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WEN DIE GEISTER LIEBEN (USA 2008)

von Florian Lieb

Original Titel. GHOST TOWN
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. DAVID KOEPP
Drehbuch. DAVID KOEPP . JOHN KAMPS
Musik. GEOFF ZANELLI
Kamera. FRED MURPHY
Schnitt. SAM SEIG
Darsteller. RICKY GERVAIS . TÉA LEONI . GREG KINNEAR . BILL CAMPBELL u.a.

Review Datum. 2009-01-15
Kinostart Deutschland. 2009-01-29

Das Leben nach dem Tod beschäftigt die Menschen seit jeher. Schon die alten Ägypter sorgten sich um ihre Toten und legten ihnen ihre Organe in einzelnen Urnen im Grab bei. Was nach dem Tod mit unseren Seelen passiert, da ist sich zumindest Hollywood ziemlich sicher. Im Falle seines Ablebens transformiert sich ein Mensch zugleich in einen Geist. Und Geister haben unerledigte Aufgaben, deswegen sind es Geister. Zwei der bekanntesten Geister-Filme dürften THE SIXTH SENSE und GHOST sein, andere Filme mit derselben Thematik wären auch GHOST DAD mit Bill Cosby oder HEART AND SOULS mit Robert Downey Jr. Und weil Geister ihre unerledigten Aufgaben nicht alleine bewältigen können, schließlich besitzen sie keine Materie, bedarf es eines menschlichen Sprachrohrs. Jener durchaus etwas altbackenen Geschichte nahm sich in GHOST TOWN Drehbuchautor David Koepp an, der mitunter auch -wie in diesem Fall- selbst Regie führt. Mit seinem aktuellen Film macht Koepp dabei weitestgehend alles richtig, indem er weniger versucht das Rad des Genres neu zu erfinden, sondern sich vielmehr auf den Charme und pointierten Witz seines Hauptdarstellers zu verlassen.

Bertram Pincus (Ricky Gervais) ist ein Zahnarzt in New York. Doch während es normalerweise die Menschen sind, die Zahnärzte nicht leiden können, ist Pincus ein Zahnarzt, der die Menschen nicht leiden kann. Jede soziale Beziehung zu seinen Kollegen und Mitarbeitern lehnt der Misanthrop rüde ab und schleicht sich nach der Arbeit aus dem Büro. Seine Schroffheit bekommen auch Mitbewohner seines Hauskomplexes zu spüren, speziell die Ägyptologin Gwen (Téa Leoni). Für Pincus halb so wild, kann er sich an die Witwe ohnehin nie erinnern. Das ändert sich als deren verstorbener Ehemann Frank (Greg Kinnear) ihn heimsucht. Neben Frank ist auch eine ganze Horde anderer New Yorker Geister hinter dem Zahnarzt her, als sie merken, dass er wiederum sie bemerkt. Wie Pincus herausfindet, ist er während einer Darmspiegelung sieben Minuten lang klinisch tot gewesen. Doch der Brite kann nicht nur lebende Menschen nicht leiden, die Toten gehen ihm auch schon bald auf die Nerven. Er macht einen Deal mit Frank und verspricht ihm zu helfen, Gwen aus ihrer Verlobung mit Anwalt Richard (Billy Campbell) zu lösen. Was keiner der Beteiligten erwartet hat: Pincus beginnt sich in die Ägyptologin zu verlieben.

Eigentlich sind Darmspiegelungen dazu da, Leben zu retten und nicht welche zu kosten. Wenn Ricky Gervais versucht, von seiner Chirurgin (Kristen Wiig) herauszufinden, was während seiner Operation schiefging und diese dann den hausinternen Anwalt konsultiert, nachdem sie Gervais sekundenlang nicht ausreden lassen wollte, erreicht GHOST TOWN seinen ersten Höhepunkt und macht zugleich klar, in welche Richtung sich der Film bewegt. Koepps Humor ist teilweise von pragmatischer Natur und lebt dabei von seinem Hauptdarsteller, dem britischen Comedian Ricky Gervais. Dieser ist als David Brent im englischen THE OFFICE-Original gewöhnt, ein narzisstisches Arschloch zu spielen. Wenn er von sich selbst überzeugt grinsend an die Rednerbühne schreitet, nachdem Gwen einen Vortrag gehalten hat, und sie dann anbaggert, indem er ihre Schuhe lobt, da diese ja so bequem seien, um einen Atemzug später mit einem gepressten "Bye!" abzuhauen, ist Gervais in seinem Element und das merkt man ihm auch an. In seiner ersten Kinohauptrolle vermag der Brite die Komödie somit durchaus zu tragen, nicht unfrei jedoch von der Hilfe seiner Nebendarsteller. Téa Leoni gefällt hier besser, als es in anderen Komödien wie FAMILY MAN oder SPANGLISH der Fall war. Greg Kinnear hingegen kann im Komödienfach kaum noch einer an O für ein U vormachen. Die Tatsache, dass hier die Chemie zwischen dem Ensemble stimmt, ist für GHOST TOWN schon die halbe Miete.

Allerdings hätte es dem Film gut getan, wenn Koepp hin und wieder mehr ins Detail gegangen wäre. Wieso unterzieht sich Pincus zum Beispiel der Darmspiegelung? Und was genau macht Richard eigentlich zu dem schlechten Menschen, als den ihn Frank abstempelt? Zwar lassen sich diese Lücken teilweise von selbst schließen, etwas mehr Ausführung hätte jedoch nicht geschadet. Hinzu kommt noch, dass die Beziehung zwischen Gwen und Pincus ziemlich überhastet an Fahrt gewinnt. Zwei kurze Gespräche und schon sind all die Ungepflogenheiten vergessen, die bisher zwischen den beiden standen. Wenn Koepp etwas mehr unnötige Zeit mit anderen Geistern dadurch geschnitten hätte, indem er stärkeren Fokus auf die eigentliche Romanze legt, hätte dies dem Film zum Vorteil gereicht. Aber auch so ist GHOST TOWN eine leicht beschwingte Geisterkomödie, deren Witze weniger mit dem Holzhammer präsentiert werden, sondern geschmeidig daher kommen. Die Katharsis von Pincus ist weitestgehend glaubwürdig gezeichnet, als man erfährt woher seine Misanthropie resultiert. Zwar ist dieser Aspekt genauso wenig neu wie zahlreiche andere Elemente des Films, doch wie oben bereits erwähnt macht Koepps Film weniger sein Inhalt aus, als die Art, wie er diesen vorträgt.











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