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KAPITELWAHL

PTU (Hong Kong 2003)

von Hasko Baumann

Original Titel. PTU
Laufzeit in Minuten. 87

Regie. JOHNNIE TO
Drehbuch. KIN YEE AU . NA-HOI YAU
Musik. CHI WING CHUNG
Kamera. SIU-KEUNG CHENG
Schnitt. WING-CHEONG LAW
Darsteller. SIMON YAM . SUET LAM . RUBY WONG . MAGGIE SIU u.a.

Review Datum. 2006-03-11
Erscheinungsdatum. 2006-05-11
Vertrieb. MC-ONE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . KANTONESISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
In PTU gibt es eine Sequenz, in der Sergeant Mike Ho (Simon Yam) mit einer Taschenlampe bewaffnet den vermeintlich leerstehenden Rohbau eines Hochhauses erkundet. Sein Team wartet auf der nächtlichen Straße, bis es einem nach dem anderen zu langweilig wird und sie ihm nach und nach die Treppe hinauf folgen. Von außen sieht das aus wie tanzende Irrlichter in der Dunkelheit. Johnnie To nimmt sich mehrere dialoglose Minuten Zeit, die Poesie dieser Szene sich entfalten zu lassen. Wie so oft entdeckt der Regisseur das Surreale im Realismus. Deswegen ist Johnnie To eine Klasse für sich.

PTU (= Police Tactical Unit) darf man als Zuschauer nicht als Thriller und schon gar nicht als Actionfilm begreifen. Oberflächlich gesehen sind zwar die Elemente vorhanden, aber To spielt sie nicht in der zu erwartenden Art und Weise aus. Die Handlung des Films erzählt, wie Sergeant Lo Sa (Lam Suet) seine Waffe beim Zusammenstoß mit einer Gang verliert, während der Gangster Ponytail sein Leben lassen muß. Mike Ho, für den der Zusammenhalt der Polizei untereinander noch wichtiger als die Gesetzestreue ist, beschließt, Lo Sas Waffe wiederzubeschaffen, bevor die Nacht vorbei ist. Ein beinahe menschenleeres Viertel in Tsimshatsui stellt den Schauplatz für die weitverzweigten Verwicklungen, die auf Polizei- wie auf Verbrecherseite von den verschiedensten Motiven getriebene Individuen miteinander verbinden.

Was Johnnie To hier seinen letzten Meisterwerken BREAKING NEWS und THROW DOWN folgen läßt, ist eine Studie, eigentlich sogar mehrere Studien. Er bildet polizeiliche Gewalt ab, indem er Simon Yam als Quasifaschisten ungebremst auf Verdächtige eindreschen läßt, und bildet Hos Einheit bei ihrer nächtlichen Patroullie wie bewaffnete Untote ab. Es ist ohnehin die Nacht, die To so fasziniert haben muß. Selten, vielleicht seit THE WARRIORS und ESCAPE FROM NEW YORK nicht mehr, sah die urbane Dunkelheit so beklemmend aus. Tos Inszenierung hat in allen Bereichen - Ausleuchtung, Kamerabewegung, Tempo - mittlerweile ein kaum noch zu übertreffendes Maß an Perfektion erreicht, die aber die Emotion über die technische Versiertheit nicht vergessen läßt.

Da ist eine Szene, in der eine Polizeieinheit um mehrere Autos mit eingeschmissenen Scheiben herumschleicht, während ein kleiner Junge mit dem Fahrrad an ihnen vorbeifährt. Diese Sequenz ist so grandios arrangiert, daß man sie sich wieder und wieder ansehen möchte. Daß es To in PTU gelingt, sein Gespür für absurden Humor wieder so lakonisch anzubringen, ist eine weitere seiner großen Leistungen.

Leider hat er dabei das Interesse an einem den Zuschauer involvierenden Spannungsbogen verloren. PTU ist zweifelsohne ein überaus sehenswerter Film, nur ist er auch ein überaus langsamer Film. Die zugrundeliegende Situation einer Suche auf Zeit transportiert sich nicht, so mitreißend sie auch sein könnte. Der Showdown ist angemessen träge. Daß To es schafft, diese düstere Geschichte mit einem Gefühl der Leichtigkeit abzuschließen, verdient jedoch Respekt. Grober Mißgriff: die insgesamt abscheuliche Musik.

Doch das ändert nichts. Johnnie To ist der Franzose unter den Genre-Filmemachern Hongkongs. Das ist ein Kompliment an diesen Meister, den zu preisen man noch lange nicht aufhören sollte.

DVD.
Bild toll, Ton gut, wobei ausgerechnet der deutsche Ton wesentlich mehr Druck hat. Die Synchro ist halbwegs okay, klingt aber so, als wäre hier ein Zeichentrickfilm synchronisiert worden. Dazu gibt es einen Sack voll Trailer und eine Slideshow (dieses Feature hat sich mir noch nie erschlossen) sowie, das ist das Beste, Interviews mit Johnnie To und Simon Yam.








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