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GEDRUCKTES IST TOT

GEORGE A. ROMERO UND SEINE FILME (2010, 1. Auflage)
von Rajko Burchardt

Original Titel. GEORGE A. ROMERO UND SEINE FILME
Seiten. 368

Autor. GEORG SEESSLEN

Review Datum. 2010-05-07
Erscheinungsdatum Deutschland. 2010-01-25
Verlag. KUK

Erscheinungsformat. HARDCOVER
Sprache. DEUTSCH

Mit Sicherheit spielt kaum ein Filmemacher in der Entwicklung des modernen "New Horror"-Kinos eine so tragende Rolle wie der Pittsburgher Regisseur George A. Romero. Seit er mit NIGHT OF THE LIVING DEAD einen der einflussreichsten Filme des Genres geschrieben und inszeniert hat, sind über vierzig Jahre vergangen. Seine radikale Umdeutung des bis dato eher in der Voodoo-Religion verorteten Motivs wiederkehrender Toter verband er mit einer geradezu studentisch pessimistischen Vision zersetzender Gesellschafts- und Familienstrukturen. Unter den vielen Erneuerern des Genres war Romero derjenige, der die tradierten und surrealen Formen des klassischen Horrorkinos am Eindrücklichsten mit den Realitäten der sozialen Gegenwart konfrontierte. Es war der Beginn eines nie wieder so fruchtbaren Horrorkinos, das insbesondere in den 70er Jahren die Ängste junger wilder Grenzgänger in phantastische Paradigmen übersetzte.

Die Wertschätzung der Filme Romeros und ihr Einfluss auf das (Genre)Kino zog sich jedoch lange hin, vor allem die deutsche Rezeptionsgeschichte besonders seiner Zombieepisoden ist eine der Vorsicht und Ablehnung. Während die amerikanische Kultur- und Filmwissenschaft Romero längst in ihren geistigen Autorenkanon aufgenommen hat, steht hierzulande die Verbreitung eines Meisterwerks wie DAWN OF THE DEAD in seiner ursprünglichen Fassung immer noch unter Strafe. Von daher verwundert es nur wenig, dass es bislang zu keiner umfassenden deutschsprachigen Publikation über das Schaffenswerk des 70jährigen Regisseurs gereicht hat.

Der für seine eigenwilligen und mitunter auch unpopulären Ansätze bekannte Filmkritiker Georg Seeßlen hat nun die erste Romero-Monographie publiziert. "George A. Romero und seine Filme" widmet sich auf rund 370 Seiten dem vollständigen Schaffenswerk des Regisseurs, samt Einordnung in den neuen amerikanischen Horrorfilm, seinen Einflüssen und einer Abhandlung über den Mythos der lebenden Toten. Auf den DEAD-Filmen liegt hier der deutliche Schwerpunkt, weshalb sich Seeßlen auch mit den zahlreichen Romero-Epigonen und dem Zombiefilm grundsätzlich auseinandersetzt. Das ist verständlich, bildet der DEAD-Zyklus doch den Mittelpunkt in Romeros Karriere, aber das Abfertigen seiner anderen Regiearbeiten auf zum Teil lediglich zwei Seiten wird dessen vielfältigem Œuvre keinesfalls gerecht. Nicht zuletzt deshalb, weil insbesondere die Zombiefilme Romeros (auch hierzulande) hinreichend durch die filmwissenschaftliche Mangel gedreht wurden, während seine eher unbekannten Werke noch auf ihre Entdeckung – oder zumindest erkenntnisreiche Analysen – warten.

Ein weiteres Problem ergibt die insbesondere für Seeßlens Verhältnisse eher schluderige Lesart der Filme. Wirklich neue, tiefer gehende oder unkonventionelle Beobachtungen sucht zumindest der Romero-Interessierte vergebens, während Neueinsteiger einen soliden Überblick gewinnen. Die hinlänglichen Rezeptionsmuster der zentralen Romero-Filme – NIGHT und Vietnam, die Konsumkritik in DAWN, der Konflikt Militär vs. Wissenschaft aus DAY – werden ein weiteres Mal bemüht, ohne dass der sonst so erfinderische und sich dem gewöhnlichen Blick entziehende Autor bei seiner Analyse Neuland betritt. Das gelingt ihm nur vereinzelt und wenn, dann allzu verkürzt und abfertigend. Da hat Seeßlen in seinen Veröffentlichungen über das Kino von David Lynch oder die Filme Steven Spielbergs deutlich energischere Ambitionen in der Auseinandersetzung erkennen lassen.

So bleibt das erste deutschsprachige Filmbuch über George A. Romero ein im lockeren Sinne lesenswertes Stöbern im reichhaltigen Schaffenswerk eines Ausnahmeregisseurs, das jedoch weit hinter den Möglichkeiten zurück bleibt. Es wirkt, auch oder gerade wegen vieler ungenauer Behauptungen, falsch recherchierter Angaben und sogar Rechtschreibfehlern, eher wie ein Schnellschuss. Dem Buch fehlen eine klare Linie und schlüssige Argumentationsketten, es begnügt sich mit zu vielen Allgemeinplätzen bei der Interpretation und Analyse von Romeros Filmen und ist letztlich, trotz beachtlicher Seitenzahl in allerdings sehr großem Schriftstil, viel zu knapp ausgefallen. Schade.


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