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TEAM AMERICA: WORLD POLICE (USA 2004)

von Hasko Baumann

Original Titel. TEAM AMERICA: WORLD POLICE
Laufzeit in Minuten. 107

Regie. TREY PARKER
Drehbuch. TREY PARKER . MATT STONE . PAM BRADY
Musik. HARRY GREGSON WILLIAMS
Kamera. BILL POPE
Schnitt. TOM VOGT
Darsteller. TREY PARKER . MATT STONE . KRISTEN MILLER . MASASA u.a.

Review Datum. 2004-11-25
Kinostart Deutschland. 2004-12-30

TEAM AMERICA: WORLD POLICE ist rechtslastige nationalistische Propaganda. In diesem Film bekommt jeder sein Fett weg, der nach liberal gesinntem Amerikaner oder gar nach Ausländer auch nur riecht. Franzosen sind Baguettefresser und Pantomimen, Araber sind Idioten unter Handtüchern, Koreaner gleichgeschaltete Showtrottel und der Deutsche trägt eine Pickelhaube. Die für ihre US-regierungskritischen Statements bekannten Stars wie Alec Baldwin, Sean Penn und Tim Robbins werden zusammengefaßt als "Film Actors Guild", kurz "F.A.G." (Fag = Schwuchtel). Die "Fags" sind blöd genug, zusammen mit sämtlichen Regierungen der Welt auf Nordkoreas Nemesis Kim Jong Il reinzufallen, der die Weltherrschaft in bester James Bond-Manier anstrebt. Die Rettung kann nur in Form des Team America kommen, eine Art Super-Spezialeinheit, die bei Antiterror-Einsätzen auch mal den Eiffelturm und den Louvre zerstört und halb Kairo in die Luft jagt. "Es gibt drei Arten von Menschen", räsoniert der neueste Streich der SOUTH PARK-Macher gleich zweimal, "Schwänze und Muschis und Arschlöcher." Schwänze ficken Muschis und Arschlöcher. Das Team America sind die Schwänze, die Liberalen sind die Muschis und Kim Jong Il ist das Arschloch. "If you don't let us fuck this asshole we're going to have our dicks and pussies all covered in shit." Die Bush-Administration hätte es nicht so rüde, aber in der Essenz sicherlich so ähnlich ausdrücken wollen. Ach, und noch was: "Pussies are a inch and half away from assholes." Unter der schön profanen Oberfläche steckt hier eine schön perfide Philisophie. Trey Parker und Matt Stone meinen das ernst. Weltpolizei, in der Tat. "America! Fuck, yeah!!!"

TEAM AMERICA: WORLD POLICE ist aber noch etwas anderes. Er ist unglaublich lustig. Der Film schraubt sich gelegentlich zu humoristischen Höhepunkten hinauf, die ihn zum Ende des Jahres auf jeder Highlight-Liste unverzichtbar machen. Und dann ist er auch noch so liebevoll gemacht. Schon die erste Einstellung einer Marionette, deren Bild sich auflöst in einer anderen Marionette, die die kleine Puppe spielt - da erst wird einem bewußt, daß man hier der Augsburger Puppenkiste zusehen wird (inklusive Fäden und Urmel-artigem Rumgetrapse), komplett mit Gesangseinlagen und knackigen Songs. In einem der besten, "The End of an Act", machen sich Parker und Stone über Michael Bay und PEARL HARBOR lustig: "I miss you more than Michael Bay missed the mark, When he made Pearl Harbor /I miss you more then that movie missed the point, And that's an awful lot girl." Merkwürdigerweise ist es genau das Kino eines Jerry Bruckheimer, nach dem TEAM AMERICA: WORLD POLICE modelliert ist. Wenn das Team America den Schauspieler Gary abwirbt, um mit ihm die mutmaßlichen Terroristen zu infiltrieren, werden seine Schauspieldiplome nach schönster "Er ist der Beste"-Actionfilm-Manier verlesen. Der Film ist irgendwann so nah dran an seinen Vorbildern, daß er gar nicht mehr als Parodie durchgeht, sondern als straighter Actionkracher. Und dann wird es auch mal langweilig.

