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SNOWMAN'S LAND (Deutschland 2010)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. SNOWMAN'S LAND
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. TOMASZ THOMSON
Drehbuch. TOMASZ THOMSON
Musik. LUKE LALONDE
Kamera. RALF MENDLE
Schnitt. TOMASZ THOMSON
Darsteller. JÜRGEN RIßMANN . THOMAS WODIANKA . REINER SCHÖNE . EVA-KATRIN HERMAMNN u.a.

Review Datum. 2010-09-09
Kinostart Deutschland. 2010-09-30

Schwarze Komödien sind bekanntlich nicht gerade ein Steckenferd des deutschen Films. Das musste auch Tomasz Thomson erfahren, als er versuchte, eine Finanzierung für sein Projekt SNOWMAN'S LAND zu finden. Es gestaltete sich als geradezu unmöglich, das Drehbuch an den Mann zu bringen, erst ein Trailer für den noch nicht gedrehten Film brachte die Wende. Der erste Impuls ist, sich mal wieder über die mangelnde Anerkennung zu beschweren, die Genrefilme in Deutschland bekommen. Hat man SNOWMAN'S LAND jedoch gesehen, drängt sich ein anderer Grund für die Schwierigkeiten auf: Das Drehbuch ist einfach nicht besonders gut.

Erzählt wird von Walter (Jürgen Rißmann), einem Auftragskiller, der bei seinem letzten Job versehentlich die falsche Zielperson erschossen hat und daraufhin von seinem bisherigen Auftraggeber rausgeworfen wird. Er ergreift die Gelegenheit, einen Kollegen bei einem Job zu vertreten: Gemeinsam mit dem etwas dümmlichen Micky (Thomas Wodianka) soll er auf das entlegene Anwesen von Gangsterboss Berger (Reiner Schöne) "tief im Osten" aufpassen und sich um dessen Freundin Sibylle (Eva-Katrin Hermann) kümmern. Als diese durch einen Unfall ums Leben kommt, lassen die beiden Killer die Leiche verschwinden und setzen alles daran, Bergers Verdacht zu zerstreuen - auch, wenn das bedeutet, die Folter durch Bergers Schläger Kazik (Waléra Kanischtscheff) zu ertragen.

Mord und Totschlag in verschneiter Einöde - nicht nur das Setting und die Grundidee erinnern an das Coen-Meisterwerk FARGO. Auch der Humor und die Atmosphäre sind offensichtlich den Regiebrüdern nachempfunden: Eine lakonische Stimmung will Thomson erzeugen, mit ein wenig Melancholie und viel schwarzem Humor - über weite Strecken ist SNOWMAN'S LAND aber schlicht ereignislos und langweilig. Dem Humor fehlt es deutlich an Timing, die Dialoge sind zwar in einigen Fällen sehr lebensecht, immer wieder versucht sich Thomson aber an markigen One-Linern, die aber nur peinlich daherkommen. Wenn doch einmal eine Pointe zündet, handelt es sich selten um eigene Idee. Spannung ist bei dem Ganzen sowieso nicht vorhanden und so scheint auch das ungelenk inszenierte Finale, das auch noch äußerst unspektakulär, beinahe lustlos daherkommt, nur konsequent.

Ein Bisschen schade ist es um die gute Besetzung. Jürgen Rißmann macht aus dem uninteressanten Charakter Walter das Beste, Thomas Wodianka zeigt als Micky sogar Charme und zieht, trotz der Dämlichkeit der Figur, Sympathien auf sich und auch Reiner Schöne zeigt Präsenz und gibt seinem Charakter selbst in den freundlicheren Szenen stets den nötigen Hauch Bedrohlichkeit.

Wenn SNOWMAN'S LAND doch einmal im Ansatz Atmosphäre schafft, liegt das in erster Linie am grandiosen Soundtrack. Verantwortlich dafür ist der kanadische Musiker Luke Lalonde, dessen Songs wohl das einzige am Film sind, was eine eigene Handschrift erkennen lässt.

Diese wenigen Lichtblicke können SNOWMAN'S LAND aber nicht retten: Der Film will etwas besonderes sein, frischen Wind in die deutsche Filmlandschaft bringen. Dafür mangelt es aber nicht nur an Eigenständigkeit, sondern auch an grundlegenden Qualitäten wie Timing, Spannung oder interessanten Charakteren. Es mag wünschenswert sein, dass Genrefilme in Deutschland mehr Anerkennung bekommen, auf diesen hätten wir jedoch auch gut verzichten können.











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