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KAPITELWAHL

THE TORTURE ZONE (USA/Mexiko 1968)

von Hasko Baumann

Original Titel. THE FEAR CHAMBER
Laufzeit in Minuten. 80

Regie. JUAN IBÁNEZ . JACK HILL
Drehbuch. JACK HILL . LUIS ENRIQUE VERGARA
Musik. ENRICO C. CABIATI
Kamera. RAUL DÓMÍNGUEZ
Schnitt. FELIPE MARINO
Darsteller. BORIS KARLOFF . YERYE BEIRUTE . SANDRA CHÁVEZ . CARLOS EAST u.a.

Review Datum. 2005-02-23
Erscheinungsdatum. 2004-08-09
Vertrieb. CMV LASERVISION

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der große Boris Karloff hätte wunderbar abtreten können mit Peter Bogdanovichs TARGETS, dem schönsten Abgesang, den man sich vorstellen kann. Stattdessen hat irgendein unmoralischer Filmmogul der Klasse F den alten Mann überredet, für sage und schreibe vier No Budget-Produktionen aus Mexiko die faltige Rübe hinzuhalten. Die Szenen mit Boris hat dann der liebe Fetzmeister Jack Hill in Los Angeles runtergekurbelt, während der Rest für dreifuffzich in Mexiko entstand. TORTURE ZONE ist der letzte dieses Quartetts und schlicht und einfach unglaublich.

Der Film beginnt mit zwei Gestalten in Raumanzügen, die durch ein überschaubares Areal von roten Pappfelsen wanken. Über ein handelsübliches Telefon hält Dr. Mantel (Karloff) Kontakt zu den beiden, bei denen es sich um seine Tochter und ihren Freund handelt. Die zwei vermeintlichen Forscher finden was: Ein (außerirdisches?) Tentakelwesen, über das sich Mantel wie Bolle freut. Das reicht dann wohl erst einmal, denn als Nächstes springen wir in ein Zimmer im Frauenhaus, in dem sich ein junges Ding auszieht. Danach platzt die Flittergranate: Kaum liegt sie im Bett, öffnet sich ein Universum des Schreckens oder aber der LSD-Trip einer Kellerassel: Ein Zwerg (gehört in jede Traumsequenz), ein Typ mit Turban und einige Krabbelviecher jagen die Bemitleidenswerte durch ein psychedelisch aufgehelltes Kerkerlabyrinth. Da wird sie auf heißen Kohlen geröstet, und zwar unter Anleitung von Dr. Mantel, der in eine schicke Kutte gewandet blökt "Du wirst für Deine Sünden bezahlen!" Das dann aber doch lieber in einem Labor, in dem Menschen irgendwelche Substanzen entzogen werden.

Warum auch nicht? Aber warum eigentlich? Mantel füttert offensichtlich das Tentakelviech, obwohl die gefangenen Mädels fast draufgehen (wieso werden die eigentlich erst geröstet?!). Das findet die Tochter geil, wird aber von Mantel gerügt und sagt "Ich hab's nicht so gemeint." Wird Zeit für Urlaub, also erstmal weg mit Mantel und seinen Kindern. Die voyeuristisch veranlagte Assistentin Helga übernimmt das Ruder und beschließt, mit dem arg gestörten Helfer Roland ("I am king of the world", proklamiert dieser in weiser Voraussicht auf TITANIC) das Tentakelwesen mit ganzen Körpern zu füttern. Das soll aber auch Spaß machen, also muß Opfer Nr. 1 einen dreiminütigen (lauwarmen) Strip hinlegen, und Opfer Nr. 2 wird zünftig ausgepeitscht und dann - Fulci läßt grüßen bzw. wird gegrüßt - ins Auge gebohrt. Dem bunten Treiben muß Mantel selber ein Ende setzen, alles (naja, zumindest ein paar Ecken) geht in Flammen auf, und Roland rennt durch die roten Pappfelsen und ruft "I am king of the world".

"Durchgeknallt" reicht nicht aus, um diese psychotronische Blendgranate zu beschreiben. Karloff, der sich wahrscheinlich in regelmäßigem Rhythmus in der Kiste dreht, sieht schon sehr krank aus in seinen Szenen, was nicht wirklich angenehm anzuschauen ist - er war zu diesem Zeitpunkt schon auf den Rollstuhl angewiesen. Ansonsten ist dies ein ebenso befremdliches wie amüsantes Kuddelmuddel, das weder besonders sexy noch besonders eklig, sondern nur auf beste Weise bescheuert ist.

DVD.
CMV Laservision bietet den Film erstmalig ungeschnitten an und präsentiert die Bombe in knallbunten Farben und erstaunlicher Bildqualität, wenn auch nur in 4:3. Der Ton liegt leider nur auf Deutsch vor, so daß man auf Karloffs Organ verzichten muß. Die Synchro ist albern, war aber in der englischen Fassung noch viel mieser. Die Extras: Der tatsächliche Vorspann der mexikanischen Version macht schon mal schwitzige Hände, denn hier gibt's eine flinke Collage aus Gepeitsche etc. Dieses Mal darf aber statt Helga der Turbanträger ran. Außerdem ein Kleinod, das sich verschämt "Bildergalerie" nennt und eine wunderbare Collage der 1000 Gesichter Boris Karloffs bietet. Sehr schön. Noch dabei die Trailer zu zwei anderen Heulern aus der mexikanischen Schaffensphase des Mimen und für ein paar andere Kracher des Verleihers, etwa einen absurd komischen Hinweis auf 3D-Achterbahnfilmchen. Paßt irgendwie alles zum Hauptfilm. Für Trashgourmets ist diese Scheibe Pflichtprogramm.








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