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KAPITELWAHL

AUSWEITUNG DER KAMPFZONE (Frankreich 2000)

von Stefan Mader

Original Titel. EXTENSION DU DOMAINE DE LA LUTTE
Laufzeit in Minuten. 115

Regie. PHILIPPE HAREL
Drehbuch. PHILIPPE HAREL . MICHEL HOUELLEBECQ
Musik. nicht bekannt
Kamera. GILLES HENRY
Schnitt. BÉNÉDICTE TEIGER
Darsteller. PHILIPPE BIANCO . PHILIPPE HAREL . JOSE GARCIA . CATHÉRINE MOUCHET u.a.

Review Datum. 2005-06-24
Erscheinungsdatum. 2004-07-20
Vertrieb. EPIX MEDIA AG

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . FRANZÖSISCH (DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der namenlose Held (Harel) in AUSWEITUNG DER KAMPFZONE ist depressiv. Sein ganzes Leben frustriert ihn, ödet ihn an und so philosophiert der an sich intelligente Mann Anfang/Mitte dreißig vor sich hin. So wie er die Sache sieht wird der Lauf der Welt von genau zwei Systemen bestimmt: Von der Jagd nach Geld und dem Verlangen nach Sex. Im ersteren Bereich liegt er an sich gut im Rennen, obwohl sein Job als Informatiker ihn grenzenlos frustriert. Was sein Liebesleben angeht sieht es jedoch bereits seit zwei Jahren mehr als trist aus, was seinen Hang zur gesellschaftlichen Schwarzmalerei massiv untermauert.
Kurz vor Weihnachten wird er von seinem Arbeitgeber auf Dienstreise aus Paris hinaus in die Provinz geschickt, wobei ihm ein Kollege namens Raphael Tisserand (Garcia) zur Seite gestellt wird. Dieser ist eine gewaltige Nervensäge, die jedem Kittel hinterhersabbert, dabei aber mindestens so erfolglos bleibt wie der namelose Held – was angesichts Tisserands nicht unbedingt subtilen Werbeverhaltens und seines geckenhaften Auftretens nicht sonderlich verwundert.
Als er sich während der Reise eine Herzbeutelentzündung zuzieht und sich zunächst schon im Sterben wähnt beschließt der Namenlose, keine Zeit mehr zu vergeuden und sein Leben zu nutzen. In seinem elitären Denken sich zunehmend dem Wahnsinn nähernd plant er, an den ihn verschmähenden Frauen Rache zu nehmen und schreckt dabei auch nicht davor zurück, sich dazu Tisserands als Werkzeug zu bedienen.

Philippe Harel fungiert bei AUSWEITUNG DER KAMPFZONE nicht nur als Regisseur und Co-Autor (dieses gemeinsam mit Michel Houellebeq, von dem die Romanvorlage stammt), sondern spielt auch die Hauptrolle und präsentiert dabei einen Mann, der mit den Anforderungen der vielzitierten "modernen Gesellschaft" nicht zurande kommt. Immer mehr in die totale Vereinsamung schlitternd – sein erzwungener Kontakt zu Tisserand auf der Dienstreise wirkt dem Gefühl der Isolation insofern nicht entgegen, als dass jener ihm sein eigenes Scheitern immer wieder plastisch vor Augen führt – kapselt er sich von der Welt ab und ergeht sich mitunter gar in gewalttätigen misogynen Phantasien. Dass Harel bei der Darstellung seiner Figur sehr stoisch agiert und das Mienenspiel auf ein Minimum reduziert unterstreicht die Gefühlsverarmung des "Helden" eindrucksvoll.
Vor allem zu Beginn des Films ist ein großer Teil der Neben- und Kleinstrollen recht eindimensional angelegt, was dem Zuschauer jedoch die Welt zu zeigen vermag, wie sie in der Perzeption des Helden aussieht: Oberflächlich und voll von Verrückten.
Zunächst trifft diese stereotype Darstellung auch auf Garcia als Tisserand zu, der den nervtötenden jerk zwar überzeichnet aber trotzdem glaubhaft gibt. Im Laufe Films, während der Weihnachtsfeier erhascht man jedoch einen Blick hinter die selbstdarstellerisch-affektierte Fassade Tisserands, der mich persönlich aufgrund der Ähnlichkeit von Situation und Schauplatz etwas an Paul Harathers Indien (1993) erinnert hat.

Stilistisch sei angemerkt, dass die Entscheidung, gleich zwei Erzähler aus dem Off zu verwenden, ungewöhnlich erscheint. Es sind dies der Held selbst, der seine Gedanken offenbart und ein außenstehender Erzähler, der das Geschehen demnach in der dritten Person kommentiert. Das mag zwar unorthodox wirken (und womöglich hätte es mit einem einzigen Kommentator ebenso funktioniert), doch auf jeden Fall bewahrt diese Herangehensweise den Film davor, in dialogfreien Szenen langweilig zu werden.
Zudem fällt die Verwendung ausgewaschen wirkender Farben auf, die nach meinem Empfinden manchmal einen leichten Grünstich aufweisen – alternativ dazu gibt es zuweilen auch antiquiert aussehendes Braun, welches eine ähnlich depressive Stimmung erzeugt. Wirklich kräftige Farben werden vornehmlich in Form von Tisserands Anzügen präsentiert und unterstreichen dabei primär dessen überkandidelte Erscheinung.

DVD.
Das Bild wirkt manchmal etwas subopitmal, was aber durchaus auch auf die triste Farbgebung zurückzuführen sein kann. Abgesehen davon dass ein 5.1-Mix nicht nur für die französische, sondern auch für die deutsche Tonspur nett gewesen wäre ist der Ton in Ordnung.
Ein jederzeit zuschaltbarer Audiokommentar mit ausblendbaren Untertiteln als nennenswertes Bonusmaterial rundet die Scheibe ab.








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