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TAJOMARU (Japan 2009)

von Alexander Karenovics

Original Titel. TAJOMARU
Laufzeit in Minuten. 128

Regie. HIROYUKI NAKANO
Drehbuch. SHINICHI ICHIKAWA . MATAICHIRO YAMAMOTO
Musik. NAOKI OTSUBO
Kamera. TAKUMI FURUYA
Schnitt. SHUICHI KAKESU
Darsteller. SHUN OGURI . YUKI SHIBAMOTO . KEI TANAKA . HIROYUKI IKEUCHI u.a.

Review Datum. 2010-07-11
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Samurais und Rock-Musik: das ist ein coole Kombination, dachte sich Regisseur Hiroyuki Nakano bereits bei seinem Kino-Erstling SAMURAI FICTION; kein Zufall also, daß er sich auch hier mit einem rotzigen Rock-Soundtrack anbiedert - leider kommt der Anachronismus nicht konsequent genug zum Einsatz um ihn als Stilmittel stehen zu lassen. Ein beliebiges Gimmick, mehr nicht. So wirkt der Film zuweilen wie eine Farce (Höhepunkt der Absurdität: rappende Samurais), und wenn's dann dramatisch wird, nimmt man den Charakteren die ganz großen Emotionen nicht mehr ab.

Hauptdarsteller Shun Oguri (CROWS ZERO) ist, wenn man der Nippon Boulevard-Presse glauben darf, derzeitig Japan's Hottest Male Property, und gut sieht er ja auch aus mit seinem verwegenen Blick und der wüsten Glam-Rock Gedächtnis-Frisur. In TAJOMARU spielt er Naomitsu, einen Sohn der Hatakeyama-Familie, der zusammen mit seinem Bruder Nobotsuna, der Sandkasten-Freundin Ako-hime, und dem adoptierten Straßenjungen Sakuramaru im feudalen Japan um das Jahr 1500 aufwächst. Als Ako-himes Vater stirbt, wird Naomitsu gleich zweimal hintergangen: Nobotsuna möchte das Mädchen zu seiner Frau machen, und Sakuramaru ist hinter dem Gold der Hatakeyamas her. Aus dem Dickicht von Intrigen bleibt Naomitsu und Ako-hime nur die Flucht in die Berge, wo er nach einer Begegnung mit dem Vogelfreien Tajomaru selbst zum Anführer einer Räuberbande wird.

Wem das bereits zuviele Namen waren, begeht lieber gleich Seppuko; das war nämlich erst die erste Viertelstunde. Wendepunkte hagelt es zuhauf, und die Story schlägt mehr Haken als ein vom Fernlicht aufgescheuchtes Kaninchen. Allerdings sind das ausnahmslos Überraschungen der willkürlichen Art; so beliebig, als hätte man alle zwei Minuten einen Zuschauer-Poll über den Fortgang der Handlung einberufen. Warum also Erwartungen aufbauen, respektive mit den Charakteren mitfiebern, wenn der nächste Twist ohnehin dem Würfelglück überlassen wird? Dabei waren die Ambitionen groß: den Namen der Figur wiederzubeleben, in deren Haut bereits Toshiro Mifune in Akira Kurosawas RASHOMON schlüpfte - ein Remake ist TAJOMARU trotzdem nicht, eher eine knapp an der Zielgruppe vorbeikalkulierte Hommage für eine undankbare Generation, welches das Original gar nicht mehr kennen dürfte.

Alles wäre halb so schlimm, würden sich die zahlreichen Wendepunkte wenigstens in aufregenden Action-Szenarien niederschlagen - stattdessen unterhalten sich Personen gefühlte 10 Minuten vor denselben unscharfen Hintergründen. Daß zudem in einer elend langen Dialog-Passage zwei Sprecher-Rollen gefesselt sind, kann man fast als Konzession werten, daß weder Drehbuchautor noch Regisseur einen blassen Schimmer hatten, was sie mit ihren Charakteren anfangen sollten.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, rammt sich spätestens angesichts der flachen TV-Optik ein Messer in den Bauch: TAJOMARU sieht aus wie der Fernsehfilm der Woche, und genauso steril werden die Schwerter gekreuzt. Die spannendste Choreographie und der rasanteste Schnitt verpuffen in der Erinnerung, wenn getroffene Gegner ohne einen sichtbaren Kratzer zu Boden sinken. Es muß ja nicht in historischen Splatter à la LONE WOLF AND CUB ausarten, aber zieht man ähnliche Genre-Filme der jüngeren Vergangenheit (ICHI, AZUMI) zum Vergleich heran, muten die blutleeren Kämpfe eher wie ein Zugeständnis an ein Publikum an, welches große Gefühle nur aus seifiger Nachmittags-Unterhaltung kennt.

Wo ist Ryuhei Kitamura, wenn man ihn braucht?











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