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THE WHITE STORM (Hong Kong 2013)

von André Becker

Original Titel. SAO DU
Laufzeit in Minuten. 140

Regie. BENNY CHAN
Drehbuch. BENNY CHAN . MANFRED WONG
Musik. NICOLAS ERRERA
Kamera. ANTHONY PUN
Schnitt. CHI WAI YAU
Darsteller. LOUIS KOO . LAU CHING-WAN . NICK CHEUNG . BEN LAM u.a.

Review Datum. 2014-09-16
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

THE WHITE STORM ist ein Film für Nostalgiker. Ein überlanges, hochgradig melodramatisches Actionspektakel, das in seinen besten Momenten an die Glanzzeiten des Hong Kong Kinos längst vergangener Tage erinnert. Die Vorbilder und Referenzen sind dabei schnell identifiziert: Regisseur Benny Chan (A MOMENT OF ROMANCE, NEW POLICE STORY) huldigt vor allem dem Heroic Bloodshed Genre, jener Spielart des asiatischen Actionfilms, die einst für einen enormen Popularitätsschub des Genre-Kinos der ehemaligen Kronkolonie sorgte und bis in die neunziger Jahre hinein weltweit Filmfans begeisterte.

Glücklicherweise verkommt die Big-Budget-Produktion nicht zur bloßen Kopie besagter Werke. Benny Chans Inszenierungsstil ist zwar up to date und im hier und jetzt verankert, die Verbundenheit zum Genre und den jeweiligen Motiven und Stereotypen atmet der Film dennoch aus allen Poren. Chan erzählt von Freundschaft, Verrat, Rache und letztendlich auch von Vergebung. Thematisch bewegt sich der sichtbar aufwendig inszenierte THE WHITE STORM somit in gewohnten Bahnen. Obwohl das Drehbuch verhältnismäßig viel Zeit seinen Hauptprotagonisten widmet, diese mitunter als ambivalente Charaktere zeigt und sogar einige Nebenfiguren ungeahnt detailliert beleuchtet werden, kann der Film nicht verbergen, wie simpel doch die eigentlich zugrundeliegende Story angelegt ist.

Die Polizisten Tin (Lau Ching-Wan), Wai (Nick Cheung) und Chow (Louis Koo) sind nicht nur Kollegen, sondern auch unzertrennliche Freunde. Alle drei arbeiten für das Drogendezernat der Polizei Hong Kongs. Chow ist allerdings bereits seit Jahren als Undercover-Agent eingesetzt, worunter vor allem sein Privatleben und die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin leiden. Ein neuer Auftrag führt das Dreiergespann schließlich nach Thailand, wo sie den Drogenboss Eight-Faced-Buddha das Handwerk legen wollen. Kein leichtes Unterfangen, denn die städtische Polizei erweist sich als nicht unbedingt kooperativ. Als das Trio herausfindet dass unter den thailändischen Polizisten ein Spitzel sein Unwesen treibt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Der Einsatz misslingt und endet in einem todbringenden Fiasko, dass alle Beteiligten nachhaltig verändert.

Trotz mehrerer recht bemüht wirkender Plot-Twists bleibt der Handlungsverlauf weitestgehend überraschungsfrei. Chan umschifft dieses kleine Manko jedoch geschickt mit einer sehr schnörkellos aufgebauten Spannungsdramaturgie, die im bleihaltigen Showdown geradezu explodiert. Hier schafft es der Film seine Stärken voll auszuspielen und hinterlässt tatsächlich ein Finale mit Wow-Effekt. Das soll nicht heißten, dass THE WHITE STORM vorher arm an Höhepunkten wäre. Die ausladende Actionsequenz im thailändischen Dschungel ist zum Beispiel nicht minder sehenswert und verdeutlicht eindrucksvoll das hohe inszenatorische Niveau der Produktion. Der letzte Shootout erstrahlt aber einfach viel heller und zelebriert wie kaum ein anderer Hong Kong Film der letzten Jahre den Tod im Kugelhagel und die damit einhergehende Auflösung von Körpern. Unterstützt durch eine hervorragende Kamera und eine atemberaubende Schnitttechnik entfacht Benny Chan ein wahres Action-Feuerwerk, das in erlesenen Bildern schwelgt und sich in ungebremster Wucht vor den frühen Großtaten John Woos verbeugt.

THE WHITE STORM ist kein durchgängig perfekter, aber ein angenehm bodenständiger Film, der weiß wie er sein Publikum begeistern und emotional involvieren kann. Benny Chan inszeniert nicht frei von Kitsch und Pathos, trifft aber in den entscheidenden Momenten den richtigen Ton. Was bleibt ist rasante, packende und in ihren fulminanten Actionszenen enorm dynamische Genre-Kost, die endlich mal wieder zeigt, dass sich das zeitgenössische Action-Kino made in Hong Kong nicht vor der Konkurrenz aus Südkorea, Thailand und Indonesien zu verstecken braucht.











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