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KAPITELWAHL

EVIL (Schweden 2003)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. ONDSKAN
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. MIKAEL HAFSTRÖM
Drehbuch. JAN GUILLOU . HANS GUNNARSSON . MIKAEL HAFSTRÖM
Musik. FRANCIS SHAW
Kamera. PETER MOKROSINSKI
Schnitt. DAREK HODOR
Darsteller. ANDREAS WILSON . HENRIK LUNDSTRÖM . GUSTAV SCARSGARD . LDA ZILLIACUS u.a.

Review Datum. 2005-05-09
Erscheinungsdatum. 2005-05-12
Vertrieb. E-M-S

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wir befinden uns im Stockholm der 50er Jahre: Erik Ponti ist ein 16jähriger Junge, der von seinem sadistischen Stiefvater beim geringsten Anlass gedemütigt und geschlagen wird. Die Mutter schaut bei all dem weg. Die dadurch aufgestaute Aggression lässt das ziemlich kräftige Bürschlein an seine Mitschüler aus, was aber wiederum seiner schulischen Laufbahn nur wenig zuträglich ist.

Mit den Worten "Das Einzige, was Du brauchst ist, eine Tracht Prügel, aber eine tüchtige" schmeißt ihn der pädagogisch nicht gerade einfühlsame Rektor von der Schule. Erik hat nur noch eine Chance, sein Abitur doch noch zu kriegen: Das Elite-Internet Stjärnsberg.

Von nun an will er nicht mehr prügeln, um seine Zukunft nicht zu gefährden, doch es wird ihm nicht leicht gemacht. Gleich am ersten Abend wird deutlich, wie in Stjärnsberg für Zucht und Ordnung gesorgt wird. Die Oberstufenschüler und Ratsmitglieder, besonders Präfekt Otto Silverhielm und Freund Dahlén, bestrafen und schikanieren die Schüler der unteren Stufe mit offensichtlichem Spaß an der Freude, die Lehrkörper schauen weg.
Wer sich weigert, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, wird mit Wochenendarrest bestraft. Wer zurückschlägt, fliegt. Eriks einziger Freund ist der unsportliche, dafür aber intelligente Pierre, der ihm zum passiven Widerstand à la Ghandi rät.

Erik reißt sich am Riemen und gibt seinen Widersachern auf diese Art und Weise zu verstehen, dass sie bei ihm auf Granit beißen. Geduldig erträgt der körperlich weit überlegene Junge die Quälereien seiner Widersacher. Als diese aber merken, dass sie bei ihm nicht weiterkommen, ändern sie ihre Zielrichtung und knüpfen sich den nicht ganz so zähen Pierre vor. Als auch noch Maja, eine Angestellte des Internats und Eriks Geliebte, durch eine Intrige von Otto und Dahlin ihren dringend benötigten Job verliert, wird es Zeit zu handeln...

EVIL basiert auf der Autobiographie des schwedischen Besteller-Autoren Jan Guillou. Der Film war in Skandinavien einer der größten Kinoerfolge der letzten Jahrzehnte und wurde 2004 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Regisseur Hafström gelang mit diesem Film der internationale Durchbruch, und die nächsten zwei Projekte dürfen unter der Obhut von Miramax realisiert werden, was kommerziell sicherlich lohnenswert ist, aber aus künstlerischer Sicht eher Bedenken aufwirft.

EVIL ist ein von der ersten bis zur letzten Minute packendes Drama, welches durch eine philosophisch angehauchte Geschichte besticht und nebenbei auch äußerst gekonnt die Strukturen des Faschismus durchleuchtet. Ohne die Moral-Keule zu schwingen, macht der Film deutlich, dass jeder Mensch in seinen Verhaltensformen und im Denken von seiner Umwelt geprägt ist und auch jeder Mensch die Möglichkeit hat, diese Prägungen zu durchbrechen. Doch auch die Anwendung von Gewalt wird hinterfragt: Ist es wirklich immer gut, schweigsam zu dulden? Ab wann darf zurückgeschlagen werden bzw. darf überhaupt zurückgeschlagen werden? Soll Gleiches mit Gleichem vergolten werden? Oder sollte man sich vielleicht auch nach anderen Lösungen umsehen? Vor allem im Rahmen eines Systems sind diese Fragen essentiell und auch der Film gibt natürlich nicht die endgültige Antwort, aber ein paar durchaus überdenkenswerte Ansätze.

Auf filmischer Ebene ist alles vom Feinsten: Die Kameraführung ist überwiegend ruhig, wenig aufdringlich und wird nur in wenigen Szenen pointiert eingesetzt. Musikalisch herrscht oft Stille, aber wenn Musik eingesetzt wird, dann sehr effektiv, so setzt sich z.B. in den Szenen, als Erik vom Stiefvater gedemütigt wird, die Mutter, die ihrem Ehemann einfach nichts entgegenzusetzen hat, ans Klavier und schmettert Klassisches in die Tasten, was unheimlich gänsehautreibend ist.
An der Schauspiel-Front gibt der damals 22jährige Andreas Wilson (in seinem Debüt-Auftritt) Erik eine Präsenz, die zu Recht mit den jungen Dean oder Brando verglichen wird. EVIL ist ein großartiges, niveauvolles Stück Film, welches unbedingt gesehen werden sollte.

DVD.
Zur DVD kann leider nichts gesagt werden, da nur die Presseversion vorlag. Allerdings steht zum Verkaufsstart eine dick ausgestattet Doppel-DVD in den Regalen, die sich sicher lohnen wird.








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