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SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE (Korea 2005)

von Björn Eichstädt

Original Titel. CHINJEOLHAN GEUMJASSO
Laufzeit in Minuten. 112

Regie. CHAN-WOOK PARK
Drehbuch. SEO-GYEONG JEONG . CHAN-WOOK PARK
Musik. SEUNG-HYEON CHOI . YEONG-WOOK JO . SEOK-JOO NA
Kamera. JEONG-HUN JEONG
Schnitt. JAE-BEOM KIM . SANG-BEOM KIM
Darsteller. YEONG-AE LEE . MIN-SIK CHOI . YEA-YOUNG KWON . SU-HEE GO u.a.

Review Datum. 2006-10-03
Kinostart Deutschland. 2007-01-11

Diesem Film haben die Freunde von SYMPATHY FOR MR. VENGEANCE und OLDBOY seit einiger Zeit entgegengefiebert - stellt SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE doch den dritten und vermutlich letzten Teil der Rachefilme von Koreas Regiegenie Chan-Wook Park dar. Und um das Ende vorweg zu nehmen: Die Anhänger des Regisseurs haben sich zurecht auf dieses Werk gefreut, auch wenn der ein oder andere Gewaltfanatiker vom weiblichsten der drei Filme enttäuscht sein dürfte. Denn das zeigt die Erfahrung: Wenn ein Regisseur mal einen Gang zurückschaltet, dann wird ihm das von der Einer-Geht-Noch-Gemeinde eher übel genommen.

Zurückhaltung ist auch eine Haltung. Und was für eine: Zunächst will SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE nämlich gar nicht viel über die Rachemotive seiner Protagonistin Geum-Ja Lee erzählen. Diese wird nach 13 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, wohin sie ein Mord an einem kleinen Jungen verschlagen hatte, den sie im zarten Alter von 19 beging. Ein Anlass für Rache scheint zunächst gar nicht vorzuliegen, und trotzdem entfaltet sich vor den Augen des Zuschauers ein mörderischer Racheplan in den schönsten Bildern und Farben. Denn natürlich war alles ganz anders, doch das Bild setzt sich erst nach vielen Rückblenden und Begegnungen mit den unterschiedlichsten Charakteren schlüssig zusammen; der finale Showdown, der erneut die Frage nach der Legitimation von Selbstjustiz stellt, lässt sich Zeit, und Blutfontänen sind auch eher selten zu sehen. Gerade mit dieser Erzählstruktur geht Chan-Wook Park neue Wege, weg vom Geradeaus der beiden Vorgänger, hin zu komplexeren Konstruktionen.

Style, das ist das Substantiv der Stunde. Denn was hier so auf der Leinwand passiert, ist eine helle Freude. Zunächst einmal Hauptdarstellerin Yeong-Ae Lee, die daherkommt wie die erste wirklich legitime Nachfolgerin von Japans 70s-Rächerin Meiko Kaji: Sie ist das perfekte Gesicht für diesen Film, weiß genau, wann sie verführerisch, böse oder leidend auszusehen hat und sieht in allen Situationen und Kostümen einfach nur unverschämt gut aus. Dann kommt die generelle Optik ins Spiel, die schlicht begeistert: Wer den absolut coolsten Einsatz einer Tätowierung im Rahmen einer Bildkomposition erleben will, den die Filmgeschichte bislang gesehen hat, der kommt um SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE sowieso nicht herum. Aber auch Kostüme und Interior Design sind schlicht vom Feinsten.

SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE ist der mit Abstand beste Film der Rachetriologie Chan-Wook Parks geworden, das ist erfreulich. Trotzdem könnte er in der Beliebheit bei den Filmfreaks hinter die Vorgänger zurückfallen. Denn nach OLDBOY hatten wohl viele auf eine noch härtere Gangart gesetzt. Dass Park sich eher in die andere Richtung bewegt hat, erinnert an wenig an das Vorgehen von Quentin Tarantino, der nach RESERVOIR DOGS und PULP FICTION mit JACKIE BROWN seinen besten, aber eben auch gemächlichsten und eben weiblichsten Film drehte. Gedankt haben es ihm die männlichen Fans damals nicht. So bleibt zu hoffen, dass im Jahr 2006 auch der Filmfan ein wenig gereift ist und SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE die Anerkennung erfährt, die der Film verdient hat.











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