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TRANSYLVANIA (Frankreich 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. TRANSYLVANIA
Laufzeit in Minuten. 103

Regie. TONY GATLIF
Drehbuch. TONY GATLIF
Musik. TONY GATLIF . DELPHINE MANTOULET
Kamera. CÉLINE BOZON
Schnitt. MONIQUE DARTONNE
Darsteller. ASIA ARGENTO . BIROL ÜNEL . AMIRA CASAR . ALEXANDRA BEAUJARD u.a.

Review Datum. 2007-11-30
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Auf dem Papier sieht TRANSYLVANIA fast wie ein Remake mit umgekehrten Geschlechterrollen von Tony Gatlifs früherem Film GADJO DILO aus: Die schwangere Zingarina (Asia Argento) hat sich von Frankreich aus auf den Weg nach Rumänien gemacht um den Mann zu suchen, der sie sitzen gelassen hat (Rockmusiker Marco Castoldi, mit dem Asia Argento auch im wirklichen Leben ein Kind hat) und bleibt bei einem anderen hängen (Birol Ünel, der Star aus GEGEN DIE WAND). Auch wenn das Motiv der Suche von Vorneherein klar ist und schon bald, nach Klärung der Umstände, in den Hintergrund rückt: Das Zigeuner-Motiv, die Anleihen beim Road movie, die Dominanz der Musik (bei Gatlif schon fast selbstverständlich), formal sind die Parallelen unübersehbar.

Und doch hat sich seit 1997 vieles geändert. Ein neoveristisches Drama spielte sich in Gatlifs Elend schon damals nicht ab, besetzte er doch professionelle Schauspieler, die allesamt keinem Zigeunervolk angehörten, mit den Hauptrollen. Aber Rona Hartners schiefes Gebiss, die Vulgarität der Beschimpfungen, die quasi als Vorspiel zum Sexualverkehr fungierten, das gesamte Umfeld boten mit Sicherheit kein wirklich realistischeres Roma-Bild, aber ein wesentlich schrofferes. TRANSYLVANIA kommt da erheblich glatter daher. Argento spuckt gerade einmal in die Hand und einmal auf den Boden, in GADJO DILO floss der Speichel wie das Blut in einem Slasher. Es mag sein, dass Gatlif, der zur Hälfte von Roma abstammt und damit außerhalb dieser und anderer ethnischen Gruppierungen nicht wirklich angreifbar ist, innerhalb der Roma, Sinti und anderer "zigeunernden" Völker sehr wohl aneckte und sich mit TRANSYLVANIA etwas rehabilitieren wollte.

Viel wichtiger als sein Verhältnis zur Political Correctness scheint aber, dass er sich auch inszenatorisch wesentlich gewandelt hat. Selbst seit dem Flamenco-Film VENGO von 2000 hat ein enormer Reifungsprozess bei ihm eingesetzt. Solch intensive Bilder, solch überraschende Wendungen wie das plötzliche Auftauchen eines Braunbären, in einem Moment, da man mit so etwas sicher nicht rechnet, kennt man aus früheren Filmen von ihm nicht. (Wobei sein unmittelbar vorangegangenes und in Cannes mit dem Regiepreis bedachtes Werk EXILS mir noch unbekannt ist.) Die Szene eines Ritus gerät äußerst mystisch, die Bezahlung des Mönchs darauf wieder sehr lustig. Solche Highlights gibt es des öfteren, aus dem etwas ruckartigen, episodenhaften Geschehen destilliert sich zudem ein runder Abschluss.
Asia Argento ist die vielleicht noch größere Überraschung. Sie wäre die letzte, die man in so einer Charakterrolle erwartet hätte. Sie gibt ihr vielleicht etwas zu viel Glamour, kann damit schon fast als Fehlbesetzung gelten. Darstellerisch hält sie dafür aber soweit ganz gut durch und mit Ünel mit, was bei ihr nicht gerade selbstverständlich ist. Amira Casar hingegen wird in einer eher uninteressanten Nebenrolle verheizt und alsbald aus dem Film geschrieben. Trotzdem ist TRANSYLVANIA ein typischer "braver" Arthouse-Streifen geworden, das aber im bestmöglichen Sinne: Sympathisch, filmisch versiert und sehr unterhaltsam.











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