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GEDRUCKTES IST TOT

EXPLIZIT!: NEUE PERSPEKTIVEN ZU PORNOGRAFIE UND GESELLSCHAFT (2014, 1. Auflage)
von Lutz Granert

Original Titel. EXPLIZIT!: NEUE PERSPEKTIVEN ZU PORNOGRAFIE UND GESELLSCHAFT
Seiten. 170

Autor. LISA ANDERGASSEN . TILL CLAASEN . KATJA GRAWINKEL . ANIKA MEIER

Review Datum. 2014-12-28
Erscheinungsdatum Deutschland. 2014-05-15
Verlag. BERTZ + FISCHER

Erscheinungsformat. BROSCHIERT
Sprache. DEUTSCH

Vor einigen Jahren bot Medienwissenschaftler Werner Faulstich ein Seminar zur filmästhetischen Analyse von Pornofilmen an. Nach anfänglich großem Interesse unter den Studierenden klang die Begeisterung dafür jedoch schnell ab. Die wissenschaftlich-seriöse Auseinandersetzung mit dem Anrüchig-Profanen erzeugte dabei einen Widerspruch, vor dem auch der Sammelband EXPLIZIT! NEUE PERSPEKTIVEN ZU PORNOGRAFIE UND GESELLSCHAFT nicht gefeit ist. Weniger jedoch wegen des Untersuchungsgegenstands, vielmehr wegen den unterschiedlichen Zugängen zur Thematik.

Da reihen sich eher extrem unerotische, da staubtrockene Essays um Pornografie in der Rechtssprechung ("grobe Aufdringlichkeit" als Gütekriterium) und Pornografie als Bestandteil moderner Sexualität aneinander, bevor lang und breit über das Nutzungsverhalten von britischen Jugendlichen im Hinblick auf Porno-Websites ausgewertet wird. Wirklich anschaulich ist diese wissenschaftliche Herangehensweise an ein durchaus lustvolles Teilgebiet der Sexualität allerdings für den gemeinen Leser nicht so wirklich. Doch immerhin - und darin liegt die Stärke des vorliegenden Sammelbandes - kommen zum Abschluss auch zwei Künstler beziehungsweise Kreative aus der Praxis zu Wort, die in Installationen dann tatsächlich die "Pornografie neu verhandeln", wie es in dem einleitenden Text von Lisa Andergassen gefordert wird.

Maria Llopis, die schon freizügige Sex-Performances wie "FeminsmoPornoPunk" (2008) ins Leben rief und Pornografie damit ins Zentrum der Kunst rückte, bringt dabei auch die trotz seiner seriösen Verpackung reißerische Attitüde von EXPLIZIT! Auf den Punkt: "Dissertationen über Pornografie kommen und gehen. Pornografie macht niemanden mehr Angst. Feministinnen machen Pornos. Deine Großmutter macht Pornos." (Seite 138). Dabei unternimmt sie einen Rundumschlag durch die verschiedenen Feminismusbewegungen von "PorNo" über sexpositive Ausrichtungen und kommt zu dem Schluss, dass die Ehe und Monogamie nicht natürlich, sondern "lediglich der natürliche Zustand des Kapitalismus" seien (141). Der homosexuelle Künstler Sands Murray-Wassink kommt bei seinen ganz persönlichen, unverblümten Sichtweisen von Pornografie und auf seine eigene, sehr ausgeprägte Libido in einem sprunghaften Text zu dem Schluss: "Sex ist Überleben für mich" (163). Diese pragmatischen Erkenntnisse sind förderlicher für eine Auseinandersetzung mit dem profanen, aber zutiefst ehrlichen Thema als jeglicher wissenschaftlicher Exkurs mit Zitaten der üblichen Verdächtigen: von Roland Barthes über Michel Foucault bis hin zu Niklas Luhmann.


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