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KAPITELWAHL

LAST DAYS (USA 2005)

von Dirk Gerbode

Original Titel. LAST DAYS
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. GUS VAN SANT
Drehbuch. GUS VAN SANT
Musik. RODRIGO LOPRESTI . HILDEGARD WESTERKAMP
Kamera. HARRIS SAVIDES
Schnitt. GUS VAN SANT
Darsteller. MICHAEL PITT . LUKAS HAAS . ASIA ARGENTO . SCOTT PATRICK GREEN u.a.

Review Datum. 2007-09-04
Erscheinungsdatum. 2007-05-11
Vertrieb. PIERROT LE FOU/ALIVE

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Ein junger Mann namens Blake (Michael Pitt) torkelt – wirr vor sich hin murmelnd – durch einen Wald. Er springt in einen Fluss, verbringt die Nacht an einem Lagerfeuer. Er wankt zurück zu einem verfallenen Landsitz, der wohl ihm gehört, weicht falschen Slacker-Freunden aus, allesamt offenbar Grungemusiker. Er weicht allen aus, die zu ihm vordringen wollen. Er ist nicht mehr sonderlich gut beieinander. Ereignisse wiederholen sich aus anderen Perspektiven, die Zeit wird eine zähe Masse. Am Ende ist er tot und steigt in einer für den Film ungewöhnlich bedeutungsschwangeren Doppelbelichtung die Leiter in den Himmel hinauf.

Rein äußerlich ist Blake Kurt Cobain: die blonden halblangen strähnigen Haare, die Klamotten, die Sonnenbrille. Auch die spärlichen Rahmendaten stimmen grob mit dem überein, was über Cobains letzte Tage bekannt ist. Doch Gus Van Sant weist in den Credits ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei LAST DAYS um Fiktion handelt – immerhin ist der Film aber Kurt Cobain gewidmet. Und in seiner inhaltlichen Verweigerungshaltung dürfte er ihm ziemlich gerecht werden.

LAST DAYS beobachtet einen Menschen in den letzten Zügen, der innerlich schon tot ist, auf jeden Fall vollkommen allein. Verfolgt von diversen Interessengruppen, die wollen, dass er in jeweils ihrem Sinne funktioniert. Der Film verweigert sich dabei allen erzählerischen Strategien, die in solchen (quasi-)biografischen Filmen üblich sind. Keine soziologischen Erklärungen, keine psychologischen Erklärungen, keine Fuck-Up-Rock'n'Roll Glorifizierungen, keine Verschwörungstheorien: Weder inhaltlich, noch durch die filmische Gestaltung nahegelegt.
Eine Tabula Rasa – ästhetisch bis ins Detail ausgearbeitet. Die Kamera verfolgt Blake aus der ferne, umkreist ihn, fast nie gerät sein Gesicht in ihr Blickfeld, häufig verschwindet er ganz aus dem Bildrahmen. Brilliant wie Gus Van Sant es vermeidet, den Zuschauer in irgendeiner Form durch die LAST DAYS zu führen, ihn an die Hand zu nehmen – und es trotzdem schafft, ihn an den Film zu fesseln.
Der Film beobachtet seine Hauptfigur aus der Distanz, nahezu dokumentarisch – der Zuschauer kommt dadurch ganz dicht an ihn heran. LAST DAYS bietet nichts an, außer einer Projektionsfläche für die eigenen Vorstellungen. Würde man nichts über Kurt Cobains Tod wissen, der Film wäre an einem verloren. Blake ist offenbar bedröhnt, aber es ist nie zu sehen, dass er Drogen nimmt. Auch sein Tod wird ausgelassen und jede Information, wie er zustande gekommen ist. Nachmittags ist er in einem Gartenhaus, am nächsten Morgen findet ein Gärtner dort offensichtlich die Leiche. Das war's. Es werden nur winzige Bruchstücke eines Hintergrunds preisgegeben: Er hat eine Tochter, eine Band, die wieder Touren will, eine Schrotflinte wird sein Begleiter. LAST DAYS ist sehr minimalistisch und in diesem Minimalismus äußerst ausgefeilt. LAST DAYS lässt alles weg und öffnet dadurch viel. LAST DAYS ist sehr gut.

DVD.
Die DVD ist technisch in jeder Hinsicht zufriedenstellend, es gibt keinerlei Mängel. Man sollte aber die Originaltonspur der deutschen Synchro vorziehen. Die ist zwar nicht misslungen, passt aber einfach nicht zu dem authentischen Gefühl, das der Film vermittelt. Es wird ohnehin nicht viel geredet. Die Extras bieten ein interessantes Making-Of, in dem das Spannungsfeld aus Improvisation und konzentrierter Vision während der Dreharbeiten deutlich wird. Ein etwas peinlich auf Nirvana getrimmtes Musikvideo von Michael Pitts Band, eine Deleted Scene, der Trailer und ein weiteres kurzes Making-Of der sehr schönen langen Dollyfahrt runden diese empfehlenswerte DVD ab.








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