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TERRA FORMARS (Japan 2016)

von André Becker

Original Titel. TERRA FORMARS
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. TAKASHI MIIKE
Drehbuch. KAZUKI NAKASHIMA
Musik. KOJI ENDO
Kamera. HIDEO YAMAMOTO
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. RINKO KIKUCHI . EMI TAKEI . MASAYA KATO . KANE KOSUGI u.a.

Review Datum. 2016-10-09
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Eins muss man Takashi Miike lassen: Der Regisseur bleibt bei der Wahl seiner Projekte und der Stoßrichtung seiner Filme stets unberechenbar. Und das ist definitiv als Kompliment zu verstehen. Nach eher konventionell angelegten Werken wie WARA NO TATE - DIE GEJAGTEN, der hierzulande gar regulär in den Kinos anlief, folgte mit YAKUZA APOKALYPSE wieder eine herrlich wahnwitzige Actiongroteske, so abgedreht und durchgeknallt wie nur möglich und genau die Sorte Film, für die der Japaner so geschätzt wird.

Die Manga-Verfilmung TERRA FORMARS riecht handlungstechnisch zwar nach hochbudgetierten Blockbuster-Kino, Miike schafft es aber auch hier deutlich seine Duftnote zu hinterlassen und pusht die eh schon reichlich abstruse Story-Prämisse auf ein maximal mögliches WTF-Level. Vorstellen kann man sich das Ganze als wilde Mischung aus POWER RANGERS und STARSHIP TROOPERS, gewürzt mit einer Prise DAS DRECKIGE DUTZEND und angereichert mit einem großen Schuss japanischer Pop-Kultur.

Die ferne Zukunft (wir schreiben das Jahr 2599) sieht mal wieder reichlich niederschmetternd aus. Oder anders gesagt, die Menschheit ist am Arsch. Diesen wenig erquicklichen Zustand haben schlaue Wissenschaftler allerdings schon vor langer Zeit vorausgesehen, weshalb sie zu Testzwecken auf dem Mars Kakerlaken ausgesetzt haben um herauszufinden, ob ein Leben auf dem unwirklichen Planeten überhaupt in irgendeiner Form möglich ist. Da das Experiment schon eine Weile zurückliegt soll ein früher Erkundungstrupp erste Ergebnisse zu Tage fördern. Dieser kehrt jedoch nicht zurück, was dazu führt, dass auf der Erde ein neues Team zusammengestellt wird. Bestehend aus den Abtrünnigen und Ausgestoßenen der Gesellschaft wird der Truppe aufgetragen die Lage vor Ort einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf dem Mars angekommen muss das Team feststellen, dass die Kakerlaken zu riesigen Schaben mutiert sind, die über die Ankunft der Gruppe alles andere als erfreut sind.

TERRA FORMARS ist schon ein sehr trashiger Film geworden. Das liegt gar nicht mal so sehr an den monströsen Kakerlaken, sondern primär daran, dass die Hauptfiguren mittels Verabreichung eines mit Käfer-DNA versetzten Mittels (oder was auch immer in den jeweiligen Spritzen steckt) in Mensch-Käfer-Mischwesen mit Superkräften verwandelt werden. Das ist natürlich ziemlich praktisch um im Kampf mit den blutrünstigen Viechern zu bestehen, schaut aber tatsächlich mitunter reichlich Banane aus. Die nun mutierten (Anti)Helden sehen dabei wie eine Kreuzung aus den Mitgliedern einer japanischen Pop-Band (inklusive bunter Frisuren), aufgeplusterten Weltraumsoldaten und undefinierbaren Käferwesen aus. Wirklich sehr, sehr strange und so uneingeschränkt gaga wie es klingt. Nach einem fixen Blick auf den Look des Mangas allerdings auch sehr vorlagengetreu umgesetzt.

Hat man sich erst einmal an das reichlich irritierende Aussehen dieser Super-Krieger gewöhnt macht der Film dann doch reichlich Laune. Erwartungsgemäß fackelt Miike nicht lange (ein Superkräfte-Training oder Ähnliches wird komplett ausgespart) und bereits nach kurzer Zeit wird die Hälfte der Mannschaft auf größtmöglich blutig-makabre Weise von den Marsbewohnern ins Jenseits befördert. Das Miike hier wenig auf Zuschauererwartungen gibt und beispielsweise rasch Figuren beseitigen lässt, bei denen man eigentlich davon ausgeht, dass sie im Filmverlauf noch richtig große Auftritte bekommen, ist ein zentrales Merkmal der Manga-Verfilmung. Was, wie passiert, wer wann welche besondere Rolle spielt bleibt völlig im Dunkeln. TERRA FORMARS ist deshalb ein Film der immer neue Überraschungen aus dem Hut zaubert, was den Unterhaltungswert der Produktion enorm steigert. Langweilig wird es somit nie.

Mit zahlreichen schleimig-ekligen Effekte und mehreren Over-the-top-Actionmomenten bietet Miikes Ausflug in das Sci-Fi-Genre massig Schauwerte um als waschechter Crowd-Pleaser empfohlen zu werden. Insbesondere der schön ausgedehnte Showdown, bei dem der Regisseur noch einmal ordentlich am Rad dreht verdient Szenenapplaus. Das speziell die Rückblenden, bei denen kurz auf die Hintergrundgeschichte der Charaktere eingegangen wird, verzichtbar sind, da das Drehbuch hier arg ziellos zwischen Outlaw-Klischees und Rührseligkeit pendelt, ist verschmerzbar angesichts des sonst durchgehend hohen Tempos.

TERRA FORMARS ist unterm Strich also durchaus spaßig und ein weiterer Beweis dafür, dass es Takashi Miike auch weiterhin glänzend versteht seinem Publikum ordentlich durchgeknallte Genre-Kost zu kredenzen. Sicherlich kein Sci-Fi-Film für die Ewigkeit, aber als aberwitzig-überdrehte Käferschlacht mit hohem Trash-Faktor für den Moment genau das Richtige.

TERRA FORMARS wird ab dem 28.10.2016 von Splendid auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.











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