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KAPITELWAHL

SISTERS (USA 1973)

von Hasko Baumann

Original Titel. SISTERS
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. BRIAN DE PALMA
Drehbuch. BRIAN DE PALMA . LOUSIA ROSE
Musik. BERNARD HERRMANN
Kamera. GREGORY SANDOR
Schnitt. PAUL HIRSCH
Darsteller. MARGOT KIDDER . JENNIFER SALT . WILLIAM FINLEY . BARNARD HUGHES u.a.

Review Datum. 2005-02-18
Erscheinungsdatum. 2005-02-17
Vertrieb. EPIX MEDIA AG

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
SISTERS ist Brian De Palmas erste Reise in die Sphären Alfred Hitchcocks und bis heute einer seiner eindrucksvollsten und gelungensten Filme. Wie kein Zweiter macht er sich die Klaviatur des Altmeisters zu eigen und setzt sich mit der Verpflichtung von Komponist Bernard Herrmann auch mutig dem direkten Vergleich aus. Es ist die beunruhigende Musik Herrmanns, dieses großen, ersten modernen Filmmusikers, die uns perfekt auf die Ereignisse einstimmt, zusammen mit diesen irritierenden Bildern von Embryos...

Streng genommen passiert aber erst einmal eine ganze Weile gar nichts. Die Eröffnungssequenz ist schon die erste falsche Fährte, sie entpuppt sich als Teil der TV-Show "Peeping Tom". Die Teilnehmer, ein Model und ein Zeitungsmann, sind sich sympathisch und beschließen, miteinander auszugehen. In der Hoffnung auf eine heiße Nacht begleitet er sie nach Hause, aber sie werden gestört von einem merkwürdigen Fremden, offensichtlichem ihrem Ex-Mann. Man landet aber doch noch fröhlich in der Kiste. Danielle, das Model, hat auch noch Probleme mit ihrer siamesischen Zwillingsschwester, die offenbar keineswegs so lieb ist wie sie. Wie auch immer: Am nächsten Morgen wird einer der Beteiligten bestialisch abgestochen. Die Perspektive wechselt zu einer jungen Reporterin, die den Mord gesehen zu haben meint, aber bei der Polizei keinen Glauben findet.

Brian De Palma hält die Spannung bis zum Mord auf meisterhafte Weise, indem er uns das Gefühl gibt, in jedem Augenblick könnte etwas Grausames geschehen. Für etwa eine halbe Stunde schürt er ein beständiges Gefühl der Beunruhigung, bis die schockierend blutrünstige Gewalt in dem Moment losbricht, in dem man sie fast nicht mehr erwartet. Er greift Hitchcocks Stilmittel von PSYCHO auf, indem er unseren Blick immer wieder auf vermeintlich wichtige Details lenkt, und übernimmt den Kniff, überraschend die Erzählperspektive zu verlagern. In der Mutter der Reporterin findet sich ein ähnlich humoristischer Charakter wie etwa bei NORTH BY NORTHWEST, der Voyeurismus erinnert an REAR WINDOW und die versteckte Leiche an ROPE.

Wie später in DRESSED TO KILL überspitzt De Palma aber die Themen Hitchcocks und wird expliziter in der Darstellung von Sex und Gewalt. Das Gefühl des Unwohlseins, des Befremdlichen wird in einer Stärke ausgespielt wie von Hitchcock fast nur in PSYCHO. Die Auflösung, auf die De Palmas zwischenzeitlich dann doch recht naturalistischer Krimi hinsteuert, ist ein Spektakel des Wahnsinns, erzählt in schwarzweißen Bildern des schieren Schreckens. Wie in vielen seiner besten Arbeiten wirkt SISTERS auf den Betrachter, als würde er sich die Alpträume eines anderen Menschen ansehen.

Es gibt noch eine Fußnote der Filmgeschichte, die im Zusammenhang SISTERS beinahe gespenstisch ist: Die zwei hervorragenden Hauptdarstellerinnen, Margot Kidder und Jennifer Salt, wohnten in den beginnenden 70ern zusammen und empfingen auf ihren Parties damals noch unbekannte Leute wie Paul Schrader, Martin Scorsese und Brian De Palma. De Palma schenkte den beiden jungen, aufstrebenden Schauspielerinnen das Drehbuch zu SISTERS zu Weihnachten. Margot Kidder, die auch mal mit John Heard und Philippe de Broca verheiratet war, wurde viele Jahre später weltberühmt als Lois Lane in den SUPERMAN-Filmen. 1990 hatte sie einen Autounfall, konnte zwei Jahre nicht arbeiten und endete bankrott. 1996 wollte sie ihre Biographie schreiben, aber ihr Rechner fing sich einen Virus ein und zerstörte ihre Daten. Kidder, die schon als Kind unter manisch depressiven Anfällen litt, verlor den Verstand. Sie wurde paranoid und fantasierte, ihr erster Mann Thomas McGuane wolle sie umbringen. Sie änderte ihr Aussehen - sogar ihr Gebiß -, verließ ihr Zuhause und täuschte ihren Tod vor. Als Obdachlose lebte sie auf den Straßen von Los Angeles, wurde beinahe vergewaltigt und schließlich von einer Familie vor ihrer Haustür unweit der SUPERMAN-Studios gefunden. Margot Kidder hat sich erholt, konnte sich von den Symptomen ihrer Krankheit befreien und ist heute wieder eine vielbeschäftigte Schauspielerin.

DVD.
Das Bild und auch der Ton sind sehr gut ausgefallen. In schwarzen Flächen macht sich ein wenig Rauschen bemerkbar, aber für einen Film dieses Alters und Produktionsvolumens wurde Hervorragendes erreicht. Gerade Brian De Palmas Filme mit ihrer durchdachten Bildsprache haben unter den abscheulichen Pan/Scan-Versionen gelitten, hier hingegen liegt die ganze Pracht vor. Trauriges Manko ist die Tatsache, daß man die deutschen Untertitel nicht ausblenden kann, so daß die Originalversion nicht hundertprozentig genießbar ist. Warum wird überhaupt so verfahren? Das Menü ist zwar mit dem Messereffekt sehr ansprechend gemacht, zeigt aber im Bild bereits die Mordszene, was sich für jemand, den den Film noch nicht kennt, als Schlag vor den Latz darstellt. Außerdem mag man sich kaum im Menü aufhalten, so sehr schreit es nach Terror.

Die Extras beschränken sich auf alternative Artworks - eines meiner Lieblings-DVD-Features, hier leider nur auf vier Beispiele reduziert - und Infos auf Texttafeln. Diese beschäftigen sich mit Brian De Palma, Bernard Herrmann und SISTERS im Detail und wissen durch Detailreichtum zu gefallen.

Für Fans des Regisseurs, Freunde des grausamen Psychothrills und für Filmwissenschaftler eine unverzichtbare Anschaffung!








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