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STUDIO 666 (USA 2022)

von André Becker

Original Titel. STUDIO 666
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. BJ MCDONNELL
Drehbuch. JEFF BUHLER . REBECCA HUGHES
Musik. ROY MAYORGA
Kamera. MICHAEL DALLATORRE . ERIC LEACH
Schnitt. BRANDON BALIN . ANDY CANNY . CRYSTAL PASTIS . MICHAEL SMOLLIN
Darsteller. DAVE GROHL . NATE MENDEL . PAT SMEAR . WHITNEY CUMMINGS u.a.

Review Datum. 2022-02-28
Kinostart Deutschland. 2022-02-24

Wenn populäre Musiker erstmals große Rollen in Kinoproduktionen übernehmen ist man als Review-Schreiber natürlich geneigt, erstmal lang und breit die Karriere der jeweiligen Person unter die Lupe zu nehmen und sich an den entsprechenden Meilensteinen abzuarbeiten. Im Falle von Dave Grohl kann man auf derlei biographisches Blabla aber getrost verzichten. Die einzelnen musikalischen Stationen des Musikers dürften hinlänglich bekannt sein. Insofern richten wir die Scheinwerfer gleich in vollem Umfang auf den entsprechenden Film. Der heißt STUDIO 666, versteht sich als Horror-Comedy und wurde von BJ McDonnell inszeniert.

Grohl hat dabei nicht nur die Idee zur Geschichte geliefert, sondern spielt sich auch selbst. Wer bereits aufgrund des Filmtitels eine Ahnung hat wohin die Reise geht, wird von der dazugehörigen Story nicht wirklich überrascht sein: Als Frontmann der Band Foo Fighters zieht es Grohl und seine Gang nach Kalifornien, wo sie in einem abgelegenen Studio ihr zehntes Album aufnehmen wollen. Was nach einer guten Idee klingt, um endlich mal wieder das volle kreative Potential aller Musiker zu aktivieren, geht aber schnell komplett nach hinten los. Im Haus geschehen merkwürdige Dinge und ruckzuck ist allen Beteiligten klar, dass sie es mit einer übernatürlichen Macht zu tun haben, die ihnen ganz und gar nicht wohlgesonnen gegenüber steht.

STUDIO 666 bietet wenig Überraschungen. Das ist allerdings nicht unbedingt als Manko zu verstehen. Man bekommt mehr oder minder exakt das was man von dieser Art Film erwartet. Die Gags pendeln dabei zwischen Unter-der-Gürtellinie-Humor und Insider-Witzen und weisen eine durchaus akzeptable Trefferquote auf. Man merkt zwar mitunter deutlich, dass Grohl und seine Foo-Fighters-Mitstreiter keinen Schauspiel-Background haben (und teils dementsprechend überfordert sind), nichtsdestotrotz versprühen alle Charaktere einen jeweils eigenen Charme, dem man sich kaum entziehen mag. Es ist erfrischend, dass Grohl auch den anderen Darstellern ihre Momente zugesteht und der Film nicht zur One-Man-Show des Frontmanns verkommt. Die Extraportion Wahnsinn wird jedoch, so ehrlich sollte man sein, von Grohl geliefert, der in dem Film teilweise herrlich enthemmt und wild fluchend die Sau rauslässt. Und das mit einer gehörigen Portion Selbstironie, die zum Glück nie über die Stränge schlägt und in einem adäquaten Rahmen verbleibt.

Neben den komödiantischen Tönen setzt STUDIO 666 auf teilweise ausgesprochen exzessive Splatter-Szenen, die in ihrer überdrehten Darstellung deutlich der Gesamttonalität des Films folgen. Zur Freude der Oldschool-Horrorfans wird bei den Effekten meist auf allzu offensichtliche Computereffekte verzichtet und stattdessen tief in die Trickkiste gegriffen. Die wenigen CGI wirken glücklicherweise nicht als Fremdkörper und reißen das Publikum nicht aus dem Retro-Feeling, welches Regisseur BJ McDonnell noch auf weiteren Ebenen anpeilt.

STUDIO 666 ist zwar in der Gegenwart angesiedelt, verortet sich aber immer wieder in einer längst vergangenen Zeit. Einzelne Handlungselemente weisen deutlich in die achtziger Jahre, wo Metal und (härtere) Gitarrenmusik gern als teuflische Entartungen verunglimpft wurden, was von einzelnen Horrorfilmen der damaligen Zeit nur zu gern aufgegriffen wurde (man denke an ROCKTOBER BLOOD etc.). In McDonnells Film gibt es daher auch diverse okkulte Insignien, infernalische Klänge und jede Menge mythologischen Klimbim, die nicht immer originell angelegt sind, aber das filmische Konzept stimmig untermauern. Von ähnlich gelagerten Produktionen wie z.B. dem einschläfernden WE SUMMON THE DARKNESS grenzt sich der Film allein schon deshalb ab, weil hinter dem spezifischen Sound des Films eine ganze Riege hochkarätiger Macher steht. Neben Roy Mayorga (Drummer bei u.a. Ministry), der den Original-Score beisteuerte konnte man noch die lebende Legende John Carpenter für das Intro gewinnen. Und natürlich ist da immer auch der Einfluss der Foo Fighters, der nie allzu offensiv daherkommt aber stets durchschimmert.

Der gesamte popkulturelle Referenzrahmen bleibt in STUDIO 666 somit fast überwiegend auf die Vergangenheit gerichtet. Einzelne Bezugspunkte zu z.B. der Instagram-Kultur dienen für selbstreferenzielle Witze und verdeutlichen die leise Melancholie, die man zwischen den Zeilen erkennen kann. Rock hat endgültig als prägende Musikrichtung ausgedient. Diese schon mehrere Jahre alte Erkenntnis dient hier als handlungsseitige Ausgangslage, die glücklicherweise nicht weinerlich vorgetragen wird, sondern als Spielwiese für Frotzeleien gegenüber dem Showbusiness und der Meta-Betrachtung von mittlerweile ausgedienten Rollenbildern wie dem testosterongestählten Frontmanns fungiert.

In STUDIO 666 schlummert daher durchaus die eine oder andere spannende Perspektive, die dem Film weitere Pluspunkte verschafft. Von einem wirklich großen Wurf ist die blutriefende Horrorkomödie dennoch ungefähr so weit entfernt wie Coldplay von ihren einstigen Anfängen als Alternative-Rockband. Insgesamt gelingt der Produktion aber eine souveräne Performance, bei der man über den einen oder anderen Ausrutscher angesichts der kindlich naiven Spielfreude aller Beteiligten, dem hohen Tempo und der durchgängig kurzweiligen Inszenierung gerne hinweg sieht.











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