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GEDRUCKTES IST TOT

KINOPATHOS - GROSSE GEFÜHLE IM GEGENWARTSFILM (2009, 1. Auflage)
von André Becker

Original Titel. KINOPATHOS - GROSSE GEFÜHLE IM GEGENWARTSFILM
Seiten. 192

Autor. CHRISTIAN SCHMITT

Review Datum. 2015-01-29
Erscheinungsdatum Deutschland. 2009-11-13
Verlag. BERTZ + FISCHER

Erscheinungsformat. BROSCHIERT
Sprache. DEUTSCH

Die im Verlag Bertz + Fischer in der Reihe Deep Focus veröffentlichte Studie KINOPATHOS - GROSSE GEFÜHLE IM GEGENWARTSFILM ist die überarbeitete Fassung der Dissertation von Christian Schmitt. Pathos hat für den Autor Hochkonjunktur im 21. Jahrhundert. Dies bezieht sich nicht nur auf den Politikbereich oder die Literatur, sondern ebenfalls auf das Kino als Raum und Mittel pathetischer Funktionsweisen. Aber durch welche Mechanismen und Stilmittel zeigen und manifestieren sich filmische Pathosformen? Welche Wirkungsdimensionen können identifiziert werden und welche intendierten Ziele werden dadurch sichtbar? Auf fast 200 Seiten untersucht Schmitt die Frage wie sich spezifische Ausdrucksformen von Pathoskonzepten im zeitgenössischen Kino artikulieren und welche Bedeutungsebenen dadurch generiert werden.

Schmitt beginnt recht allgemein indem er zunächst aufschlüsselt welche Implikationen den Pathos-Begriff auszeichnen. Oder anders ausgedrückt: Was ist Pathos eigentlich? Der Autor macht sich bei der Beantwortung dieser Fragestellung insbesondere die Überlegungen antiker Rhetoriker zunutze. Schmitt erläutert diesbezüglich sehr eingehend und unter Verwendung zahlreicher Beispiele wie eine rhetorische Generierung von Pathos vollzogen werden kann.

In diesem ersten von insgesamt neun Kapiteln lässt KINOPATHOS - GROSSE GEFÜHLE IM GEGENWARTSFILM bereits erahnen, dass der Autor seine Thesen und inhaltlichen Schwerpunkte äußerst ausführlich aufschlüsselt und mitunter auch ein wenig trocken aufbereitet. Und dennoch lohnt die weitere Lektüre durchaus. In jedem Kapitel wird anhand ausgewählter Filmszenen weiter konkretisiert wie filmische Pathetik funktioniert und in welchen Abstufungen diese identifiziert werden kann. Schmitt widmet sich in diesem Zusammenhang sowohl Filmsequenzen aus dem zeitgenössischen Mainstream-Kino (z.B. aus Werken wie PEARL HARBOR, TITANIC, KILL BILL, oder THE ENGLISH PATIENT), als auch Filmszenen aus dem Umfeld des klassischen Programmkinos (z.B. BREAKING THE WAVES, THE NEW WORLD).

Im dritten Kapitel beleuchtet Schmitt schließlich welchen Einfluss die besonderen Merkmale des Mediums Film auf die Artikulation und dementsprechend auch Konnotation von Pathos haben. Die spezifische Rolle der Musik im Film wird dabei mit Beispiel-Szenen aus dem frühen Tom Tykwer Film HEAVEN erörtert. KINOPATHOS - GROSSE GEFÜHLE IM GEGENWARTSFILM zeigt hier auf, wie Filmbilder durch eine wirksame akustische Untermalung zusätzlich an Bedeutung gewinnen und weiter pathetisch aufgeladen werden.

In den übrigen Kapiteln nimmt der Autor die weiteren Bedeutungsebenen filmischer Pathetik in den Blick. Besonders lesenswert, weil sehr anschaulich formuliert, ist das vierte Kapitel, dass eruiert wie mit pathetischen Kino-Bildern auf spektakuläre Weise ideologische Bezüge geschaffen und gefestigt werden. Positiv hervorzuheben ist, dass Schmitts Analyse ebenfalls genre-übergreifend angelegt ist. So wird im Kapitel 7. das Melodram als Genre am Beispiel des Musicals DANCER IN THE DARK genauer unter die Lupe genommen.

Im abschließenden Kapitel fasst Schmitt viele Erkenntnisse der vorherigen Abschnitte noch einmal zusammen, was die Ziele und Einsichten der Studie auf den letzten Metern ein wenig greifbarer werden lässt. Nichtsdestotrotz erschließen sich die jeweiligen Schlussfolgerungen der einzelnen Kapitel nicht unmittelbar und allumfassend. Die entsprechenden Kapitel laden daher zum Mehrfachlesen ein. Schade ist darüber hinaus, dass der Verfasser fast ausschließlich Filme aus dem amerikanischen und europäischen Sprachraum analysiert. Die asiatische Filmindustrie wird (mit wenigen Ausnahmen) komplett ausgeblendet. Diesbezüglich sollte speziell eine nähere Auseinandersetzung mit dem südkoreanischen Kino sehr fruchtbar sein.

Insgesamt bietet KINOPATHOS - GROSSE GEFÜHLE IM GEGENWARTSFILM aber noch etliche erhellende Einsichten in die Welt des Filmpathos und der Wirkungsweise pathetischer Bilder. Aufgrund des akademischen Schreibstils ist das Werk allerdings eher Lesern mit Basiswissen im Bereich Filmanalyse zu empfehlen. Einsteiger dürften sich an der Studie, trotz einiger sehr flüssig zu lesender Abschnitte, die Zähne ausbeißen.


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