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SPEED RACER (USA 2008)

von Rajko Burchardt

Original Titel. SPEED RACER
Laufzeit in Minuten. 135

Regie. ANDY WACHOWSKI . LARRY WACHOWSK
Drehbuch. ANDY WACHOWSKI . LARRY WACHOWSK
Musik. MICHAEL GIACCHINO
Kamera. DAVID TATTERSALL
Schnitt. ROGER BARTON . ZACH STAENBERG
Darsteller. EMILE HIRSCH . CHRISTINA RICCI . JOHN GOODMAN . SUSAN SARANDON u.a.

Review Datum. 2008-05-06
Kinostart Deutschland. 2008-05-08

Das Leben, eine Rallye. Speed Racer (Emile Hirsch) ist der neue aufsteigende Superstar unter den Rennfahrern. Getreu seinem großen Vorbild, dem eigenen Bruder, der einst bei einem riskanten Lauf ums Leben kam, hängt er alle Gegner ab, gewinnt zahlreiche Matches und macht das kleine Familienunternehmen glücklich. Pops und Mom Racer (John Goodman und Susan Sarandon) strahlen vor Stolz, während Speed glücklich und zufrieden mit Freundin Trixie (Christina Ricci) die jüngsten Erfolge feiert. Als eines Tages der cholerische Firmenchef der Royalton Company (Roger Allam) vor der Haustür steht und den Rennfahrer mit imposanten Versprechen abwerben möchte, schlägt dieser das Angebot aus – und macht sich somit zum ärgsten Feind von Royalton und dessen skrupellosen Handlangern, die die Rennen für saftige Profite manipulieren. Gemeinsam mit dem undurchsichtigen Ex-Rivalen Racer X (Matthew Fox) versucht die Racer-Familie deshalb, den schmierigen Unternehmern den Garaus zu machen – bei jener Querfeldein-Rallye, die einst Speeds Bruder das Leben kostete.

SPEED RACER ist, was es zu beweisen galt: Eine schnelle, quietschbunte, überladene Gut-Gegen-Böse-Geschichte für die ganze Familie. Eine simpel gestrickte, üppig inszenierte Comic-Achterbahnfahrt für groß und klein. Und natürlich ein Retro-Film mit Sixties-Flair, der so unverhohlen naiv, so aufmüpfig kindlich daherkommt, als würde er alles, was er sagt und tut, nicht nur unbedingt für wahr halten, sondern auch überhaupt der erste sein, der so eine Geschichte auf genau so eine Art erzählt. Der Film ist also alles, was man erwarten durfte, und alles, was Andy und Larry Wachowski zuvor versprachen: Eine Hommage an ihre Lieblingsserie aus Kindheitstagen, die auf dem japanischen Vorbild MACH GO GO GO basiert. Man kann gegen SPEED RACER also zumindest nicht den Vorwurf erheben, er würde nicht veritabel jenes Bonbon-Szenario bedienen und ausschöpfen, das all die merkwürdigen Bilder und Trailer im Vorfeld so vermuten ließen.

Doch auch wenn der Film seinen eigenen Ambitionen gerecht wird, so ist diese überfrachtete Kaugummi-Mischung aus der FAMILIE FEUERSTEIN, den JETSONS und CARS jenseits von Nostalgie und Comicstrip auch fürchterlich anstrengend. Visuell zweifellos aufwändig in Szene gesetzt, erschöpft sich das bunte Farbenmeer nach einer gelungenen Einführung rasch. SPEED RACER kreiert zwar immerhin einen eigenen Stil, dem er auch durchweg treu bleibt, doch man sieht sich schnell satt an all der Künstlichkeit und Animation, fühlt sich zunehmend überfordert und außen vor. Die erdrückenden Farbwechsel und rasanten Rennszenen wirken regelrecht zumutend, vor allem bei rund 135 Minuten Laufzeit. Der Film hätte insbesondere stark gestrafft werden müssen, um zu verhindern, dass sich irgendwann eine regelrechte Passivität beim Zuschauen einstellt. Man lässt das Treiben eigentlich nur noch auf sich einprasseln, ohne ihm wirklich aufmerksam zu folgen, zumal SPEED RACER auch hinreichend dialoglastige Momente hat, die neben der visuellen Opulenz für zusätzliche Langeweile sorgen.

Die an Computerspiele erinnernde Ästhetik dürfte kleineren Zuschauern zweifellos zusagen, doch man vermisst Detailliertheit und Sorgfalt bei den Animationen (die Autocrashs sind unübersichtlich; die als Überleitung eingesetzten, sich durchs Bild bewegenden Köpfe meist unscharf und durch Doppelkonturen entstellt). Überaus klug hingegen die Verpflichtung Michael Giacchinos, der den Film geschickt zusammenhält mit einer gewohnt rasanten, sehr jazzigen Musik, die ihm abermals Gelegenheit für Anleihen beim John Barry-Sound der 60er bietet. Ansonsten fällt es schwer, SPEED RACER an herkömmlichen Mustern abzugleichen, zu eigen ist seine Filmsprache, seine digitale Inszenierung, sein gewolltes Over-Acting, seine Zugeständnisse ans Kinderpublikum (einen nervtötenden kleinen Jungen samt Hausschimpansen inklusive). Er ist, was er ist und er ist, was er sein wollte. Aber das macht ihn eben noch lange nicht zu einem guten Film. Oder überhaupt zu einem Film.











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