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KAPITELWAHL

BRUTALE STADT (Italien/Frankreich 1970)

von Hasko Baumann

Original Titel. CITTÀ VIOLENTA
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. SERGIO SOLLIMA
Drehbuch. SAURO SCAVOLINI . SERGIO SOLLIMA . LINA WERTMÜLLER
Musik. ENNIO MORRICONE
Kamera. ALDO TONTI
Schnitt. NINO BARAGLI
Darsteller. CHARLES BRONSON . JILL IRELAND . TELLY SAVALAS . MICHEL CONSTANTIN u.a.

Review Datum. 2005-04-22
Erscheinungsdatum. 2005-03-31
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Manchmal gerät ob Charles Bronsons eher dumpfer Vergewaltigerhatz in den 80ern in Vergessenheit, was für saucoole Auftritte der geschätzte Mime in den 70ern hingelegt hat - und zwar nicht wenige. Anfang des Jahrzehnts war Bronson der populärste Filmstar in Europa, was durchaus zu Verwunderung in seiner Heimat führte, etwa bei Kritikerpapst Roger Ebert, der sich 1973 - als BRUTALE STADT unter dem Titel THE FAMILY in den USA erschien - darüber ausließ, daß Charlie vermutlich so erfolgreich in Europa sei, weil er aufgrund seiner Schweigsamkeit eine unaufwendige Synchronisierung garantiere. Die sagenhafte Ausstrahlung Bronsons, die einen echten Filmstar ausmacht, hat der Nörgler Roger wohl nicht anerkennen wollen.

An der mitunter sehr melancholischen Story von BRUTALE STADT haben nicht wenige Köche gerührt, unter anderem Lina Wertmüller! Wieder einmal ist Bronson als Profikiller zu sehen - dieses Mal allerdings schlägt sich die Menschlichkeit Bahn, denn die Tötungsmaschine Jeff liebt die schöne Vanessa. Obwohl er sich sicher sein muß, von ihr hintergangen worden zu sein, kommt er einfach nicht von ihr los, auch nicht, als sie sich mit Supergangster Weber (entzückend: Telly Savalas) einläßt. Diese Menage à Trois fängt Sollima in wunderbaren Breitwandbildern ein, in denen er - ob Close-Up oder Totale - immer den maximalen Effekt erzielt. Geredet wird tatsächlich nicht viel in BRUTALE STADT, was von Vorteil ist, gibt der Film doch damit Raum für Ennio Morricone in Bestform. Sei es das unvergeßliche Titelthema, das auch Mike Patton zum Covern anhielt, sei es das supercoole Discomotiv, das David Holmes für OCEAN'S TWELVE schamlos (aber gut) kopierte, oder die schrägen Dissonanzen, die aus liebreizenden Flashbacks (Jeff und Vanessa turteln am Strand) Vorboten des Todes machen.

Bronson und Savalas (der sich später in SENZA RAGIONE und besonders HORROR EXPRESS auf Höchstgeschwindigkeit schrauben sollte) sind pures Charisma, aber es ist ausgerechnet Jill Ireland, die den Zauber in diesen Film bringt: Als schöne Vanessa hält sie beständig die Spannung, ob es sich bei ihr nun um ein eiskaltes Biest oder ein verlorenes Herzchen handelt. Der Schluß ist in seinem Sadismus dann einer, wie wir ihn beim europäischen Genrekino lieben gelernt haben.

DVD.
Was Koch uns hier kredenzt, macht feuchte Augen - leider aus verschiedensten Gründen. Cover und Gestaltung sind herrlich. Die DVD findet sich in einem schönen Schuber in aufklappbarer Hülle mit 4seitigem Booklet. Und so geht es weiter: Das Bild ist sensationell. Frei von Verschmutzungen erstrahlt der Film in schönsten Farben und präsentiert sich im ursprünglichen Format. Der deutsche Ton (eine schön knackige alte Synchro mit Top-Sprechern) ist eine feine Sache, der englische ist allerdings etwas schwachbrüstig und entsetzt mit einem erheblichen Fehler: Zeitweise springt er in die deutsche Spur - ein Fehler, der sich hoffentlich auf einen Teil der Auflage beschränkt. Außerdem ist die vorliegende 16er-Version angeblich geschnitten, wobei mir ehrlich gesagt nichts aufgefallen ist und ich auch nichts vermisse. Das wäre auch von einer gewissen Ironie, denn bei den Extras findet sich ein exklusiv produziertes Interview mit Sollima, in dem er sich über die Kürzungen von Filmen echauffiert. Dieses deutsch untertitelte Special (29 Min.) ist liebevoll gemacht (Statements werden bebildert, auch wenn es mal nicht um BRUTALE STADT geht) und sehr interessant und betrauert auch Bronson und Ireland in angemessener Form. Weiterhin gibt es einen langen deutschen und noch längeren englischen Trailer sowie eine wunderbare selbstlaufende Bildergalerie mit den verschiedenen internationalen Artworks und diversen Fotos. Alle Features nutzen die Musik Morricones, und zwar in Aufnahmequalität und nicht direkt aus dem Film, wie es gewisse andere Firmen handhaben. Eine weitere Koch-Veröffentlichung, die die Liebe zum Film atmet und sich in ungeschnittener Form als vorbildlich darstellen würde.








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