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THE STRANGERS - OPFERNACHT (USA 2018)

von André Becker

Original Titel. THE STRANGERS: PREY AT NIGHT
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. JOHANNES ROBERTS
Drehbuch. BRYAN BERTINO . BEN KETAI
Musik. ADRIAN JOHNSTON
Kamera. RYAN SAMUL
Schnitt. MARTIN BRINKLER
Darsteller. BAILEE MADISON . LEWIS PULLMAN . CHRISTINA HENDRICKS . MARTIN HENDERSON u.a.

Review Datum. 2018-06-19
Kinostart Deutschland. 2018-06-21

Als bekannt wurde dass THE STRANGERS zehn Jahre nach dem Kinostart einen zweiten Teil erhält, hielt sich die von der Zielgruppe artikulierte Vorfreude in den sozialen Medien und den üblichen Review-Portalen eher in Grenzen. Ungeachtet dessen gibt es im Zusammenhang mit THE STRANGERS - OPFERNACHT gleich zwei faustdicke Überraschungen.

Die erste Überraschung betrifft die Auswertung. Normalerweise hätte man hier eine leidlich ambitioniert durchgeführte Direktauswertung für die Verleih- und Verkaufsregale bzw. die Video-on-Demand-Dienste erwartet. Insbesondere da der erste Teil nicht übermäßig erfolgreich war, sondern seinen guten Ruf primär über wohlwollende Rezensionen und ein Quasi-Alleinstellungsmerkmal als bitterböse und komplett ironiefreie Kreuzung aus Slasher und Home-Invasion-Thriller erarbeitet hat. Dass der Nachfolger sogar hierzulande regulär in den Lichtspielhäusern startet, ist durchaus überraschend und lässt hoffen das in Zukunft vielleicht wieder ein paar mehr kleiner budgetierte Filme aus dem Thriller- und Horrorsegment auf der großen Leinwand gezeigt werden. In Zeiten in denen gefühlt jeder Genre-Film aus dem Hause Marvel/DC/Blumhouse kommt oder als weichgespülte Familienunterhaltung endet (bevorzugt mit Dwayne Johnson) wäre eine solche Entwicklung eine echte Wohltat.

THE STRANGERS - OPFERNACHT erfüllt außerdem auf positive Weise nicht die Erwartungen. Soll heißen: Die von Regisseur Johannes Roberts (Regie u.a. beim Hai-Horror 47 METERS DOWN oder dem Mystery-Film THE OTHER SIDE OF THE DOOR) inszenierte Fortsetzung schneidet in fast allen Belangen besser als gedacht ab. Lediglich bei den Charakteren bekommt man genau die grob gezeichneten Figuren-Skizzen vorgesetzt, die man in so einem Film erwartet, z.B. das nicht mehr ganz so junge Elterngespann gespielt von Martin Henderson und Christina Hendricks (MAD MEN). Das ist allerdings gar nicht weiter tragisch, denn trotz dieser Klischee-Profile gelingt es Roberts schnell sie mit einer Grundierung zu versehen, die ausreichend Mitfühl-Potential beinhaltet. Wenn nach einer knapp gehaltenen Aufwärmphase die Hetzjagd beginnt ist man also sehr fix emotional involviert. Eines der größten Probleme vieler Neo-Slasher, nämlich das die Hauptfiguren durch die Bank weg unsympathisch daherkommen, umgeht Roberts routiniert und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl.

Ähnlich wie im ersten Teil ist die reine Handlung kaum der Rede wert. Im Gegensatz zum 2008-Strangers ist der Bewegungsradius der Figuren im neuen Teil allerdings stark erweitert. Diesmal ist es ein Trailerpark, der für eine vierköpfige Familie zur Todesfalle wird. Die kleine Siedlung sollte dabei eigentlich nur ein Zwischenstopp sein (auf dem Weg zum Internat, auf das die rebellische Tochter geschickt werden soll). Aber natürlich kommt alles anders. Kurze Zeit nach der Ankunft auf dem bereits verdächtig verlassen wirkenden Areal überschlagen sich die Ereignisse. Drei vermummte Personen machen Jagd auf die Familie. Und wie soll es auch anders sein: Hilfe ist weit und breit keine in Sicht.

In Punkto Look, Optik und Soundtrack geht es mit Ansage in Richtung der achtziger Jahre. Da erstrahlt die Pool-Beleuchtung in der ansonsten undurchdringlichen Schwärze der Nacht in den grellsten Neonfarben, da wummern cheesy Pop-Songs aus den Boxen und auf dem knappen T-Shirt der rebellischen Tochter (überzeugend: Bailee Madison) prangt das Logo der Ramones. All das ist zwar klar dem gegenwärtigen 80er-Jahre-Trend geschuldet (vor zehn Jahren wäre ein solcher Retro-Einschlag wohl ein NoGo gewesen), wird von den Machern aber stimmig umgesetzt und passt überhaupt recht gut zur grundsätzlichen Inszenierung. Die besinnt sich verstärkt auf die Qualitäten des Horror-Kinos der siebziger und achtziger Jahre: Eine kompromisslose, aber nie allzu grafisch eingefangene, Grundhärte, fokussierter Spannungsaufbau und keinerlei ironische Brechungen. Ganz vereinzelt gibt es als Zugeständnis für die Teenager-Zielgruppe zwar die obligatorischen Jump-Scares. Diese sind jedoch mit Bedacht gewählt und geraten kaum zum Störfaktor. Diesbezüglich gilt wie so oft: Wer die Trailer kennt, der/die kennt auch viele der Buh-Momente. Insofern kann nur empfohlen werden vorab möglichst wenig Trailer-Material zu sichten.

Während im ersten Teil sämtliche Reaktionen des bedrohten Paares (damals u.a. gemimt von Liv Tyler) von vornherein zum Scheitern verurteilt waren und die pure Hoffnungslosigkeit dominierte, sind im zweiten Part die Opfer der Terror-Gruppe wesentlich wehrhafter. Schusswaffen, Messer und eigentlich alles was das Setting zur Verfügung stellt wird genutzt um die zugedachte Rolle als Opferlamm abzustreifen und ganz im Sinne der Genre-Traditionen (Stichwort: Final Girl) zurückzuschlagen. Regisseur Roberts gelingt es hier die Hetzjagd mit actionreichen Höhenpunkten zu garnieren die er in einem ausgedehnten Finale auf explosive Weise steigert.

Die rasante und spannungsintensive Inszenierung, der stimmig eingesetzte 8oer-Look, sowie die soliden schauspielerischen Leistungen machen aus THE STRANGERS - OPFERNACHT zwar keinen Über-Hit, wohl aber doch einen höchst kurzweiligen, stylischen kleinen Reißer bei dem Horrorfilm-Fans durchaus einmal einen Blick riskieren können. Und Johannes Roberts sollte man eh im Auge behalten. Wirkliche Ausfälle finden sich in seiner zunehmend länger werdenden Filmografie nämlich nicht.











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