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KAPITELWAHL

AUSLÄNDER RAUS! - SCHLINGENSIEFS CONTAINER (Österreich 2002)

von Stefan Mader

Original Titel. AUSLÄNDER RAUS! - SCHLINGENSIEFS CONTAINER
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. PAUL POET
Drehbuch. PAUL POET
Musik. diverse
Kamera. ROBERT WINKLER
Schnitt. OLIVER NEUMANN
Darsteller. CHRISTOPH SCHLINGENSIEF . CLAUDIA KALOFF . MATTHIAS LILIENTHAL . BURGHART SCHMIDT u.a.

Review Datum. 2005-08-28
Erscheinungsdatum. 2005-08-04
Vertrieb. MONITORPOP

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Im Februar 2000 kommt es in Österreich zum politischen Umbruch: Nach den Wahlen im vorangegangenen Herbst geht die konservative ÖVP eine Koalition mit der von vielen als rechtsextrem eingestuften FPÖ unter der Führung des Rechtspopulisten Jörg Haider ein. In der Folge kommt es nicht nur innerhalb des Landes zu Protesten und den sogenannten "Donnerstagsdemos" gegen diese Regierung, sondern auch die restlichen 14 Mitgliedsstaaten der EU verhängen ob der Regierungsbeteiligung der FPÖ Sanktionen über die Alpenrepublik.

Vier Monate später, im Juni 2000, veranstaltet Christoph Schlingensief im Zuge der Wiener Festwochen seine sechs Tage dauernde Aktion "Bitte liebt Österreich!", mit der er sowohl an der österreichischen Regierung, als auch am zu dieser Zeit gerade grassierenden Reality-TV-Fieber heftige Kritik übt:
Zwölf sich illegal im Land aufhaltende und deshalb auf ihre Abschiebung wartende Asylwerber beziehen in bester (?) BIG BROTHER-Manier einen Container neben der Oper. Ihr Aufenthalt im Container wird von etlichen Kameras mitgefilmt, wobei dies im Internet übertragen wird und jeden Tag können von der Öffentlichkeit "abgewählt" - sprich: vorzeitig abgeschoben - werden. Moderiert wird das Ganze von Schlingensief, der dabei bedenkliche Phrasen aus dem Wahlkampf der FPÖ zitiert, auf dem Dach des Containers ein riesiges Banner mit der Aufschrift "Ausländer raus!" enthüllt und vorgibt, die Aktion werde von Haiders Partei und der ebenfalls nicht gerade durch besondere Fremdenfreundlichkeit glänzenden Kronen Zeitung Hans Dichands (Österreichs kleinformatigem Pendant zur Bild) präsentiert.
Die Reaktion ist klar: Während andere Medien Schlingensief keine übermäßige Aufmerksamkeit zukommen lassen fühlt man sich beim Dichand-Blatt (mit einer Auflage von mehr als einer Million Kopien auf gut acht Millionen Einwohner die am weitesten verbreitete Tageszeitung weltweit!) ordentlich auf den Schlips getreten und stilisiert die vor Ort schon für Verwirrung sorgende Aktion zu einem nationalen Politikum hoch – von Verunglimpfung Österreichs ist ebenso die Rede wie von der Verschwendung von Steuergeldern. Ein Skandal par excellence!
Derart aufgeheizt ist die Stimmung am Container bald am Überkochen: Passanten die Schlingensiefs Inszenierung als persönlichen Angriff werten schreien lauthals, so mancher Ewiggestrige beschimpft den Aktionisten wüst oder fühlt sich (den Sinn des Ganzen verkennend) gar in seiner Meinung bestärkt und ein paar blauäugig agierende Aktivisten versuchen gar, die Asylanten zu "befreien".

In seiner Dokumentation über jene Geschehnisse im Juni 2000 arrangiert Regisseur Paul Poet nicht nur Originalaufnahmen der Aktion von inner- und außerhalb des Containers, sondern bezieht auch Fernsehberichte und Pressekonferenzen mit ein. Dazu lässt er in Interviews auch Medienforscher, Kulturphilosophen, Mitarbeiter des damaligen Teams, Politiker (darunter auch Helene Partik-Pablé – selbst aufgrund einiger Aussagen im Wahlkampf für die Wiener FPÖ unter Beschuss geraten) und natürlich Christoph Schlingensief zu Wort kommen.
Eines sollte jedoch bei allem berechtigten Kopfschütteln über die manchmal wirklich jenseitigen Reaktionen nicht vergessen werden: Als dem Geschehen damals Beiwohnender konnte man sich vor der Kamera wohl nur zum Horst machen, was die im Film recht intensiv festgehaltenen Auszucker und Übergriffe mancher Passanten natürlich nicht im Geringsten rechtfertigen soll.
Erfreulicherweise schafft Poet es aber auch, dem Zuseher dieses Dilemma hinsichtlich einer angemessenen Reaktion vor Augen zu halten, wodurch man nicht in Versuchung kommt, sich selbst moralisch über die gefilmten Passanten zu stellen. Man kann schließlich kaum mit Sicherheit sagen, wie man in solch einer Situation selbst reagieren würde.

DVD.
Das Bild kommt im Fernseh-Format und der Ton in Stereo, was insofern ein bisschen verwundert, als dass AUSLÄNDER RAUS! – SCHLINGENSIEFS CONTAINER scheinbar auch im Kino gelaufen ist. Da es sich hier um eine Dokumentation handelt fällt das aber nicht all zu sehr ins Gewicht, zumal das Bild scharf ist und auch die Tonqualität angesichts des Formats in Ordnung geht.
Die DVD kommt in einem Digipack im Pappschuber und weist deutsche und englische Untertitel auf, wobei erstere nur bei von Österreichern Gesprochenem aufscheinen. Das Bonusmaterial umfasst unter anderem eine eher entbehrliche Grußbotschaft Schlingensiefs und auf Texttafeln dargebotene Biographien des Aktionskünstlers und des Regisseurs. Die Erstauflage beinhaltet zudem Bastelbögen, mit denen sich Containerfans die Stätte der Aktion nachbauen können.








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