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KAPITELWAHL

HALLELUJA ITALO-WESTERN-BOX (Italien 1971)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. HALLELUJA ITALO-WESTERN-BOX
Laufzeit in Minuten. diverse

Regie. GIULIANO CARNIMEO . LEÓN KLIMOVSKY
Drehbuch. diverse
Musik. STELVIO CIPRIANI . BRUNO NICOLAI . ALLESANDRO ALESSANDRONI
Kamera. STELVIO MASSI . ANTONIO MACCOPPI
Schnitt. diverse
Darsteller. GEORGE HILTON . CHARLES SOUTHWOOD . WILLIAM BERGER . GIANNI GARKO u.a.

Review Datum. 2006-02-02
Erscheinungsdatum. 2005-12-02
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ITALIENISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Koch Media hat mal wieder ein Bündel von drei Filmen unters darbende Volk geschmissen, dabei aber leider nicht unbedingt die beste Auswahl getroffen.

Den Anfang macht MAN NENNT MICH HALLELUJA von Giuliano Carnimeo:
Pistolero Hallelujah soll im Auftrag des mexikanischen Revolutionärs Ramirez einen Goldschatz des Kaisers von Mexiko klauen, der sich in einer Kutsche auf den Weg in die USA befindet. Eine Nonne und ein dubioser Russe haben ebenfalls starkes Interesse an den Klunkern.
Wenn der Held mit einer als Nähmaschine getarnten Maschinenpistole um sich ballert oder via Korkenzieher Notoperationen vornimmt, weiß man, dass man es hier mit Unfug der groben Sorte zu tun hat. Nichts gegen Humor im Western, nur hangelt sich Carnimeos Film etwas arg zusammenhangslos von einer - oftmals - grotesken Szene zur Nächsten und die Witze zünden auch nicht immer, was nicht nur an Rainer Brandt auf der deutschen Tonspur liegt. Das Ganze artet einfach zu oft in schlichte Albernheit aus, das Drehbuch wirkt, als ob man einfach eine Idee an die andere gereiht hätte. Dank der genannten Einfälle zwar zum Teil immer noch recht unterhaltsam, aber alles andere als wirklich gut.

Mit SANDO KID SPRICHT DAS LETZTE HALLELUJA geht's dann auch nicht wirklich besser weiter: Schönling Peter Lee Lawrence legt sich als Ranger mit einem verbrecherischen Nordstaaten-Offizier an, der den armen Einheimischen via Erpressung und Gewalt ihr Land abknöpfen will, um dort einen gewinnbringenden Bahnhof zu errichten.
Der Film ist solide inszeniert, aber erinnert durch eine sehr cleane Machart (Umgebung, Gesichter der Beteiligten…) eher an einen herkömmlichen US-Western. Des Weiteren spult auch die Geschichte überraschungslos ihr Programm ab, Humor hätte gerade hier gut reingepasst, aber man bleibt überwiegend ernst und da auch das Tempo nicht sonderlich hoch ist (wie beim ähnlichen SEIN WECHSELGELD IST BLEI), tritt schnell Langweile ein.

Der Höhepunkt und einzig wirklich gute Film der Box ist EIN HALLELUJA FÜR CAMPOSANTO. Die beiden irischen Milchbubis John und George McIntire kommen in den wilden Westen, um ihren Dad einen Besuch abzustatten. Dieser wird von einem Banditen und seiner Bande um Schutzgeld erpresst. Sein Nachwuchs sagt den Verbrechern den Kampf an, hat aber vom Schiessen keine Ahnung, weswegen sie vom geheimnisvollen Kopfgeldjäger Camposanto unter die Fittiche genommen werden. Doch als Camposantos alter Bekannter "Der Graf", ebenfalls ein Kopfgeldjäger, in die Stadt kommt, spitzt sich die Situation zu.

EIN HALLELUJAH FÜR CAMPOSANTO stammt ebenfalls von Gulianao Carnimeo, ist aber um einiges besser als MAN NENNT MICH HALLELUJA was am gut ausbalancierten Drehbuch von Spencer/Hill-Dauer-Regisseur Enzo Barboni liegt.
Der Film nimmt seine Hauptfiguren - in einem gewissen Rahmen - ernst, durchzieht aber die Handlung mit einer feinen Ironie, die sich nur selten in grobem Klamauk manifestiert. Lustvoll werden bekannte Western-Situationen ironisiert oder Gegensätze zwischen der neuen, zivilisierten Welt und dem archaischen wilden Westen ausgespielt. Ein Glückstreffer ist auch die äußerst spielfreudige Besetzung: Gianni Garko ist charismatisch und cool wie selten, darf aber - im Gegensatz z.B. zu den meisten SARTANA -Rollen- auch eine emotionale Seite zeigen, William Bergers "Der Graf" verströmt eine gewisse Arroganz, bleibt aber immer symphatisch und Chris Chittel und John Fordyce verkörpern die Brüder hinreißend naiv, doch willensstark. Ebenso in Form war Bruno Nicolai, der einen wahnsinnig guten Score abliefert, der sich sofort im Ohr festhakt.

DVD.
Bild & Ton sind ,wie bei Koch üblich, absolut zufriedenstellend, ebenso ist die im Packpapier-ähnlichen Outfit daherkommende Box wieder sehr hübsch anzuschauen.

Gut gelungen ist auch wieder die Zusammenstellung der Extras:
In einer exklusiv produzierten Kurzdoku erinnern sich Giuliano Carnimeo, George Hilton und Gianni Garko an die Dreharbeiten, für Nostalgie-Freunde gibt's die Super 8-Fassung von MAN NENNT MICH HALLELUJA, diverse Trailer sind natürlich auch an Bord und die obligatorische Bildergalerie mit Original-Werbematerial zu den Filmen darf auch nicht fehlen.
Dem Bündel liegt auch noch ein 32seitiges, filmwissenschaftliches angehauchtes Booklet zum Thema "Religion im Eurowesten" bei, was nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte und eine CD mit den Soundtracks der ersten beiden Titel, wobei natürlich ärgert, dass gerade der tolle Nicolai-Score fehlt.








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