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KAPITELWAHL

FÜR ALLE FÄLLE FITZ - 1. STAFFEL (Großbritannien 1993)

von Matthias Mahr

Original Titel. CRACKER
Laufzeit in Minuten. 364

Regie. MICHAEL WINTERBOTTOM . ANDY WILSON . SIMON CELLAN JONES
Drehbuch. JIMMY MCGOVERN
Musik. JULIAN WASTALL . ROGER JACKSON
Kamera. IVAN STRASBURG
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. ROBBIE COLTRANE . GERALDINE SOMERVILLE . CHRISTOPHER ECCLESTON . BARBARA FLYNN u.a.

Review Datum. 2006-05-28
Erscheinungsdatum. 2006-03-03
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Dem bekanntesten Zauberlehrling der Welt sei Dank: auch in Deutschland wird Robbie Coltrane plötzlich eine erhöhte Wahrnehmung zuteil. Dabei wurde seine international mit Kultstatus gehandelte TV-Serie hier bislang nicht sonderliche Aufmerksamkeit entgegengebracht. Gerade zweimal lief sie zu annehmbaren, wenn auch nicht Hauptsendezeiten, das erste Mal zudem teilweise stark gekürzt. (In Österreich war man freilich noch schlechter dran: hier lief FITZ überhaupt nicht.) Auch wenn heute ohnedies so ziemlich jede Serie auf DVD vermarktet wird, die Gefahr, dass ausgerechnet CRACKER weiterhin übergangen worden wäre hätte bestanden, stürzen sich doch die Publisher vermehrt auf ganz neue Serien oder solche, die schon zumindest in den 80ern (KNIGHT RIDER, DALLAS und was die Welt sonst so alles nicht wirklich braucht) erschienen sind. Gerade die 90er Jahre wurden aber bislang, was Serienboxsets betrifft, eher vernachlässigt.

CRACKER ist ganz der seriösen bodenständigen britischen Krimischule verpflichtet, wie man sie von PRIME SUSPECT oder INSPECTOR MORSE kennt. Wenig Action, keine unglaubwürdigen Plottwists, keine Stricktante als Hobbydetektivin. Zwar ist die Hauptperson Psychologe und kein Kriminalist, die Art und Weise, wie er, aus persönlichem Interesse aber auch aus finanzieller Notlage als notorischer Zocker, als Profiler wie auch bei den Verhören in die Polizeiermittlungen integriert wird wirkt aber schlüssig. Überhaupt ist die detaillierte Figurenzeichnung das, was die Serie am meisten auszeichnet. Bei den wiederkehrenden Charakteren wartet noch so manche Überraschung in ihrer Entwicklung auf den Zuschauer wodurch es ein besonderes Vergnügen macht die Folgen wiederholt anzusehen. Man merkt mitunter erst dann, wie schon in den ersten Folgen jede Nuance im Verhalten der Protagonisten passt. Hauptverantwortlich dafür ist Serienschöpfer Jimmy McGovern, der in der ersten Staffel sämtliche Drehbücher verfasste und unverkennbar bereits hier das große Bild im Kopf hatte. Er schafft das Kunststück auf wahrhaft hohem Niveau einzusteigen und in buchstäblich jeder seiner Geschichten noch eine Steigerung gegenüber den vorangegangenen zu erzielen. Mit der Konsequenz, dass die erste Season, trotz leichter Einbrüche bei späteren Folgen anderer Autoren, insgesamt als die schwächste erscheinen mag. Dennoch sollten neue Zuseher sich hüten die Folgen in der falschen Reihenfolge anzusehen und erst mit der zweiten oder gar dritten Staffel einzusteigen. Man verbaut sich so die Möglichkeit voll ins Fitzsche Universum einzutauchen.
Die Mörder respektive Verdächtigen (1993 war es noch nicht durchwegs so, dass der Zuschauer zwangsläufig dem Täter bei der Tat zusehen kann, dennoch konzentrieren sich die Ermittlungen immer in eine Richtung) stehen Dr. Fitzgerald und der restlichen Stammbesetzung in ihrer Komplexität um nichts nach. Ob Fitz in MORD OHNE ERINNERUNG (THE MAD WOMAN IN THE ATTIC) sich mit einem realen oder gespielten Fall von Amnesie befasst oder in MÖRDERISCHE LIEBE (TO SAY I LOVE YOU) mit einem Stotterer und seiner sich selbst und ihre Familie hassenden Freundin oder in TOD EINES KNABEN (ONE DAY A LEMMING WILL FLY) einen homosexuellen Lehrer vom Selbstmord abhalten muss, es wirkt einfach immer authentisch und dennoch spannend.
Mit Coltranes Darstellung des Dr. Fitzgerald ist ein besonderer Spagat gelungen. Intelligent, gebildet, witzig und dennoch einer der zynischsten Antihelden, die das TV aufzubieten hat. Die Inszenierung dieses Fernsehjuwels wirkt in MORD OHNE ERINNERUNG zwar noch ein wenig blass, danach legt die Serie aber auch hierbei gewaltig zu. Im Genre Krimiserie gibt es wirklich nichts, dass hier nur annähernd rankommt.

