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KAPITELWAHL

HOOLIGANS (USA 2005)

von René Kewitz

Original Titel. GREEN STREET HOOLIGANS
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. LEXI ALEXANDER
Drehbuch. DOUGIE BRIMSON . JOSH SHELOV . LEXI ALEXANDER
Musik. CHRISTOPHER FRANKE . RICKY HERNANDEZ
Kamera. ALEXANDER BUONO
Schnitt. PAUL TREJO
Darsteller. ELIJAH WOOD . CHARLIE HUNNAM . MARC WARREN . CLAIRE FORLANI u.a.

Review Datum. 2005-12-22
Erscheinungsdatum. 2005-12-01
Vertrieb. MC-ONE

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der junge Amerikaner Matt Buckner studiert Journalismus in Harvard. Nun, zumindest war das bis vor kurzem der Fall: Als Matt mehr oder minder freiwillig den Sündenbock für seinen reichen Zimmergenossen spielt, nachdem dieser mit einer nicht unerheblichen Menge Drogen erwischt wurde, folgt der Rauswurf auf dem Fuße. Um Abstand und ein paar neue Einsichten zu gewinnen, löst Matt ein Ticket für den nächsten Flieger, um Schwester Shannon im fernen London zu besuchen. Neben Shannons Mann Steve und dem gemeinsamen Nachwuchs lernt er dabei auch gleich dessen Bruder Pete kennen, der sich seiner an- und ihn, ja genau, zu einem Fußballspiel mitnimmt. Pete und seine Freunde stellen sich als eingeschworerer Haufen und Führungsköpfe der "Green Street Elite" heraus, der Hooligan-Vereinigung von Westham United. Mark wird schon seiner Herkunft wegen sehr reserviert aufgenommen, kann sich aber schon kurze Zeit später bei einem wilden Handgemenge mit der Gegenseite den Respekt der Briten verdienen. Sehr zum Mißfallen seiner Schwester erliegt er schnell der faszinierenden Mischung aus Gewalt und bedingungsloser Kameradschaft, zieht bei Pete ein und mit den Jungs durch die Pubs. Als das große Spiel gegen Erzfeind Millwall näher rückt, gerät der Konflikt zwischen den Fangruppen aufgrund alter Feindschaften allerdings zunehmend ausser Kontrolle, und die Tatsache, daß Mark in der Redaktion der London Times gesehen wird, sorgt bei den neuen Freunden auch nicht eben für Begeisterung...

Die in Deutschland geborene Regisseurin Lexi Alexander (interessanter Lebenslauf übrigens) beleuchtet mit GREEN STREET HOOLIGANS die Faszination der britischen Hooligan-Szene, der sich auch schon Nick Loves kontroverser THE FOOTBALL FACTORY widmete. Anders als Love, der bei seinem Film eine eher neutrale und dadurch letzten Endes auch ziemlich wertfreie Abbildung anstrebte, zieht Alexander ihr Werk aber als klassischen Spielfilm auf, der aber auch dessen Erzählmustern gehorcht, was nicht immer vorteilhaft ist. Wo FACTORY mit seinem beißenden Humor immer mal wieder Lacher provoziert und damit Gewicht verringert, ist dieser Film deutlich ernster; man spürt, daß es Alexander wichtig war, dem Zuschauer keinen Scheiß zu erzählen, ihren Film aber auch nicht zu cool wirken zu lassen (eine Sache, die mir bei Loves Film zugegebenermassen etwas Probleme bereitete). Als Außenstehender kann ich die Wirklichkeitsnähe des Ganzen zwar kaum einschätzen, auf mich wirkt die abgebildete Szene aber durchaus gut getroffen. Der Versuch, dem Zuschauer ein Bild abseits der gewohnten Fernseh- und Zeitungsberichte von dumpf um sich schlagenden Rowdies zu gewähren, ist im Großen und Ganzen also gelungen, auch wenn einige Szenen, die die Mitglieder der "GSE" im Alltag zeigen, vielleicht etwas selbstzweckhaft wirken mögen.

