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KAPITELWAHL

A HOLE IN MY HEART (Schweden/Dänemark 2004)

von Stefan Mader

Original Titel. ETT HÅL I MITT HJÄRTA
Laufzeit in Minuten. 94

Regie. LUKAS MOODYSSON
Drehbuch. LUKAS MOODYSSON
Musik. nicht bekannt
Kamera. MALIN FORMANDER . JESPER KUSLANDSKY . LUKAS MOODYSSON
Schnitt. MICHAEL LESZCYLOWSKI
Darsteller. THORSTEN FLINCK . SANNA BRÅDING . GORAN MARJANOVIC . BJÖRN ALMROTH u.a.

Review Datum. 2006-03-28
Erscheinungsdatum. 2006-02-20
Vertrieb. LEGEND FILMS

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . SCHWEDISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Puh... Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Lukas Moodysson hätte ein ernsthaftes Problem, wenn man sich die Entwicklung seiner Filme ansieht. War FUCKING ÅMÅL (1998) noch ein herzerwärmend-optimistisches coming of age-Drama, so schlichen sich bereits im zwei Jahre später veröffentlichten TILLSAMMANS trotz eines guten Endes mit Themen wie häuslicher Gewalt pessimistischere Aspekte ein. Der sich mit Mädchenhandel auseinandersetzende LILJA 4-EVER (2002) hatte dann schon gar nichts Aufheiterndes mehr an sich und nun sind wir (bzw. ist Moodysson) mit A HOLE IN MY HEART bei totaler nihilistischer Tristesse angelangt. Diese absolute Hoffnungslosigkeit wird von der Ablehnung sämtlicher herkömmlicher Erzähl- und Darstellungsstrukturen unterstrichen und auch die praktisch non-existente Handlung forciert diesen Eindruck:
Der Witwer Rickard (Flinck) lebt mit seinem Sohn Eric (Almroth) in einer kleinen, reichlich versifften Wohnung. Dort schlägt er mit seinem Kumpel, dem Vollproleten Geko (Marjanovic), die Zeit tot, indem die beiden sich besaufen und ebenso pseudophilosophisch wie wehleidig über ihr verpatztes Leben lamentieren. Außerdem anwesend ist die 21jährige Tess (Bråding), deren größter Traum es ist, ein Pornostar zu werden. Und so drehen Tess, Geko und Rickard einen grindigen Amateurporno nach dem anderen, wobei vor allem Gekos latente Ablehnung Frauen gegenüber immer augenscheinlicher wird. Dies gipfelt darin, dass er Tess bei einem Dreh androht, ihr mit dem Baseballschläger die Zähne auszuschlagen, woraufhin sie flüchtet. Doch schon am nächsten Tag steht sie mangels Nervenkitzel "da draußen" mit einem Einkaufswagen voller Essen wieder vor der Tür, was zu einer abstoßenden Orgie führt, bei der bis zum Erbrechen beziehungsweise bis zum Umfallen gefressen wird. Die Protagonisten suchen in maßlosen Ausschweifungen Erfüllung, finden sie aber selbstredend nicht - der Konsum lenkt sie lediglich davon ab, dass sie gefühlsmäßig eigentlich tot und allesamt absolut beziehungsunfähig sind.
Lediglich der junge Eric will mit dem Treiben der anderen nichts zu tun haben und schottet sich deswegen in seinem finsteren Zimmer und unter den Kopfhörern seiner Stereoanlage ab. Er ist auch der einzige, der sich noch ansatzweise für die Welt als solche interessiert und seine "Bildung" nicht bloß aus Nachmittagstalks bezieht. Aber auch Eric ist im Grunde unfähig eine normale Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen - kein Wunder bei den Verhältnissen unter denen er vor sich hin vegetiert, umgeben von zwei schwerst misogynen Versagern und einer jungen Frau, deren Lebensziel es zu sein scheint, sich von eben diesen beiden Idioten erniedrigen zu lassen.

In Szene gesetzt wird dies mittels schnell aneinandergestückelter Filmfetzen, die immer wieder von Interview-artigen Monologen der Darsteller sowie von recht drastischen Operationsbildern unterbrochen werden. Zudem werden manche Handlungen (vor allem die Pornodrehs) mit Hilfe von Puppen von den Protagonisten nachgespielt und einzelne Szenen werden bisweilen aus dem Kontext genommen und an anderer Stelle im Film eingefügt. Gerade in der ersten Hälfte des Films sorgen diese Stilkapriolen aber auch für einige kleinere Längen, ehe sich so etwas wie nachvollziehbares Geschehen etabliert. Man sieht also: Mit herkömmlichen Maßstäben lässt A HOLE IN MY HEART sich nicht messen. Es handelt sich hierbei definitiv nicht um einen Film, den man sich mal eben so ansieht, was aufgeschlossene Filmfreunde aber keineswegs abschrecken soll und auch bestimmt nicht abschrecken wird.

DVD.
An Extras beinhaltet die Verleih-DVD, auf der dieses Review fußt, lediglich einige Trailer - die Verkaufsversion soll aber über ein Making Of, eine "Moodyssons Master Class"-Featurette und ein Statement des Regisseurs als Bonusmaterial verfügen.








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