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TIMECRIMES (Spanien 2007)

von Hasko Baumann

Original Titel. LOS CRONOCRÍMENES
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. NACHO VIGALONDO
Drehbuch. NACHO VIGALONDO
Musik. EUGENIO MIRA
Kamera. FLAVIO MARTÍNEZ LABIANO
Schnitt. JOSE LUIS ROMEU
Darsteller. KARRA ELEJALDE . CANDELA FERNÁDEZ . BÁRBARA GOENAGA . JUAN INCIARTE u.a.

Review Datum. 2008-03-24
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

TIMECRIMES ist für mich eine der schönsten Kinoerinnerungen an das Jahr 2007. Der Film hat mir ins Gedächtnis gerufen, wie erfüllend es ist, einen Film zu sehen, über den man nichts weiß und von dem man folglich nichts erwarten kann - und sich schon nach wenigen Minuten nur zu gern in die Hände eines überaus talentierten Filmemachers fallen läßt. Wie sein Film mit einem spielt, einen mitreißt, überrascht, amüsiert, verblüfft, sogar traurig macht; mitfiebern, mitleiden, miterleben. Kino im besten Sinne, im allerbesten Sinne, in einer Art, von der man auch heute noch träumen kann, die man sich noch wünschen und auch noch fordern kann, so lange es junge Wilde wie Nacho Vigalondo gibt. Nacho ist ein wunderbarer Verrückter, dem ziemlich egal ist, was sich gehört und der, egal was aus ihm wird, schon allein für seine unvergeßliche Demonstration des politisch sowas von unkorrekten "Swastika Dance", dem Hakenkreuztanz unsterblich geworden ist. "I'm sorry, I know you're German", sagte er zu mir am nächsten Tag. Geschenkt. Ich tanze weiter.

Unglaublicherweise ist der meisterliche TIMECRIMES Nachos erster Langfilm, dessen cleveres Zeitreisedrehbuch er auch noch selbst geschrieben hat. Müßte ich TIMECRIMES in Kürze einordnen, und das muß ich eigentlich, um die Handlung nicht vorwegzunehmen, würde ich sagen: Das ist ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT II Deluxe. Nacho Vigalondos Version von Marty McFly heißt Hector. Hector, ein Mann kurz vor den besten Jahren, wirkt zufrieden, glücklich mit seiner Frau und ganz sicher nicht so, als würde schon in den ersten Filmminuten sein Leben auf den Kopf gestellt. Aber so ist es: Weil sich der Mann ganz männlichen Gedanken hingibt und etwas zu lang mit einem Fernglas einem jungen Mädchen im Wald hinterhergiert, bricht sich das Schicksal Bahn. Hector, der unwissentlich kerzengerade auf Crashkurs geht, sieht sich als vermeintlicher Zeuge eines vermeintlichen Verbrechens zum Handeln gezwungen und findet sich schon kurze Zeit später... kurze Zeit früher wieder. Eine Stunde wird er durch ein geheimisvolles Zeitreiseexperiment zurückkatapultiert. Und nun muß Hector wie einst Marty McFly feststellen, daß man nicht einfach die Zukunft verändern kann - man muß auch dafür sorgen, daß sie verändert bleibt. Und damit schmeißt er einen Stein ins Wasser, der immer größere Kreise zieht.

Unter der erstaunlich sicheren, intensiven, aber unaufdringlichen gekonnten Regie Vigalondos kann Karra Elejalde als Hector alle Register ziehen. Es war ein weiterer Geniestreich des Regisseurs, einen hauptsächlich komödienerfahrenen Schauspieler in dieser tragikomischen Rolle zu besetzen - erst das macht die Tragweite dieses absurden Theaters faßbar. Es ist ein Trauerspiel zu hören, wie schwer es für Nacho Vigalondo war, diesen sensationellen Film zu finanzieren, und die nun immer häufiger eintrudelnden Erfolgsbotschaften über TIMECRIMES verleihen nur bedingt Grund zur Hoffnung auf weitere solcher originellen Kinoerlebnisse. Aber so lange solcher Filme das Licht der Welt erblicken, bleibt auch das Kino am Leben. Nacho Vigalondos TIMECRIMES ist einer der schönsten, spannendsten, originellsten Filme dieses Jahrzehnts. Und jetzt winkelt die Beine und Arme an. Es ist Zeit für den "Swastika Dance". Danke, Nacho.











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