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DIE TÜR (Deutschland 2009)

von Christian Hellwig

Original Titel. DIE TÜR
Laufzeit in Minuten. 103

Regie. ANNO SAUL
Drehbuch. JAN BERGER
Musik. FABIAN RÖMER
Kamera. BELLA HALBEN
Schnitt. ANDREAS RADTKE
Darsteller. MADS MIKKELSEN . JESSICA SCHWARZ . HEIKE MAKATSCH . VALERIA EISENBART u.a.

Review Datum. 2009-09-27
Kinostart Deutschland. 2009-11-12

Es hat sich wohl jeder schon einmal gewünscht, das Geschehene ungeschehen machen zu können. Dass dies aber leider nur ein Wunschtraum bleiben muss ist eine unumstößliche Konstante des Lebens. Oder etwa doch nicht? Mit dieser Frage beschäftigt sich der neuste Film von Anno Saul, der dem größten Teil des Publikums wohl durch seine Regiearbeit WO IST FRED bekannt sein dürfte. DIE TÜR basiert auf Akif Princcis Roman "Die Damalstür", in der er seinen Protagonisten die scheinbare Chance eines neuen Leben ohne die alten Fehler ermöglicht. Dieser Stoff traf Saul nach eigener Aussage "wie ein Blitz" und so war er angeblich so begeistert von der literarischen Voralge, dass er diesen Film einfach "machen musste". Und in der Tat: Die Prämisse des Romans bietet sich unbestritten für eine Verfilmung an, so dass man gespannt sein durfte, was das Kino aus deutschen Landen aus dem Stoff machen würde.

Der aufstrebende Künstler David (Mads Mikkelsen) hätte mit seinem Leben völlig zufrieden sein können: Frau, Kind, ein eigenes Haus und im Job erfolgreich. Doch manchmal ist man nicht nur des eigenen Glückes Schmied, sondern auch des eigenen Unglücks. Während David seine Frau Marja (Jessica Schwarz) mit der hübschen Nachbarin (mit einem Gastauftritt: Heike Makatsch) betrügt, bleibt das kleine Töchterchen Leonie unbeaufsichtigt im Garten zurück. Als David wieder nach Hause kommt, muss er sein Kind leblos im Pool vorfinden: Ertrunken. Seine Ehe zerbricht an diesem Drama, ebenso wie David selbst, der sich sein Versagen als Vater und Ehemann nicht verzeihen kann. Fünf Jahre später hat er mit seinem Leben abgeschlossen und unternimmt einen Selbstmordversuch. Gerade noch kann ihn sein bester Freund retten. Als er nach Hause zurückkehrt, entdeckt er im Garten einen geheimen Gang, der ihn fünf Jahre zurück in die Vergangenheit versetzt. Nun sieht David die Möglichkeit gekommen, seine Tochter zu retten und das Geschehene rückgängig machen zu können.

DIE TÜR ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Oder mit anderen Worten: Weder kann man wirklich behaupten, dass der Film wirklich schlecht ist, noch gibt es irgendeinen Grund, großartig begeistert zu sein. Vielmehr spult Anno Saul seine Geschichte routiniert herunter. Wie an einer Perlenkette werden die Probleme, die sich für David durch seinen Zeitsprung unweigerlich ergeben müssen, erst hintereinander aufgereiht um dann der Reihe nacht abgehakt zu werden: Was mache ich mit meinem lebenden Doppelgänger (diesbezüglich stiehlt sich der Film dann in gewisser Weise mit der leichtesten aller Lösungen davon), wie überzeuge ich meine Frau und mein Kind davon, dass ich der "echte" David bin? Und zu guter Letzt: Wie vertusche ich die ganze Angelegenheit damit mir keiner auf die Schliche kommt? Das alles sind Fragen mit denen sich David in der ersten Hälfte des Films beschäftigen muss. Und man sieht ihm deshalb gerne dabei zu, weil Mads Mikkelsen seine Rolle wirklich spielt. In seiner leicht lakonischen Art, irgendwo zwischen tiefster Verzweiflung und neuer Hoffnung angelegt, gelingt es ihm, seinen Protagonisten so anzulegen, dass man unweigerlich Partei für seine Seite ergreifen muss. Auch Jessica Schwarz weiß in der Rolle der Ehefrau zu gefallen, so dass es wahrlich nicht an den Darstellern liegt, dass DIE TÜR nicht das Potenzial abrufen kann, das der Geschichte eigentlich innewohnt. Das liegt im Übrigen auch daran, dass der Film gegen Ende die interessante Ebene der kleinen Familie zu Gunsten einer umfassenderen Perspektive verlässt. Was als Familienstück beginnt, wächst sich dann irgendwann zu einem Thriller aus, der seine Konflikte aber nur oberflächlich behandelt.Gelungen ist immerhin das Ende des Films, das einen in der Summe recht stimmigen Abschluss der ganzen Angelegenheit offeriert.

Das Hauptproblem von DIE TÜR ist vor allem seine Vorhersagbarkeit. Die Geschichte vermag zu keinem Zeitpunkt wirklich zu überraschen und auch das dunkle Geheimnis um diese Parallelwelt, das dann irgendwann enthüllt wird, vermag niemanden ernsthaft aus der Reserve zu locken. Man hätte sich einfach gewünscht, dass Anno Saul die ganze Angelegenheit mit ein wenig mehr Esprit, Tempo und Würze versehen hätte, um dem Ganzen ein wenig mehr Leben einzuhauchen. So aber ist die DIE TÜR nicht mehr als ein nettes Filmchen, das zwar zu unterhalten, aber nicht vollends zu überzeugen vermag. Wenn man dem Film also eine Chance geben will, dann sollte man dies wegen den Darstellern tun. Mads Mikkelsen und Jessica Schwarz rechtfertigen den Kinobesuch. Für die in DIE TÜR erzählte Geschichte gilt das leider nur eingeschränkt.










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