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KAPITELWAHL

BLIND BEAST (Japan 1969)

von Björn Eichstädt

Original Titel. MOJUU
Laufzeit in Minuten. 84

Regie. YASUZO MASUMURA
Drehbuch. YOSHIO SHIRASAKA
Musik. HIKARU HAYASHI
Kamera. SETSUO KOBAYAHI
Schnitt. TATSUJI NAKASHIZU
Darsteller. EJI FUNAKOSHI . MAKO MIDORI . NORIKO SENGOKU u.a.

Review Datum. 2006-08-06
Erscheinungsdatum. 2006-05-22
Vertrieb. YUME PICTURES

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. JAPANISCH (DD 2.0)
Untertitel. ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Die Japaner haben eine spezielle, etwas schizophrene Vorliebe für bizarre Sexualität. Das weiß man hierzulande spätestens seit dem Hype um die Bondage-Fotografien von Nobuyoshi Araki. Fesseln und Knebeln mit entsprechender Offenheit gehören ebenso dazu, wie die Angst vor Schamhaar und entsprechende Zensur in Film und Fotografie. Mit dem Pink-Film hat das japanische Kino zudem ein Genre hervorgebracht, das im Bereich des Softsexfilms bereits in den 60ern so ziemlich alles hervorgebracht hat, was die westliche Vorstellungskraft erfassen kann. Und noch mehr. Der Westen ließ sich in den 70ern durch IM REICH DER SINNE schockieren, ein Kammerspiel, das die Abwärtsspirale einer aus den Fugen geratenden Sexualität porträtierte, doch ansonsten hörte man lange nichts. Erst seit den 90er Jahren wuchs das hiesige Interesse am japanischen Underground wieder, und so verwundert es kaum, dass ein Klassiker wie BLIND BEAST erst jetzt erstmals in England als DVD erschienen ist.

Der Plot, basierend auf einer Geschichte des Schriftstellers Edogawa Rampo, ist eigentlich recht banal, wenn auch durchaus grotesk: Das Fotomodell Aki, das regelmäßig für erotische Fotos posiert, wird von einem blinden Amateurbildhauer verfolgt - Stalker würde man heute sagen. Der Mann, Michio, ist ein taktiler PEEPING TOM und hat sich in die Formen einer Skulptur verliebt, die das Model darstellt. Als Masseur getarnt verschafft er sich Zutritt zu Akis Wohnung und verschleppt die junge Frau in sein surrealistisches Atelier, das mit riesigen Nachbildungen weiblicher Körperteile ausgestattet ist und neben dem Künstler auch seine Mutter beherbergt. Was zunächst eine Entführungsgeschichte ist, wird zu einem sadomasochistischen Kammerspiel, in dem sich ein ödipal verwirrter Mann und eine masochistisch veranlagte Frau emotional immer weiter annähern und ihre von Gewalt geprägten Vorstellungen von Sexualität bis in den Tod hinein ausleben.

BLIND BEAST ist ein Film über Mutterkomplexe und Extreme der Sexualität, doch leider lotet der Streifen die Thematik in knapp über 80 Minuten Laufzeit nur unzureichend aus. Doch trotzdem ist der Film ein Erlebnis: Das liegt allerdings weniger an der Handlung als an der umwerfenden Optik, die direkt dem Kopf eines Salvador Dali zu entspringen scheint. Vieles in Michios Atelier erinnert an die Traumsequenz aus Hitchcocks SPELLBOUND für die der Großmeister der surrealen Kunst verantwortlich war. Bilder, die begeistern und beklemmen, sind das große Plus und sorgen dafür, dass es sich bei BLIND BEAST wirklich um einen der zentralen Mitternachtsschocker des japanischen Undergroundfilms der 60er handelt. Für Charakterdesign und Stringenz gibt es ein kleines Minus, aber das kann man mit etwas gutem Willen auch einfach übersehen.

DVD.
Bedenkt man den Kultstatus des Films, enttäuscht die DVD-Aufbereitung von Yume Films doch etwas. Bild und Ton sind eher mittelmäßig und Extras gibt es - bis auf einen unnötigen Trailer, der höchstens zeigt, dass man das mit dem Bild auch brillianter hätte hinbekommen können - auch nicht. Doch wer den Film als Region-2-DVD sein Eigen nennen möchte, sollte hier trotzdem zugreifen, da eine ausführlichere Auswertung so schnell nicht zu erwarten ist.











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