Zum Glück ist dies aber ein Marionetten-Actionkracher. In wunderbaren Minaturkulissen verfolgen sich Püppchen in kleinen Autos und sprengen Modellbaudampfer in die Luft. Die Autojagd in Ägypten ist tatsächlich von einer gewissen Rasanz und dabei fast so herzig wie das puppentypische Gestolper des betrunkenen Gary, der seinen Frust im Suff ertränkt hat. Wie dieses Männchen gegen den kleinen Tresen kracht und sich danach in gewaltigen Kotzschwällen erbricht, ist geradezu zum Liebhaben. Wenn Gary von seinem Mentor Spotswood zum Krieger geschult wird und man dies in einer Montage zu einem Song namens "Montage" sieht ("Always fade out in a montage / If you fade out, it seems like more time has passed in a montage"), ist das saukomisch. Der humoristische Höhepunkt jedoch ist eine Sexszene, ach was, eine Fick-, Leck- und Blaseszene zwischen zwei Puppen, in der gerammelt und gepoppt und geblasen wird, bis die Glieder knirschen. Da kann man mit Fug und Recht sagen, daß man sowas noch nicht gesehen hat.

Zum Ende hin wird der Film auch noch zum Puppensplatter, wenn das Team America gegen die F.A.G. antritt und nicht nur Penn, Baldwin und Robbins, sondern u.a. auch Samuel L. Jackson, George Clooney, Martin Sheen, Helen Hunt und Susan Sarandon mit viehischer Brutalität ins Jenseits befördert werden. Da wird abgefackelt, enthauptet und Hauskatzen zum Fraß vorgeworfen. Der Haß, der hier Amerikas Vorzeige-Liberalen entgegengebracht wird, ist schon bemerkenswert (die Matt Damon-Puppe ist so dämlich, daß sie nur ihren eigenen Namen brabbeln kann - keine Ahnung, was Parker und Stone nun gerade gegen Damon haben). Das alles gipfelt dann in obigem Dicks-Pussies-Assholes-Gleichnis, wenn das Team America siegreich die Bühne betritt.

Die Pressevorführung war, wie in Berlin so häufig, mit Journalisten besetzt, die zum großen Teil des Englischen nicht ausreichend mächtig sind (und ständig aufs Klo rennen - in vielen Kritiken wird die Sexszene wohl keine Erwähnung finden). Es waren aber auch "Fans" da, die den Film nun unbedingt gut finden wollten und auch dem Gleichnis besinnungslos applaudiert haben. Es sind dies dieselben Leute, die meinen, "Fuck Bush" wäre schon eine politische Äußerung und Michael Moores Filme eine objektive Aufklärung. Es scheint ihnen entgangen zu sein, daß etwa Moore in TEAM AMERICA als fetter, verfressener Attentäter gezeigt wird und Hans Blix als bürokratischer Waschlappen, der Kim Jong Il nur mit einem bösen Brief drohen kann, falls dieser ihm den nötigen Einblick verweigert.

TEAM AMERICA: WORLD POLICE ist ein Film, der die harte Hand offenbar ganz gern sieht; und dies von zwei Künstlern, die sich zuletzt mit der Aussage profilierten, man solle doch nicht wählen gehen, wenn man keine Ahnung habe. Sean Penn hat darauf vielleicht ein bißchen überreagiert, aber mit einer Sache hat er Recht: Wenn man keine Ahnung hat, verschafft man sich welche, und dann geht man wählen. Es ist durchaus nicht so, daß in TEAM AMERICA jeder sein Fett wegkriegt (auch wenn der Film recht streufeuermäßig austeilt), er ist tendenziös und zielt als Satire ausnahmsweise mal auf die seltener gesuchten Opfer. Vielleicht ist er deshalb sogar lustiger.











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