DVD.
Die DVD-Veröffentlichung kann man leider nicht wirklich als gelungen bezeichnen. Wie bei Koch üblich kommen die drei DVDs in einer schmucken Box. Auf jeder befindet sich eine Geschichte, die ursprünglich als Zwei- bzw. (im Falle von MÖRDERISCHE LIEBE) Dreiteiler konzipiert war, zusammengefügt zu einem Film, teilweise auch mit episodenübergreifenden "Kapiteln", dennoch merkt man aufgrund von Standbildern oder Auffälligkeiten in der Tonspur meist, wo ursprünglich die Folgen geteilt waren. Extras findet man gar keine vor, macht aber alles herzlich wenig. Wirklich unschön ist hingegen das Bild mit seinen Doppelkonturen und (seltenen) Dropouts. Wer seinerzeit bei der TV-Ausstrahlung eine gute VHS-Aufnahme angefertigt hat dürfte kein wesentlich schlechteres Bild darauf haben.
Beide Tonspuren klingen sauber, Digitally Remastered prangt auch am Cover, warum aber auch der englische Ton nur zwei Kanäle hat obwohl die alte Analogspur (so steht's zumindest in einem Insert zu Beginn der Folgen und auch im Nachspann) in Dolby Surround war, ist aber auch nicht ganz nachvollziehbar. Die Untertitel halten sich streng an die (freilich alte, von der TV-Ausstrahlung übernommene) Synchro und entlarven sie als teilweise sehr frei, falls man sie zum O-Ton einblendet. (Die Titel der Hauptcharaktere haben alle ihren eigenen Farbton, auch wenn Inserts wie "Telefon klingelt" oder "dramatische Musik" ausbleiben sind sie wohl auch für Gehörbehinderte gedacht.) Wenn Fitz im Deutschen die Polizistin Penhaligon "humanistisch geprägt" Penthesilea nennt hänselt er sie in Wahrheit mit dem weit erdigeren Spitznamen Panhandle. Besonders unnötig scheint dazu die Marotte Ungesagtes (Dialoge bei denen in Englisch nur noch Musik zu hören war) mit zusätzlichem Text zu versehen als ob das Deutsche Publikum zu blöd wäre sich selbst zu denken, was hier allein durch die Bilder noch ausgedrückt wird. Freilich hat die Synchronisation damals das TV-Ereignis FITZ nicht ernsthaft trüben können, gleichzeitig ist aber der entschlackte O-Ton gerade jenes Feature, dass diese Veröffentlichung auch für Fans von früher, die noch eine gute TV-Aufnahme besitzen, interessanter macht. (Schließlich ist auch nicht anzunehmen, dass andere Veröffentlichungen, etwa die UK-DVDs ein besseres Bild bieten.) Newcomer sollten sich von den technischen Mängeln ohnedies nicht beirren lassen und eines der größten Erlebnisse, dass einem Fernsehen bereiten kann, endlich erfahren.








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