Stehen oder fallen tut das Ganze natürlich mit seinen Hauptdarstellern, und so lautet die Preisfrage: Schafft es Elijah Wood, das Ding zu stemmen? Ich sage ja. Wood ist zwar nach wie vor limitiert in seinen Möglichkeiten, vollzieht die Wandlung vom unsicheren Milchbubi zum charakterfesten jungen Mann aber recht glaubwürdig und darf im weiteren Verlauf auch mal richtig böse dreinschauen. Als echter casting coup erweist sich hier die Verpflichtung von Charlie Hunnam, der als Pete eine ganz erstaunliche Präsenz an den Tag legt, die beste Leistung des Films einreicht und Wood streckenweise schlichtweg in den Hintergrund drängt. Claire Forlani hingegen wird ein wenig verheizt und bleibt in ihrer viel zu eng gesteckten Rolle nur als optisches Highlight in Erinnerung. Am Rande erwähnt sei noch, daß viele Nebenrollen des Films - auch hier wieder Parallelen zu Loves Werk - mit echten Fußballfans aus der Nachbarschaft besetzt wurden, was der Authentizität einiger Szenen sicher nicht schadet.

Nach der starken ersten Hälfte gleitet der Film leider etwas in teils ärgerliche Stereotypisierung sowohl von Charakteren als auch Handlung ab; einige Figuren, vor allem die Millwall-Anhänger (die zugegebenermassen wirklich keinen guten Ruf geniessen), werden dem Zuschauer quasi als Buhmänner vorgesetzt, während die Hauptfiguren in einem strahlenderen Licht erscheinen, als für die Geschichte nötig. Da fehlt mir dann doch ein wenig Neutralität. Auch die Motivationen einiger Charaktere bleiben etwas schleierhaft: Mark etwa ist am Anfang des Films sicherlich nicht der Selbstbewussteste; daß er aber seine aufkeimende Journalistenkarriere "einfach so" für einen neureichen Schleimscheißer opfert, erscheint mir dann doch eher fraglich. In der letzten Viertelstunde gibt's dann auch noch ordentlich mit der Pathos-Keule auf's Haupt, was dem Film gar nicht gut tut; das (im Film) letzte Aufeinandertreffen der verfeindeten Fans liegt - auch, was die Bildästhetik angeht - reichlich neben der Spur und sorgt für Stirnrunzeln. Und: Viel zu aufdringlich soll einem in der letzten Sequenz die Botschaft von der unter allen Umständen anzustrebenden Selbstverwirklichung auf's Auge gedrückt werden, wenn Mark Monate später in der Heimat erneut auf seinen Ex-Zimmergenossen trifft und die Vergangenheit endgültig begräbt.

Kurzum: Die genannten Kritikpunkte trüben den Gesamteindruck unterm Strich spürbar, reichen jedoch nicht aus, um GREEN STREET HOOLIGANS eine generelle Empfehlung zu verwehren. Die sei hiermit ausgesprochen.

Abschließend möchte ich noch anfügen, daß die deutsche Synchronisation hier teilweise überhaupt nicht geht; vor allem bei der, sagen wir mal, dezent inhaltsverändernden Vertonung der Fangesänge haut's einem regelmäßig die Gurken aus dem Glas.

DVD.
Die erstklassig designten Menüs glänzen durch schlichte Funktionalität; alle Menüs sind animiert und mit Soundschnipseln aus dem Film unterlegt. Die Kapitelwahl kommt dabei mit nur zwei Seiten aus - eine schöne Abwechslung zum gewohnten Standard, bei dem man sich meist unnötigerweise durch zig Screens klicken muss. Punkten kann auch die Sprachauswahl, da man das komplette Setup auf einer Seite vornehmen und sich somit das nervige Umblättern zwischen Ton- und Untertiteleinstellungen sparen kann. An Bonusmaterial sind zwei Interviews mit den Hauptdarstellern Wood und Hunnam, eine Featurette und diverse Teaser/Trailer zum Film vorhanden. Abgerundet wird das Ganze durch eine Trailershow mit neun weiteren Kandidaten aus dem Katalog.

Unterm Strich eine exzellente Aufmachung, wie ich sie mir öfter wünschen würde. Volle Punktzahl.








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