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KAPITELWAHL

PAYBACK - STRAIGHT UP: THE DIRECTOR'S CUT (USA 1999)

von Hasko Baumann

Original Titel. PAYBACK
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. BRIAN HELGELAND
Drehbuch. BRIAN HELGELAND . TERRY HAYES . DONALD E. WESTLAKE
Musik. SCOTT STAMBLER
Kamera. ERICSON CORE
Schnitt. KEVIN STITT
Darsteller. MEL GIBSON . GREGG HENRY . MARIA BELLO . DEBORAH KARA UNGER u.a.

Review Datum. 2007-04-18
Erscheinungsdatum. 2007-04-10
Vertrieb. PARAMOUNT

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. ENGLISCH (DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. ENGLISCH
Norm. NTSC
Regional Code. 1

FILM.
Diese verdammte Töle. Die ging mir schon 1999 im Kino auf die Nerven.
Und der Köter könnte der Grund sein, warum Regisseur und Autor Brian Helgeland seinen Film PAYBACK nie in der Fassung, die er Paramount und Warner 1998 vorlegte, ins Kino bringen konnte. Denn als dieser Schnitt auf dem Tisch der Verleiher landete, faßte Paramount-Chefin Sherry Lansing den Film zusammen: "Okay, also Mel kriegt das Geld nicht. Und Mel überlebt nicht. Und Du läßt den Hund sterben???"

Der Rest ist kleinere Filmgeschichte. Die Legende besagte, Produzent und Hauptdarsteller Mel Gibson habe den Film an sich gerissen, weil ihm die Figur des rücksichtslosen Gangsters Porter zu sehr an seinem - damals noch vergleichsweise sauberen - Image kratzte. Helgeland hatte einen knallharten 70er-Reißer gewollt, die Majors wollten LETHAL WEAPON. Am Ende war PAYBACK weder das eine noch das andere. Ein weltweites Einspielergebnis von immerhin 161 Millionen Dollar stellte zumindest die großen Bosse zufrieden.

Und obwohl der Kino-PAYBACK als durchaus sehenswerter Hardboiled-Krimi zu überzeugen wußte, schien er unentschieden und nicht ganz rund. So harrte also ein nicht unbeträchtlicher Teil der Filmfreunde auf der ganzen Welt der Veröffentlichung des sagenumwobenen "Helgeland-Cuts" des Films. Und nun ist er endlich da, initiiert übrigens von Warner und Mel Gibson, was schon einmal einen Teil der Buhmann-Legende entkräftet.

Ist diese Schnittfassung nun der bessere Film? Ja und nein, muß die Antwort lauten.
Ja, man darf jetzt Porter auch seine Ex-Frau (Deborah Kara Unger) verprügeln sehen. Das wirkt aber im Verlauf der Handlung so nachvollziehbar, daß es wohl nur dem wirklich auffällt, der das Original auswendig kennt. Überraschenderweise sind aber gerade jene Teile unverändert geblieben, die ich für - leider oft Mel Gibson-typische - Albernheiten und Übertreibungen hielt. Die zwei Konfrontationen von Porter und den Asiaten sind genauso überdreht und slapstickhaft wie eh und je, und auch Lucy Lius völlig überzogene S/M-Edelnutte hat keinerlei Federn lassen müssen.

Auch die extremen Gewaltszenen, um die seit Jahren die wüstesten Gerüchte kreisen, sucht man vergeblich. Der große Unterschied zur Kinofassung liegt - neben dem Verzicht auf ein Intro und auf den geschwätzigen Off-Text Porters - im Handlungsverlauf nach dem Tod von Stegman (David Paymer). Der Superboß Bronson tritt nicht in Gestalt von Kris Kristofferson auf, sondern nur in der Stimme von Sally Kellerman. Es gibt keine Folterszenen und auch keinen allzu ausgewalzten Showdown, und das Ende läßt Raum für Interpretationen, wenn es auch nicht gerade unversöhnlich ausfällt. Es ist ein etwas ruhigerer, etwas grimmigerer Film. Aber erstaunlicherweise ist es nun durchaus nachvollziehbar, warum Mel Gibson den dritten Akt umschreiben mußte und warum das Publikum schon bei Testvorführungen sofort positiv auf die Änderungen reagierte: Der Kino-PAYBACK machte mehr Spaß und brachte mehr Spannung, weil er sich der Hauptfigur etwas mehr näherte. Entscheidend aber ist, daß sich die bereits erwähnten Albernheiten in Helgelands Schnittfassung noch viel weniger einfügen wollen als in die Kinoversion.

