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GEDRUCKTES IST TOT

DER NATIONALSOZIALISMUS IM FILM: VON TRIUMPH DES WILLENS BIS INGLOURIOUS BASTERDS (2012, 1. Auflage)
von Benjamin Hahn

Original Titel. DER NATIONALSOZIALISMUS IM FILM: VON TRIUMPH DES WILLENS BIS INGLOURIOUS BASTERDS
Seiten. 560

Autor. SONJA M. SCHULTZ

Review Datum. 2013-02-03
Erscheinungsdatum Deutschland. 2012-05-01
Verlag. BERTZ + FISCHER

Erscheinungsformat. BROSCHIERT
Sprache. DEUTSCH

Sonja M. Schultz. Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken, denn die Dame dürfte mit ihrer nun bei Bertz + Fischer erschienenen Dissertationsschrift eine Koryphäe der deutschen Filmwissenschaft werden. Und das vollkommen zu recht, denn mit DER NATIONALSOZIALISMUS IM FILM: VON TRIUMPH DES WILLENS BIS INLGOURIOUS BASTERDS legt Schultz nichts Geringeres vor als das neue Standardwerk für die Beschäftigung mit dem Nazi-Regime im Film.

Interessant ist dabei ihr Ansatz, sich nur bedingt mit der Ästhetik und Bildpolitik des NS-Kinos zu beschäftigen, sondern sich stattdessen verstärkt an der Aufarbeitung der NS-Verbrechen im Kino nach 1945 abzuarbeiten. Ihren Blick lässt sie dabei durch ganz Europa und die USA streifen, stellt westliche Aufarbeitungsstrategien dem Ostblock gegenüber und lässt auch nicht die gesamte Bandbreite an Motivationen für Filme über das Nazi-Regime außer Acht, die von einer klaren politischen Absicht hin zum reinen Schauwertkino reicht. Trotz der Fülle an Themen, die Schultz anspricht und der enormen Liste an Filmen aus den verschiedenen Jahrzehnten, die sie kurz behandelt, liegt der Fokus auf den (mehrheitlich deutschen) Filmen ab Ende der 1990er.

Dass Schultz dieser Phase viel Aufmerksamkeit schenkt, ist dabei nicht allein dem Trend des deutschen Films geschuldet, mit Filmen wie COMEDIAN HARMONISTS, 1997 die heitere Seite der 1930er zu zeigen oder sich im Mainstreamkino eines UNTERGANGs, 2004 mit der Person Hitler zu beschäftigen, sondern vor allem dem Aufstieg des Zeitzeugen, der in Jahrzehnten zuvor in der historischen Beschäftigung mit dem Holocaust kaum eine Rolle gespielt hatte, aber seit den späten 1990er-Jahren allgegenwärtig wurde. Eng verknüpft war damit - und auch darauf geht Schultz kurz ein - auch die Aufarbeitung der Traumata der Kindergeneration, die sich ihr Leben lang mit der Schuld ihrer Väter und Mütter hatte auseinandersetzen müssen, dies zunächst bis auf wenige Ausnahmen wie Thomas Harlan (WUNDKANAL, 1984) eher still für sich getan hatte, aber im Zuge der Emotionalisierung und Subjektivierung des Holocausts nun auch öffentlich Stellung bezog (siehe z.B. Malte Ludins 2 ODER 3 DINGE, DIE ICH VON IHM WEISS, 2005).

Dass sich Sonja M. Schultz mit all diesen Themen seriös und kritisch auseinandersetzt, ist ihr hoch anzurechnen und dieser Eindruck wird auch nicht dadurch geschmälert, dass angesichts der Fülle von Themen und Exkursen für wirklich detaillierte Einzelanalysen kaum Platz mehr bleibt. Denn das reich bebilderte Buch, das mit seinen zweispaltigen, 506 Textseiten ein regelrechter Brocken ist, an dem man sehr lange zu lesen hat, ist enorm informativ, dicht und spannend geschrieben. Es ist der große Verdienst von Frau Schultz, dass sich ihre Sprache durch eine Schnörkellosigkeit auszeichnet, die komplexe Zusammenhänge in wenigen Sätzen verständlich ausdrücken kann und der es gerade deshalb gelingt, trotz der unfassbaren Summe an Informationen nie den Eindruck einer Oberflächlichkeit aufkommen zu lassen.

Ein ganz, ganz großes Buch!


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