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KAPITELWAHL

DIE ODYSSEE (Deutschland/Italien/Jugoslawien 1968)

von Matthias Mahr

Original Titel. L'ODISSEA
Laufzeit in Minuten. 169

Regie. FRANCO ROSSI . PIERO SCHIVAZAPPA . MARIO BAVA
Drehbuch. GIAMPIERO BONA . VITTORIO BONICELLI . FABIO CARPI
Musik. CARLO RUSTICHELLI
Kamera. ALDO GIORDANI
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. BEKIM FEHMIU . IRENE PAPAS . RENAUD VERLEY . BARBARA BACH u.a.

Review Datum. 2006-12-04
Erscheinungsdatum. 2006-08-24
Vertrieb. MC-ONE

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ITALIENISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Diese unter der Federführung der italienischen RAI entstandene Miniserie ist wohl die genaueste Umsetzung von Homers Epos, die bis dato gedreht wurde. Selbst die verschachtelte Erzählweise bleibt exakt erhalten, die in anderen Adaptionen zumindest teilweise linearer aufgelöst wird. Und so beginnt die Geschichte mit Odysseus' Sohn Telemach, der von Athene dazu ermutigt wird, seinen Vater zu suchen und Penelopes Versuch, mit dem Webetrick die Freier auf später zu vertrösten. Gewagt, aufgrund dieser Werktreue kam so bei der ursprünglichen achtteiligen Ausstrahlung der RAI Odysseus in der ersten Folge noch gar nicht vor!"
In der hier vorliegenden dramaturgisch nicht ungeschickt aufgefächerten Teilung auf drei DVDs folgt im "1. Teil" darauf noch die Floßfahrt von Kalypso zu Alkinoos, wo Odysseus mit einem Zeugen seiner Taten in Troja konfrontiert wird. Die zweite DVD ist fast vollständig mit den Erzählungen der vorangegangenen Abenteuer am Hof Alkinoos' gefüllt, darunter auch die wohl populärsten um den Zyklopen Polyphemus, Circe und die Sirenen, während die dritte ganz im Zeichen der Abrechnung mit den Freiern steht.

Mitunter mag diese Akkuratess etwas sperrig wirken. Selbst bei der flottesten Episode, Mario Bavas Adaption der Abenteuer bei Polyphemus und Aeolos, wirkt die Reaktion der anderen Zyklopen auf den listigen "Niemand-Trick" ein wenig aufgesetzt, was eben daran liegt, dass Homer kein Drehbuchschreiber war. Auch die Sirenen bekommt man nicht wirklich zu sehen, wie sie auch im Epos nicht beschrieben wurden. Dazu wirken andere Folgen teilweise fast mehr der antiken Realität als der Sagenwelt verhaftet. Manches wird etwas breitgetreten. Die "Straffungen", die seinerzeit das deutsche Fernsehen vornahm gingen dennoch nicht in Ordnung, ruinierten damals zumindest die schöne Aeolusgeschichte komplett. Und warum man in der Synchronfassung dazu überging, die Zitate aus den Gesängen nur von einem Off-Erzähler sprechen zu lassen, während im Italienischen teilweise auch ein sichtbarer Frauenchor einstimmt, ist auch nicht einzusehen. Da kann man schon glücklich sein, dass diese Kürzungen hier rückgängig gemacht wurden.

Schnelle Kamerazooms und geschickte Montagen sollen mitunter dem langsameren Erzähltempo Drive geben. Beim Prolog, in dem im Dokumentarstil zu Aufnahmen des ausgegrabenen Troja über Schliemann erzählt wird, wirkt das noch etwas daneben. Später, etwa bei einem Speerwurf-Bewerb, wird das mit hoher Kunstfertigkeit eingesetzt.
Die hellen Farben der Freiluftszenen unterstützen sehr die mediterrane Stimmung, auch Kleidung, Tischmanieren und sonstiges Verhalten der Leute wirkt authentisch, wenn auch manches Schauspiel etwas hölzern wirkt. Die Psyche von Odysseus und Penelope wird zudem sehr gut herausgearbeitet. Wer sich darauf einlässt bekommt eine Adaption des Stoffes, bei der die positiven Aspekte deutlich überwiegen und die dem CGI-Kitsch von heute jedenfalls weit überlegen ist.

DVD.
Die Bildqualität ist nicht unbedingt berauschend, für eine TV-Serie aus den 60er Jahren aber definitiv vertretbar. Doppelkonturen sind halt allgegenwärtig. Andere (nicht unbedingt alle dem Alter zuzuschreibende) Mängel sind eigentlich zu vernachlässigen: Wirklich selten war ganz leichte Blöckchenbildung bemerkbar, ähnlich den Bildstörungen bei Digital-Satellitenschüsseln. Zudem ruckelt das Bild manchmal bei Kameraschwenks. Fischchen sind häufiger zu sehen, fallen aber auch nicht wirklich ins Gewicht. Die Tonspuren klingen dafür beide sauber. Schade nur, dass die italienische nur an jenen Stellen untertitelt ist, die in der deutschen fehlen.
Auch wenn die Dreiteilung wie erwähnt stimmig ist, eine Aufteilung in die acht Originalepisoden hätte doch besser gepasst. Zum einen wegen der unterschiedlichen Credits, es wirkt auch ein wenig befremdlich, dass zwischen den Teilen gar keine Vor- und Abspänne liegen. (Obwohl bei der Bava-Folge durch unsauberen Schnitt ein Moment des Vorspannes kurz durchblitzt.) Zum zweiten, weil die Einzelteile so doch etwas lang werden um sie in einem Stück zu sehen. Auch wenn manche Leute heute auch etwa eine Staffel 24 am Stück sehen, dafür wurden und werden Serien nicht konzipiert. Ihre beste Wirkung erzielen sie meist, wenn man jeder Folge die Zeit gibt sich setzen zu lassen. Auch manches, was so etwas zäh gewirkt hat, wäre im 45- oder zumindest 90-Minutenformat besser vermittelt worden. Zum dritten noch hätte man das einzige Extra anders etwas besser zur Geltung bringen können.

Es handelt sich dabei um eine 65 Minuten lange Dokumentation. In Wirklichkeit wurde sie aus mehreren Segmenten zusammengestöpselt, die wohl vom italienischen Fernsehen als Vorprogramm für eine Wiederholung der Serie schätzungsweise in den 80er Jahren gefertigt wurden. Ungewohnt: Fast durchgehend hat man die Sendung italienisch belassen und untertitelt, die wenigen Off-Komentare wurden aber deutsch eingesprochen. Das Feature ist nicht mehr ganz zeitgemäß, erinnert sowohl an die Knoff-Hoff-Show als auch an Astronomie-Sendungen in denen Carl Sagan durch virtuelle Galaxien latschte, hat aber doch teilweise sehr Interessantes zu bieten. (Polyphemus war ein Elefant!!!) In jedem Fall würde es aber besser wirken, hätte man es nicht zu einem Block zusammengeklebt sondern die Segmente für sich belassen auf den drei Scheiben zu den passenden Folgen aufgeteilt. Trotzdem ein sinnvolles und lobenswertes Extra.

Die Aufmachung der Edition ist sehr gelungen. Zwar scheint die mit Karton überzogene Box etwas filigran, bei pfleglicher Behandlung dürfte sie aber doch Bestand haben. Die DVDs lassen sich problem- und schadlos, aber nicht zu leicht, aus der Verankerung lösen und sind auch, da ohnedies nur drei, nicht überlappend. Das Grafikdesign der Schachtel ist elegant, die Menüführung auf den Discs eher schlicht, aber praktisch.








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