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KAPITELWAHL

THE QUIET EARTH (Neuseeland 1985)

von Hasko Baumann

Original Titel. THE QUIET EARTH
Laufzeit in Minuten. 91

Regie. GEOFF MURPHY
Drehbuch. BILL BAER . BRUNO LAWRENCE . SAM PILLSBURRY
Musik. JOHN CHARLES
Kamera. JAMES BARTLE
Schnitt. MICHAEL HORTON
Darsteller. BRUNO LAWRENCE . ALISON ROUTLEDGE . PETE SMITH . ANZAC WALLACE u.a.

Review Datum. 2007-04-11
Erscheinungsdatum. 2006-10-27
Vertrieb. SUNFILM

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1/DD 2.0) . ENGLISCH (DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der letzte Mensch auf Erden. Das ist ein ebenso erschreckender wie faszinierender Gedanke. Alles steht einem offen; nichts, was man tut, wird von irgendjemand beurteilt werden, nicht qualitativ und nicht moralisch. Und man hat Zeit. Viel Zeit. Sich den Tag so einzuteilen, wie man es sich vorstellt, oder ihn eben gar nicht mehr einzuteilen. Aber hat das alles Bedeutung, wenn man es mit niemandem teilen kann? Was haben die verrücktesten, mutigsten Dinge für einen Wert, wenn niemand davon weiß außer einem selbst?

Der Wissenschaftler Zach (Bruno Lawrence) wacht eines morgens um 6:12 Uhr auf. Die tägliche Routine siegt für eine Zeit lang über das merkwürdige Gefühl, was ihn beschleicht. Denn obwohl die moderne Welt als solche noch funktioniert - die Telefone, die Elektrizität, die Autos - begegnet er stundenlang keinem Menschen, ja überhaupt keinem Lebewesen. Erst als er seine Labors betritt, hat er die Gewißheit: Das Experiment, für das er mit verantwortlich war, hat funktioniert, auf die denkbar schrecklichste Weise: Um 6:12 Uhr wurde alles menschliche Leben ausgelöscht. Die Erde ist still.

Der einsamste Mann der Welt durchläuft alle Phasen seiner Extremsituation: Die Suche nach Leben; das verspielte Zunutzemachen seiner Lage; die Optimierung seines Lebensraums; dann der Wahnsinn. Und kurz vor der Verzweiflung dann, in einer der bewegendsten Szenen des Films, die Wiedergeburt. Er arrangiert sich. Er beginnt das zu genießen, was er noch hat: Das Leben.

Im Gegensatz zur anderen, mindestens ebenso berühmten Vision des Alleinseins, Richard Mathesons I AM LEGEND und deren Verfilmungen THE LAST MAN ON EARTH und THE OMEGA MAN, geht es in THE QUIET EARTH nicht vordergündig um Gut gegen Böse. Zach muß sich seiner eigenen Verantwortung für die Katastrophe stellen. Insbesondere, als er eben nicht mehr alleine auf der Welt ist.

Man könnte Geoff Murphys Film vorwerfen, daß er sich im letzten Drittel von der beklemmenden Endzeitvision ab- und banalen zwischenmenschlichen Konflikten zuwendet. Aber das wäre grundfalsch. Denn was THE QUIET EARTH, in einem noch größeren Maß als Romeros DAWN OF THE DEAD, als deprimierende These anbietet, ist daß der Mensch immer einen Schuldigen für sein Schicksal suchen wird; daß er auf eine Rollenverteilung besteht und sich Konfliktlösungen nur in Gewalt, Lüge oder Intrige finden lassen wollen. Nur um einer weiteren Katastrophe unweigerlich entgegenzusteuern.

Das letzte Bild des Films, eine kleine Ikone, des modernen Science Fiction-Films, ist in seiner Vielschichtigkeit und Radikalität atemberaubend. Es erlaubt auch verschiedenste Interpretationen für Zachs Schicksal, der, sieht man den Film als katholizistische Metapher, für seine Sünde zu büßen hat, für immer - nicht umsonst sieht man ihn in seinem Wahn eine Jesusfigur vom Kreuz schießen, als er nach Gott fleht ("If you don't come out, I'll shoot the kid") - oder sich so weit von der Menschheit entfremdet hat, daß er sich selbst eine Welt ohne sie erschaffen hat. Der Weg dahin ist zutiefst faszinierend: Ein Film aus einer Zeit, als Drehbücher noch daraufhin geschrieben wurden, daß jede Szene ihre Wichtigkeit und Bedeutung hat und nicht nur dem Regisseur die Chance gibt, seine technischen Tricks abzurufen.

Daß Geoff Murphy dank des großen Erfolges des zunächst als unverkäuflichen QUIET EARTH dann nach Hollywood ging und nicht einen künstlerisch vergleichbaren Film abliefern konnte (FREEJACK, ALARMSTUFE: ROT 2, YOUNG GUNS 2), ist erstaunlich. Aber manchmal kommt alles zusammen, und Größe entsteht. Und keiner der Beteiligten kann das jemals wiederholen.

DVD.
Großes Lob für Sunfilm für eine weitere technisch überzeugende DVD. Großes Manko aber der lieblose Umgang mit den Wendungen des Films: Fällt der Blick unschuldig auf die Kapitelliste, weiß man schon, wie der Film verlaufen wird. Klickt man sich durch das Menü, landet man bei "Extras" schon bei einem Motiv, daß eine der abschließenden Entwicklungen zwischen den Protagonisten dokumentiert. Das ist alles nichts gegen den Trailer, der den kompletten Film bis zum Ende erzählt.
Es gibt immer noch mehr als genug Filmfreunde, die sich nicht nur die schöne Verpackung in den Schrank stellen, sondern sich auf ein ungetrübtes Filmvergnügen mit all seinen Überraschungen und Emotionen freuen. Schade, daß heutzutage eben diese mit diesem ganzen Vorab-Making Ofs und Internet-Clips immer mehr verprellt werden. Diesen Trend muß man doch mit DVDs nicht auch noch verfolgen.
Bestes Feature ist der Audiokommentar von Produzent Sam Pillsbury, der nicht nur Anekdoten runterbetet, sondern einiges zu erzählen hat und am Ende stolz verkündet: "New Zealand is to this day nuclear free."
Regieassistent war übrigens Lee Tamahori (DIE ANOTHER DAY). Ist ne kleine Welt da draußen.








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