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GOLDENE ZEITEN (Deutschland 2006)

von Hasko Baumann

Original Titel. GOLDENE ZEITEN
Laufzeit in Minuten. 128

Regie. PETER THORWARTH
Drehbuch. ALEXANDER M. RÜMELIN . PETER THORWARTH
Musik. KRAANS DE LUTIN
Kamera. JAN FEHSE
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. WOTAN WILKE MÖHRING . DIRK BENEDICT . WOLF ROTH . ALEXANDRA NELDEL u.a.

Review Datum. 2006-11-04
Erscheinungsdatum. 2006-10-26
Vertrieb. E-M-S

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Ingo Schmitz (Wotan Wilke Möhring) arbeitet für Eventmanager Charly (Uwe Fellensiek). Als er in Charlys Abwesenheit ein Benefiz-Golfturnier in Unna organisieren soll, sieht er seine große Chance gekommen. Er verspricht Jürgen Matthies (Wolf Roth), Organisator des Turniers, den einstigen Hollywoodstar Douglas Burnett (Dirk Benedict) aus der Serie "John Striker" als Stargast in den Ruhrpott zu holen. Der Mann, der sich dann als Burnett vorstellt, ist aber nur Provinzschauspieler Horst Müller (ebenfalls Dirk Benedict), den Ingo als Burnett engagiert hat, um mal richtig abzusahnen. Absahnen wollen hier aber alle, besonders der verschuldete Matthies. Jeder betrügt jeden, sei es im Bett, auf dem Golfplatz oder bei der Steuer. Jeder ist auf seinen Vorteil aus, der zugekokste Schauspieler Mischa Hahn (Gedeon Burkhard) wie auch der Zuhälter Grabowski (Ralf Richter) und leider auch Horst Müller. Was als ulkige Charade beginnt, eskaliert in einem Teufelskreis aus Sex und Gewalt.

Und das ist auch das Problem von GOLDENE ZEITEN, Peter Thorwarths Abschluß seiner "Ruhrpott-Trilogie". Der Film findet einfach nicht den richtigen Ton. Für eine Komödie ist er zu blutrünstig, zu sexistisch und in Teilen sogar zu tragisch - die Figurenkonstellation aus Losern, Trotteln und Sadisten wächst einem einfach nicht ans Herz. Als Studie von kriminellem Gebahren zwischen Dortmund und Duisburg ist er aber zu absurd, zu klamaukig und mitunter eben doch viel zu amüsant.

Das ist schade, denn für dieses aufwendige Projekt haben sich drei der liebenswertesten Filmpersönlichkeiten Deutschlands zusammengetan: Produzent Christian Becker, der kurz vor Charles Bronsons Tod mit ihm noch DEATH WISH - SHOWDOWN IN BERLIN drehen wollte; 3L-Filmproduktionschef Werner Wirsing, unser Harvey Weinstein in Dortmund; und Thorwarth selbst, der als Regisseur mehr Talent im linken Auge hat als die Tykwers und Hirschbiegls dieser Republik im ganzen Körper. Und so sieht auch GOLDENE ZEITEN fantastisch aus: großartig fotografiert von Kameramann Jan Fehse, der auch schon TATTOO zur Augenweide machte, temporeich geschnitten von Anja Pohl und von Thorwarth in jeder Einzelszene effizient und auf den Punkt inszeniert. Leider ist die Summe des Ganzen kleiner als seine einzelnen Teile: Der Film weiß nicht recht, wohin mit sich, könnte theoretisch noch ewig so weitergehen, obwohl er mit über zwei Stunden schon viel zu lang ist, und kommt zu einer Auflösung, die niemand zufrieden stellt.

Es bleibt aber Peter Thorwarths Gefühl für das wunderbare Flair des Ruhrpotts und vor allem sein untrügliches Gespür für die perfekte Besetzung. Nur er gibt einem unterschätzten Top-Schauspieler wie Wolf Roth, der sich jahrelang durch DERRICK reineckern mußte, eine solche Rolle wie Jürgen Matthies. Wotan Wilke Möhring, in ANTIKÖRPER noch so blaß, glänzt als Verlierer, der so gerne will, und es doch einfach nicht hinkriegt. Birgit Stein brilliert als Matthies' Frau in grotesker schönheitsoperierter Maske und ist derart entstellt, daß ihr Thorwarth noch eine kleine Sprechrolle in "natura" gegeben hat. Bei Thorwarth können selbst zweifelhafte Kandidaten wie Gedeon Burkhard, Alexandra Neldel und Christian Kahrmann neben einem entfesselten Ralf Richter bestehen. Nur Dirk Benedict hat das Problem, sich einer Synchronstimme unterzuordnen, sobald er zu Horst Müller wird. Dann zerbricht auch die Illusion.

GOLDENE ZEITEN ist ein in Ehren gescheiterter Versuch, originelles deutsches Kino zu machen. Er hat sein Meriten, und allein für seine Schauspieler ist er sehenswert. Und er ist immer noch Grund, sich auf die nächsten Projekte der sympathischen Maniacs Wirsing, Becker und Thorwarth zu freuen.

DVD.
Leider lag zur Rezension nur ein Presseexemplar vor, das aber in Bild und Ton schon sehr überzeugend wirkte.








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