoren über Carpenter ergehen. Ihre Legitimation bleibt uns Dunand schuldig, was die unfreiwillige Komik einiger ihrer vergeistigten Statements noch verstärkt. So wird Carpenters Kommentar zur französischen Filmrezeption im Allgemeinen ("die nehmen sich so verdammt ernst") zum leider nachvollziehbaren Eindruck. Auch sämtliche anderen Gesprächspartner werden nicht mit Insertierungen erläutert. Leute, die ihren Carpenter nicht aus dem Eff-Eff kennen, dürften wie der Ochs vorm Scheunentor stehen. Das Problem hat Dunand mitunter sogar erkannt: Um Keith Gordon nicht aus dem Nichts hereinpoltern zu lassen, widmet sich Dunand erst CHRISTINE (1983) und dann THE THING (1982), damit Gordon auch letzteren kommentieren darf. Was verwirrend ist, hält sich Dunand doch ansonsten an die Chronologie von Carpenters Werk.

Die Dokumentation ist nicht uninteressant, dafür sorgen schon Carpenters Authentizität und seine Selbstironie (die mit fortschreitender Laufzeit allerdings auch zu nerven beginnt) sowie einige einsichtige Passagen wie etwa jene zu BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA. Dunand baut jedoch, obwohl er sogar einen stimmigen Score von Alan Howarth bekommen hat, keinerlei Stimmung auf und hat auch kein Gespür für Timing. Es gibt fast keine Filmausschnitte zu sehen, weil er sich diese wohl nicht leisten konnte, dafür dann aber die minutenlangen Trailer von THE THING und ESCAPE FROM NEW YORK. Die Interviewpartner werden mit kurzen Super 8-Aufnahmen eingeführt, die sie durch ihren Garten laufend zeigen. Die Gespräche selbst dann wurden fast alle vor grünen Blättern und Hauswänden gefilmt und sehen einfach nur mies aus. Die Montagen zum Luft holen zeigen wacklige Fahrten durchs sonnendurchflutete Los Angeles. Dazu will Howarths düsteres Gebrumme dann so gar nicht passen. Insgesamt sieht dieser Film aus wie das Werk eines begeisterten Amateurs, der (noch?) keine Vorstellung davon hat, wie ein stimmiges und intensives Porträt aussehen könnte. Ein Jammer.

DVD.
Eine nicht allzu gelungene Menüaufbereitung führt zu einer Trailershow und einer Bildergalerie, die ebenso zu vernachlässigen ist wie eine unfokussierte Biografie Carpenters auf selbstlaufenden Tafeln. Der Film selbst wurde, selbst wenn man ihm seiner billigen Machart wegen Toleranz entgegen bringt, in einer inakzeptablen Art und Weise transferiert. Die ohnehin schon nicht zufriedenstellende Bildqualität macht es einem nicht leichter, den nicht anamorphen Film auf den 16:9 Monitor aufzuzoomen. Das kommt aber für den der englischen und französischen Sprache nicht mächtigen Zuschauer eh nicht in Frage, weil er dann die Untertitel gleich mit wegzoomt. Was übrigens auch für die Namen der Interviewten gilt, die man, anstatt der Cleanfeed-Fassung neue Bauchbinden zu basteln, gleich mit in die UT-Spur gehauen hat. Selbst einem schwachen Film wird man so nicht gerecht!








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