Der Director's Cut wurde von Helgeland und seinem Editor Kevin Stitt übrigens komplett neu angefertigt - diese Version ist nicht identisch mit der 1998 abgelehnten Fassung. Da sämtliche Avid-Tapes verschollen waren, mußten sich die beiden die Zeit nehmen, die immer noch exzellenten Negative zu verwenden und tatsächlich auf Film zu schneiden. Dabei nutzten sie die Gelegenheit, den einst durchgängig blauen Look des Films durch eine erzählerische sinnvolle Farbdramaturgie zu ersetzen. Mit sehr starken Kontrasten erscheint der Film in einem teils rauhen, teils eleganten Lichte und überzeugt optisch auf ganzer Linie. Auch der alte Score von Chris Boardman mußte aufgrund der anderen Tonlage des Films ersetzt werden. Der Musiker Scott Stambler hat eigens eine neue Musik geschrieben, die der alten sogar überlegen ist.

Der Film an sich weiß auch weiterhin durch eine für einen Erstlingsfilm bemerkenswert sichere Regie zu überzeugen, vor allem aber glänzt ein großartiges Darstellerensemble: Gibson, Liu, Paymer, Unger, Maria Bello, Gregg Henry, James Coburn und vor allem der unvergleichliche William Devane. Und letzten Ende ist der Director's Cut doch der bessere Film. Warum?

Weil der Scheißköter diesmal endlich ins Gras beißt...

DVD.
Diese Veröffentlichung ist nichts weniger als überragend. Neben einer erstklassigen Präsentation des Hauptfilms finden sich hier unbedingt sehenswerte Extras. In einer zweiteiligen, fast einstündigen Dokumentation werden die gesamte Entstehung und die Dreharbeiten des Films aufgerollt, mit Brian Helgeland, Kevin Stitt, Kameramann Ericson Core und anderen Crewmitgliedern; dazu kommt Helgeland-Ziehvater Richard Donner sowie die Darsteller Mel Gibson, Deborah Kara Unger und eine hier absolut bezaubernde Maria Bello. Paymer, Henry sowie die mittlerweile verstorbenen Coburn und Devane tauchen in vorzüglichen Archivgesprächen auf. Während Deborah Kara Unger in einem mühevoll ausgeleuchteten Interviewbild stocksteif da sitzt und wohl nur von der Seite gefilmt werden will, präsentiert sich Gibson rauschebärtig, entwaffnend ehrlich und grundsympathisch. Bei der Liebe zum Film und der Kenntnis um künstlerische wie geschäftliche Prozesse, die er hier an den Tag legt, möchte man ihm beinahe seine jüngsten Ausraster verzeihen.
Noch interessanter und tiefgehender ist die Doku zur Entstehung des Director's Cuts, die alle Beteiligten offen zu der damaligen Problematik sprechen läßt. Da ist der Audiokommentar von Brian Helgeland fast schon überflüssig. Als wäre dieses reichhaltige Angebot noch nicht genug, findet sich auf der DVD noch ein Interview mit dem Autor der Romanvorlage "The Hunter", die ja auch schon Basis für John Boormans POINT BLANK war, Donald E. Westlake. Und der hat ein überaus gewinnendes Wesen.
Diese DVD ist eine willkommene Erinnerung daran, was dieses Medium leisten kann, und dem interessierten Zuschauer der reinste Goldschatz. Großartig und ein Muß für jeden Filmfan. Bravo.











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